„Es ist nicht fair“: Bouchez und Lachaert wollen 20 Arbeitsjahre für Mindestrente

<p>Diese Aufnahme zeigt Egbert Lachaert (links) und Georges-Louis Bouchez (rechts) bei einem Pressetermin im März 2021 in Gent</p>
Diese Aufnahme zeigt Egbert Lachaert (links) und Georges-Louis Bouchez (rechts) bei einem Pressetermin im März 2021 in Gent | Foto: belga

„Es ist nicht fair, jemandem, der sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, zu sagen, dass er das Gleiche bekommt wie jemand, der nicht gearbeitet hat“, meint der Vorsitzende der flämischen Liberalen. Sein französischsprachiger Kollege fügt hinzu: „Unsere Philosophie ist, dass man effektiv gearbeitet haben muss, um die Mindestrente zu erhalten, wie sie derzeit festgelegt wird. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass es zwei Stufen der Mindestrente geben wird. [...] Wir denken an eine Mindestrente, die auf dem derzeitigen Niveau bleibt, für diejenigen, die Leistungen beziehen, und erwägen, die andere Mindestrente zu erhöhen, die denjenigen vorbehalten ist, die eine bestimmte Anzahl von Arbeitsjahren vorweisen können.“

Die Vorsitzenden der liberalen Parteien legen auch die Idee einer Teilzeitrente wieder auf den Tisch, die unter der Regierung Michel erdacht wurde. „Jemand, der mit 62 oder 63 Jahren arbeitet und Lust hat, zu verlängern, weil er die Fähigkeit dazu hat, davon profitieren alle“, so Bouchez.

„Die Tür zu den 42 Berufsjahren (für eine volle Rente, A.d.R.) ist nicht geschlossen, aber dann muss es sich im Wesentlichen um tatsächlich gearbeitete Zeiten handeln“, ergänzt Egbert Lachaert. „Und die Reformen, die unter der Legislaturperiode Michel durchgeführt wurden, dürfen nicht angetastet werden, denn das System muss finanzierbar sein, und das ist es nicht.“

Pensionsreform von Ministerin Lalieux sorgen für Kritik

Belgiens Pensionsministerin Karine Lalieux (PS) hatte Ende letzten Jahres ihre Pläne zur Rentenreform vorgelegt und damit die Gemüter erhitzt. Vor allem in den Reihen der MR und Open VLD sorgten die Vorhaben für Kritik. Die frankofone Sozialistin hält dabei am Rentenalter ab 67 Jahre fest, will jedoch die aktuellen Regelungen bezüglich Vorruhestand lockern und eine Mindestrente einführen. Lalieux plant beispielsweise die Möglichkeit, ab dem 60. Lebensjahr in Frührente zu gehen, insofern man eine berufliche Laufbahn von 42 Jahren vorweisen kann. Das kommt Arbeitnehmern zugute, die früh ins Arbeitsleben eingestiegen sind.

Bisher kann man mit 60 Jahren in Rente, wenn man 44 Jahre Beiträge gezahlt hat, mit 61 Jahren nach 43 Beitragsjahren und mit 63 Jahren bei 42 Arbeitsjahren. Die Ministerin will zudem, dass in Zukunft auch Studentenjobs oder Praktika berücksichtigt werden, was aktuell nicht der Fall ist. Auch will die Ministerin erreichen, dass Arbeitnehmer Anrecht auf eine Mindestrente haben, wenn sie 10 Jahre lang gearbeitet und Beiträge gezahlt haben.

Lalieux will die Mindestrente für Beschäftigte, die 45 Jahre gearbeitet haben, bis zum Jahr 2024 auf 1.500 Euro netto anheben. Sie plant einen Pauschalbetrag, der für die Zeit, die man länger als die vorgesehene Arbeitszeit im Beruf bleibt, angerechnet wird. Sie schlägt 2 Euro für jeden zusätzlich geleisteten Arbeitstag und eine Dauer von maximal 3 Jahren – unabhängig von der Höhe des Gehalts. Die Möglichkeit einer Halbtags- oder Teilzeitrente soll helfen, dass die Menschen länger in Arbeit bleiben.

Nach Ansicht von Lalieux ist die Pensionsreform „haushaltsneutral“. Doch daran haben nicht nur die Liberalen, sondern auch Finanzminister Vincent Van Peteghem (CD&V) Zweifel. „Wir müssen und die Finanzierbarkeit dieses Systems anschauen. Ziel ist, das Rentensystem zukunftsgerichtet zu gestalten. Jemand, der heute anfängt zu arbeiten, muss darauf vertrauen können, dass er im Rentenalter eine Pension bekommt, mit der er seinen Lebensstandard halten kann“, wird Van Peteghem vom flämischen Rundfunk (VRT) zitiert. (belga/calü)

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