Abzocke beim theoretischen Führerschein

Anfang 2018 trat die Reform für die theoretische Führerscheinprüfung in Kraft und seitdem dürften die Umsätze der Autosecurité Group, insbesondere in diesem Geschäftszweig, sich vervielfacht haben. Nach schnell aufkommender berechtigter Kritik und großem Unmut in der DG verwies die Pressesprecherin der Autosecurité, Virginia Li Puma, in einem Artikel vom 13.01.2020 auf das neue Gesetz und auf die gute Vorarbeit der Experten in Sachen Fragestellung etc.. Ein Jahr später im Juni 2021 meldet sich nach einer Debatte im Parlament der DG auch der Rat der deutschsprachigen Jugend (RDJ) zu dem Thema „Theoretische Führerscheinprüfungen“ und zeigt nicht nur die zahlreichen desaströsen Missstände und die offensichtlich Benachteiligung von nicht französischsprachigen Prüflingen auf, sondern macht auch konkrete Verbesserungsvorschläge.

Wir halten also fest: Keine 30% der Prüflinge bestehen - nicht nur im ersten Anlauf. Eine 100% Durchfallquote ist keine Ausnahme. Kursgebühr für einen Kurs in der Fahrschule 90€, Prüfung 15€, Kursbuch 50€ mit Code für Onlinetraining, der aber nach 4 Wochen abläuft. Digitale oder telefonische Anmeldung für Termine ist nicht möglich. Der Prüfungsraum ist eine Katastrophe. Fragen sind schlecht übersetzt oder so verschachtelt formuliert, dass man es nicht verstehen kann. Prüfung bricht ab, wenn man die max. Fehlerzahl erreicht hat, die restlichen Fragen kann man nicht mehr einsehen (zahlt man nicht für den vollständigen Test?). Die gemachten Fehler bzw. die Fragen dazu nicht einsehbar. Stattdessen erhält man ein Hilfsblatt mit Über- und Unterbegriffen zu Themen, die man wiederholen sollte wie zum Beispiel: „Umgebung – Plage“. Auf Nachfragen, was das dann heißen sollte, sagte man: „Das wissen wir nicht. Das haben wir auch schon gemeldet, aber keiner weiß es. Die Frage ist aber bestimmt richtig formuliert.“

Für Personen mit Beeinträchtigungen ist das eine reine Katastrophe. Obwohl man alle Regeln und Inhalte auswendig kennt, scheitert man an den komplizierten verschachtelten Formulierungen der Fragen. Es gibt keine angepassten Prüfungen in einfacher Sprache. Selbst mehr Zeit und ein Vorlesen (wie nun für Menschen mit Beeinträchtigung angeboten wird) hilft da nichts. Seit diesem Jahr hilft Alteo mit Sonderkursen. Großes Lob für das tolle Engagement. Aber leider hilft das wenig, denn egal wie sehr wir versuchen uns vorne zu verbessern, hinten kontrolliert „das System“ mit der weiterhin gleich schlechten Infrastruktur, ganz zu schweigen von fehlenden möglichen Nachteilsausgleichen für Menschen mit Behinderung. Ich glaube nicht, dass es bei dieser Reform um eine Reform zur Verbesserung der Sicherheit geht. Zumindest nicht in der jetzigen Umsetzung. Hier geht es um Geld. Bei 80% Marktanteil und 200.000 Prüfungen und einer richtig schön hohen Durchfallquote kommt gut was rein. Die Qualität des Kundendienstes; Umstrukturierung und Verbesserung der Verfahren ist das Leitmotiv der Autosecurité. Eine Farce. Jetzt ist die Politik gefragt. Der grüne Minister für Mobilität und Infrastruktur Philippe Henry wäre anzusprechen – das Hochwasserthema hat er ja jetzt erfolgreich abgehakt.

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