Vor allem den Behörden und Schulen in Flandern waren die Quarantäneregeln im Bildungsbereich ein Dorn im Auge – und das nicht erst seit gestern. In den letzten Tagen schlug der flämische Bildungssektor stets stärker Alarm. Immer mehr Klassen und Schulen mussten schließen, was viele nicht-positive Schüler dazu zwang, zu Hause zu bleiben. „Das Virus wütet in der Gesellschaft und auch in der Bildung“, sagte Bildungsminister Ben Weyts (N-VA) noch Mittwochnachmittag im Regionalparlament. 102 Schulen in Flandern sind wegen der Quarantäneregeln vollständig geschlossen. „Viele Schüler und Lehrer sitzen einfach zu Hause, nicht weil sie krank oder infiziert sind, sondern wegen der Quarantänemaßnahmen“, so Weyts. Und das wirkt sich auch auf die Unternehmenswelt aus: Weil die Kinder zu Hause bleiben müssen, bleiben Eltern vom Arbeitsplatz fern. Um den Druck zu verringern, hat die Interministerielle Konferenz (MK) für Volksgesundheit, an der alle Gesundheits- und Bildungsminister teilnahmen, am Mittwoch beschlossen, auf mehrere der geltenden Maßnahmen zu verzichten.
Die wichtigste Maßnahme, die mit sofortiger Wirkung abgeschafft wurde, ist die Vierer-Regel. Darin heißt es, dass eine ganze Klasse in der Primarschule unter Quarantäne gestellt wird, sobald vier Kinder infiziert sind. Seit einigen Wochen wird im Bildungssektor darauf hingewiesen, dass diese Regelung nicht mehr praktikabel ist. Die Minister haben daher entschieden, dass nur diejenigen, die infiziert sind oder Symptome haben, zu Hause bleiben müssen.
Es wurde auch beschlossen, dass Kinder, deren Eltern oder Geschwister infiziert sind, weiterhin die Schule und die Kinderkrippe besuchen dürfen, unter der Bedingung, dass sie weder Symptome haben noch infiziert sind (positiver Test). Bislang mussten auch sie zu Hause in Quarantäne gehen.
Für die Sekundarschulen bleiben die heutigen Regeln gültig: Im Falle eines Hochrisikokontakts in der eigenen Familie können vollständig geimpfte Schüler die Schule besuchen, aber müssen Ungeimpfte noch stets für zehn Tage in Quarantäne gehen. Ab Tag sieben kann die Quarantäne beendet werden, insofern bis zu Tag zehn täglich ein Selbsttest durchgeführt wird.
Selbsttests für Schüler werden dringend empfohlen, liegen aber in der Verantwortung der Eltern.
Mehrtägige Schulausflüge sind wieder zugelassen, doch wird auch hier ein vorheriger Selbsttest dringend empfohlen.
Über die neuen Quarantäneregeln hinaus haben die Gesundheitsminister am Mittwoch den Hohen Gesundheitsrat gebeten, bis zum Wochenende eine Stellungnahme zur Auffrischungsimpfung für Minderjährige ab zwölf Jahren abzugeben. In der vergangenen Woche hatte der Gesundheitsrat bereits empfohlen, dass Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren mit geschwächter Immunität eine Auffrischungsimpfung erhalten sollten. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat noch nicht ihre Zustimmung gegeben. (gz)
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