Die N-VA ist gegen den kompletten Atomausstieg im Jahr 2025, so wie er bisher vorgesehen ist. Innerhalb der regierenden Vivaldi-Koalition sorgt die Frage allerdings für Spannungen. Für die Grünen (Ecolo/Groen), die Teil der Regierung sind, ist die Frage besonders wichtig. Die N-VA hofft auf eine Verlängerung der beiden jüngeren Reaktoren Doel 4 und Tihange 3. Laut De Wever wäre Flandern „mit großer Mehrheit“ für die Beibehaltung der Kernkraftwerke, und eine Regionalisierung würde es dem Norden des Landes ermöglichen, selbst über das Schicksal von Doel 4 zu entscheiden. Der Meiler Tihange 3 liegt in der Wallonie (in der Nähe von Huy). „Es gibt keine Unterstützung für einen Atomausstieg in Flandern“, sagte er in dem Rundfunkinterview und fügte hinzu, dass nur noch die flämischen Umweltschützer für die Maßnahme einträten. „Man kann sicherlich zu einer Einigung zwischen den Parteivorsitzenden kommen, Groen ist nur eine kleine Formation“, argumentierte er. In der Wallonie sei die Situation komplizierter, da Ecolo im Süden des Landes mehr Gewicht habe, so Bart De Wever.
Die Grünen sprechen von einem Vorschlag, der „reine Science-Fiction“, wie Wouter De Vriendt, der Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Kammer, erklärte. Rechtlich sei eine Übertragung gar nicht möglich, und auch in Bezug auf den Preis und die Sicherheit sei die Idee nicht realistisch. „Wenn die Kernkraftwerke weiterbetrieben werden, ist der Betreiber nicht für die Entsorgung des Atommülls verantwortlich, die mit 42 Milliarden Euro zu Buche schlägt. Wird Flandern dann diese Monsterrechnung übernehmen? Außerdem müssten die Sicherheitsvorschriften nach unten korrigiert werden, weil die Anlagen ihr Haltbarkeitsdatum längst überschritten haben“, meinte Wouter De Vriendt. Die N-VA habe jahrelang „den Atomausstieg bestätigt (...), ohne an einer soliden Energiepolitik zu arbeiten“.
Nun stehe die N-VA auf der Bremse, wenn es darum gehe, notwendige Ersatzkapazitäten zu schaffen. „Atomausstieg hin oder her: In allen Szenarien brauchen wir vorübergehend Gaskraftwerke. Ministerin Demir (die flämische Umweltministerin, A.d.R.) hat sich seit Monaten beharrlich zurückgehalten. Wie will die N-VA Ersatzkapazitäten für Flandern bereitstellen mit einer Ministerin, die die Genehmigungen dafür nicht erteilen will und ständig Windkraftwerke blockiert?“, fragte De Vriendt. Die Kernkraftwerke in Belgien seien veraltet. „Wir müssen jetzt die Weichen für eine sichere, saubere und erschwingliche Energie stellen, die gut für die Menschen und den Planeten ist. Die Pläne dafür wurden von Experten sorgfältig vorbereitet und ausgearbeitet. Bleiben wir ernsthaft und setzen wir darauf, anstatt Zeit mit einer nationalistischen Illusion zu verschwenden.“ (belga/sc/ag)
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