„Inflation wirft Belgien vorerst nicht aus der Bahn“

<p>Planbüro: Die automatische Lohnindexierung und die höheren Energiepreise verstärken den Lohnkostennachteil Belgiens gegenüber den Nachbarländern.</p>
Planbüro: Die automatische Lohnindexierung und die höheren Energiepreise verstärken den Lohnkostennachteil Belgiens gegenüber den Nachbarländern. | Foto: dpa

Die jüngst beschlossenen Maßnahmen der Föderalregierung zur Milderung der Energierechnung bedeuten, dass die Inflation in diesem Jahr 5,5 Prozent statt 5,8 Prozent erreichen könnte. Das hat das Planbüro in einer neuen Wirtschaftsprognose für 2022 errechnet. Die Differenz nach dem Komma bedeutet, dass der Schwellenindex wahrscheinlich erst im Oktober statt im April überschritten wird. Die anschließende Erhöhung der Löhne und Sozialleistungen wird daher ebenfalls mit einigen Monaten Verzögerung erfolgen.

Die Inflationsprognose von 5,5 % liegt deutlich über den 2,1 %, die das Planbüro in seiner Septemberprognose angegeben hatte. Dennoch sollte das Inflationsgespenst keine weiteren Steine in den Weg legen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) würde noch um drei Prozent wachsen, 57.000 Arbeitsplätze würden geschaffen und die Arbeitslosenquote würde weiter auf acht Prozent sinken. „Wenn wir das Gesamtbild betrachten, wird die Corona-Periode nur begrenzte Auswirkungen auf unseren Arbeitsmarkt haben“, zitiert die Zeitung „De Standaard“ Ludovic Dobbelaere, Wirtschaftswissenschaftler beim Planbüro. Dies entspricht auch der Einschätzung der Nationalbank von dieser Woche.

„Die Familien waren indirekt gezwungen, im Jahr 2020 zu sparen, nicht weil die Kaufkraft gesunken war, sondern weil viele Geschäfte geschlossen wurden. In den Jahren 2021 und 2022 wird ein Teil des Rückstands aufgeholt“, sagt Dobbelaere. Diese gestiegene Nachfrage – auch im Ausland – führt außerdem zu einem Anstieg der Unternehmensinvestitionen. Die öffentlichen Investitionen werden in diesem Jahr um 5,8 Prozent steigen, was zum Teil auf die Konjunkturprogramme zurückzuführen ist.

Auch die Staatskasse profitiert. Nach den Zahlen des Planungsbüros wird sich das Haushaltsdefizit für alle belgischen Behörden zusammen in diesem Jahr auf 22,7 Milliarden Euro belaufen, was 4,2 Prozent des BIP entspricht. Der im Oktober letzten Jahres an die Europäische Kommission übermittelte Haushaltsentwurf ging noch von einem Defizit von mehr als 25 Milliarden Euro oder 4,9 Prozent des BIP aus. Die Europäische Kommission ging kürzlich für Belgien von einem Defizit von 5,1 Prozent im Jahr 2022 aus. Sollten sich die Zahlen des Planbüros bestätigen, wäre dies eine gute Nachricht für die Haushaltskontrolle der Regierung De Croo im März.

Der rundum positive Bericht des Planbüros schließt jedoch mit einer Warnung: „Obwohl davon auszugehen ist, dass die Lohn-Preis-Spirale unter Kontrolle bleibt, kann ein stärkerer Anstieg der Löhne und der Inflation im derzeitigen Kontext nicht ausgeschlossen werden. In diesem Fall könnte mittelfristig auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der belgischen Wirtschaft gefährdet sein.“ Diese Warnung geht auch aus dem jüngsten Bericht des Zentralen Wirtschaftsrates hervor. Die Lohnindexierung und die höheren Energiepreise verstärken den Lohnkostennachteil Belgiens gegenüber den Nachbarländern. Wenn dieser Trend anhält, werden sich in naher Zukunft dunkle Wolken über der belgischen Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt zusammenziehen.

(gz)

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