König Philippe begeistert von grünem Projekt im Oman

<p>Ein Hauch von tausendundeiner Nacht: Königlicher Besuch im Al Alam Palast.</p>
Ein Hauch von tausendundeiner Nacht: Königlicher Besuch im Al Alam Palast. | Fotos: Eric Lalmand/belga

Dass sich der langjährige Herrscher Sultan Kabus bin Said in Löwen noch kurz vor seinem Tod behandeln ließ, mag zeigen, dass es schon lange enge Beziehungen zwischen Belgien und dem Oman, aber auch zwischen dem Königshaus und der Herrscherfamilie im Oman gibt. So war es nur selbstverständlich, dass der Besuch in Omans Hauptstadt Muscat mit einem Empfang für das Königspaar duch Sultan Haïtham ben Tariq im Al Alam Palast in Muscat begann. Es gab die Branbançonne und 21 Schuss Salut zur Begrüßung.

König Philippe zeigt sich von dem Wasserstoffprojekt begeistert.

Die Handelsbeziehungen zwischen Belgien und dem Oman sind allerdings ausbaufähig. Ganze 222 Millionen Euro betrugen 2020 die Exporte in das Sultanat am Eingang der Straße von Hormus, die Importe erreichten nicht einmal 50 Millionen Euro. Das könnte sich demnächst ändern. Denn belgische Unternehmen, namentlich die Deme Gruppe, seit vielen Jahren aktiv in der Offshore-Energieproduktion, sowie der Hafen von Antwerpen sind an zwei Großprojekten beteiligt, die jetzt in Anwesenheit des belgischen Königspaares sowie von Außenministerin Sophie Wilmès (MR), Wirtschaftsminister Pierre-Yves Dermagne (PS), Energieministerin Tinne Van der Straeten (Groen) sowie Innenministerin Annelies Verlinden (CD&V) eröffnet werden.

<p>Energieministerin Tinne Van der Straeten spricht zum „Hyport“-Projekt vor illustrer Runde.</p>
Energieministerin Tinne Van der Straeten spricht zum „Hyport“-Projekt vor illustrer Runde.

Am Donnerstag stand ein echtes Leuchtturmprojekt im Mittelpunkt des Interesses: Der „Hyport“ in Duqm. Speziell für die belgischen Gäste hatte man eine Präsentation des Projektes im Süden des Wüstenstaates vorbereitet. König Philippe kommentierte diese abschließend mit den Worten: „Ich kann Ihnen sagen, wie begeistert ich von diesem Projekt bin.“ Aus gutem Grund: Die Hafenstadt Duqm liegt am Arabischen Meer. Dort scheint die Sonne fast das ganze Jahr über, Wind gibt es gerade im Süden des Oman ebenfalls reichlich. Außerdem gibt es reichlich Platz, und die strategische Lage unweit der Straße von Hormus. Der Ort ist also geradezu dazu prädestiniert, grünen Strom und daraus weitergehende grüne Produkte zu produzieren. Allerdings ist Elektrizität schwer und nur unter Inkaufnahme großer Verluste zu transportieren. Was lag also näher, als den Strom aus grüner Quelle und europäische Technologie zu nutzen, um Wasserstoff (und Stickstoff) zu produzieren?

An der Spitze des internationalen Konsortiums, das am Ende 1,5 Giga-Watt an grüner Energie produzieren will, steht die in Düsseldorf ansässige deutsche Gruppe Uniper, die mitführend in der Produktion grüner Energie ist. Auch in der Elektrolyse und der Produktion von Wasserstoff ist Uniper schon lange engagiert. Die EU und auch unser Land gelten als gut aufgestellt in den Technologien zur Herstellung von Wasserstoff. Aus belgischer Sicht ist die Deme Gruppe beteiligt, lokaler Partner ist OQ. Deme hatte sich schon früh an die Regierung gewandt und um politische Unterstützung für das Projekt gebeten. Das Ansinnen war von Erfolg gekrönt: Für Belgien unterschrieb die föderale Regierung im Herbst 2021 ein Kooperationsabkommen für dieses Projekt, das als eines der ersten weltweit Wasserstoff in industriellen Mengen herstellen wird.

Belgien will zu einem Hub für grüne Energie werden.

In einer ersten Phase wird in bzw. in der Nähe des neuen Hafens von Duqm ein Drittel der benötigten Kapazität installiert. Diese Phase soll 2026 abgeschlossen sein. Von hieraus will man dann Kunden in Europa und Asien mit Wasserstoff, aber auch mit Stickstoff, einem Derivat der Wasserstoffproduktion beliefern. Alleine ein Areal von 150 Quadratkilometern ist im Süden des Oman reserviert für die Produktion von Sonnen- und Windenergie. Hinzu kommen die technisch aufwändigen Installationen zur Transformation des grünen Stroms in grünen Wasserstoff und die Weiterentwicklung zu Stickstoff.

Auf belgischer Seite haben auch bereits Vorbereitungen für die Verteilung von Wasserstoff stattgefunden. So hat man begonnen, ein ausgedientes Erdgasnetz für den Transport von Wasserstoff fit zu machen.

In einer primären Phase wird der erste Wasserstoff aus Oman aber in Deutschland angeliefert. Das soll ab 2026 geschehen. Dann soll auch die erste Wasserstoffpipeline in Belgien in Betrieb gehen. Der Hafen von Zeebrugge hat zwar bereits ein Gasterminal, 2027 will man aber auch dort, ebenso wie im Hafen von Antwerpen, ausgerüstet sein, um Wasserstoff aus dem Oman zu entladen. Bei dem Termin in Muscat hieß es, dass Belgien nicht nur Endkunde von Wasserstoff und grünem Stickstoff sein will, sondern ein internationaler Hub werden möchte, wo grüne Energie umgeschlagen wird.

Morgen steht der zweite Besuchstag im Oman auf dem Programm. Dann wird das Königspaar der feierlichen Eröffnung des bereits erwähnten Hafens von Duqm beiwohnen. Hier ist der Hafen von Antwerpen zu 50% Partner des Projektes. Am Freitag geht es dann zunächst weiter nach Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Am Samstag steht der belgische Tag auf der Weltausstellung in Dubai auf dem Programm.

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