Höchste Zeit, Druck vom Kessel zu nehmen

<p>Er muss jetzt Führung zeigen und auch seine eigene Partei Open VLD hinter eine Lösung scharen, die echte Entlastung für die Bürger bringt.</p>
Er muss jetzt Führung zeigen und auch seine eigene Partei Open VLD hinter eine Lösung scharen, die echte Entlastung für die Bürger bringt. | Foto: Photo News

7,59 % erreicht die Inflation im Januar in unserem Land. Sie steigt binnen eines Monats um fast 2%. Den Löwenanteil dieses Anstiegs machen die Preise für Energie aus. Diese klettern gegenüber dem Dezember um 60%. Dabei waren sie im November bereits um 42% gestiegen, und im Monat davor um 46%. In der Rue de la Loi, wo man sich seit Wochen und auch in den vergangenen Tagen mit dem Thema beschäftigt, aber keine Lösung zu Potte bringt, kann man sich also nicht so tun, als handele sich um ein vorübergehendes Phänomen. Seit dem Sommer dürfte jedem klar sein: Hier liegt ein klarer Trend vor.

Würde der Staat nicht selbst am großen Reibach mitverdienen, könnte man das Zaudern ja noch verstehen. Dem ist aber nicht so. Im Gegenteil: Beim Tanken fließen für – sagen wir 50 Euro – mehr als 25 Euro nicht in den Tank, sondern direkt an das Finanzministerium ab. 16 bis 17 Euro streicht die Mineralölgesellschaft ein, der Rest entfällt auf die Distribution des begehrten Treibstoffs und auf sonstige Kosten.

Ein Blick auf die jüngsten Zahlen des auch in Belgien bekannten Ölmultis Chevron z.B. ergibt ein Bild der Gewinne, die scheinbar noch üppiger sprudeln als die Ölquellen selbst. 15,6 Milliarden Dollar konnte Chevron im vergangenen Jahr verdienen. 2020, im Jahr eins der Pandemie, stand noch ein Verlust von 5,5 Mrd. Dollar zu Buche.

Auch anderswo fließen die Milliarden – wie einst Milch und Honig im biblischen Lande Kanaan. Leider geschieht das Ganze offensichtlich in solchen Höhen, dass der berühmte „kleine Mann“ (wieder einmal) leer ausgeht. In Regierungskreisen sollte man, auch wenn man gerne die eine oder andere in der Coronakrise ohne größere Kontrolle abgeflossene Milliarde wieder einfahren würde, wissen, welch soziale Sprengkraft diese Gemengelage hat.

Alexander De Croo und sein Kernkabinett wären gut beraten, schnell Druck vom Kessel zu nehmen, den zwei Jahre Coronapandemie schon gefährlich aus den Nähten haben gehen lassen.

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