Angesichts der rasant steigenden Energiepreise und der Abstürze an den Aktienmärkten sagen manche bereits eine Rezession voraus. Der belgische Arbeitgeberverband FEB ist besorgt und hat eine multidisziplinäre Taskforce eingerichtet, um die Auswirkungen dieser Krise auf die Unternehmen so gut wie möglich zu verfolgen. Belgische Firmen, die in der Ukraine und in Russland tätig sind, bekommen die Auswirkungen des Konflikts mit voller Wucht zu spüren, aber auch die in Belgien tätigen Betriebe sind nicht immun. „Die ersten Auswirkungen der Krise sind bereits in verschiedenen Sektoren zu spüren, etwa in der Lebensmittelbranche, im Einzelhandel, in der Holzindustrie, im Baugewerbe oder im internationalen Transportwesen“, stellt die FEB fest.
Dennoch sei es verfrüht, ein Rezessionsszenario zu entwerfen, meint de Callataÿ in der Zeitung „L’Echo“. „Von von einer Rezession ist die Rede, wenn sich Misstrauen breit gemacht hat und Unternehmen und Haushalte nicht mehr konsumieren. So weit sind wir jedoch nicht.“ Er bestreitet nicht, dass die steigenden Energiepreise einen Schock für die Verbraucherländer auslösen könnten. „Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass dies zu einer Rezession führen soll. Die europäischen Indikatoren deuten jedenfalls nicht darauf hin“, sagt er.
Wie ist dann der anhaltende Abwärtssog der Börsen zu interpretieren? „Die Aktienmärkte reagieren übertrieben. Ohne die Schwere der Ereignisse in der Ukraine herunterspielen zu wollen, aber wie kann man behaupten, dass das, was heute passiert, die künftigen Gewinne der Unternehmen um zehn Prozent schmälern wird“, antwortet de Callataÿ dem Wirtschaftsblatt. Andere beschwören das Gespenst der Stagflation herauf, d. h. einen starken Inflationsschub in Verbindung mit einem schwachen Wachstum. Auch hier mahnt der Ökonom zur Besonnenheit. „Der Begriff Stagflation scheint mir unangemessen. Ich glaube nicht, dass die Energiepreise in den nächsten Quartalen dauerhaft hoch bleiben werden".
Dafür führt er mehrere Gründe an. „Wir kommen aus dem Winter, also wird die Nachfrage zurückgehen. Es wird Druck auf andere Förderländer als Russland ausgeübt werden, ihre Produktion zu steigern. Dieselben Erzeugerländer werden ihrerseits die derzeit hohen Preise nutzen wollen, um ihre Produktion abzusetzen. Dies gilt umso mehr, als die Ukraine-Krise die Energiewende beschleunigen und somit zu einem Rückgang der Nachfrage nach fossilen Brennstoffen führen könnte.“ Nach Ansicht von de Callataÿ dürfte sich die derzeitige Inflation in den nächsten sechs Monaten verlangsamen. „Ich würde mich nicht beeilen, um meinen Heizöltank zu füllen.“ (gz)
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