Personalausfall: „Das Schlimmste steht uns noch bevor“

<p>Pieter Timmermans</p>
Pieter Timmermans | Foto: belga

FEB-Geschäftsführer Pieter Timmermans befürchtet, dass die kommenden Tage und Wochen schwierig werden. Deshalb fordert er die Föderalregierung auf, das Paket von Sofortmaßnahmen, auf das sich die Arbeitgeber und die Gewerkschaften (ohne die sozialistische FGTB) vergangene Woche geeinigt haben, schnell auszuführen.

Bei den Technologieunternehmen hat der Branchenverband Agoria ebenfalls einen starken Anstieg der Anzahl abwesender Mitarbeiter festgestellt. Die Ausfallquote beträgt aktuell sechs Prozent, und es wird erwartet, dass die Fehlzeiten in dieser Woche noch ansteigen werden. Die Häfen von Antwerpen und Zeebrugge hatten zuvor bereits vor Problemen aufgrund von Personalmangel gewarnt. In einzelnen Altenheimen und Krankenhäusern ist die Lage ebenfalls problematisch. Andere Branchen halten sich derweil über Wasser. So hat der Ausfall in Supermarktketten und auf im Baugewerbe noch keine dramatischen Ausmaße angenommen. Die meisten Arbeitnehmer fallen aus, weil sie selbst wegen Erkrankung oder eines Risikokontakts in Quarantäne müssen; andere müssen dagegen wegen der Zwangsquarantäne eines Kindes plötzlich zu Hause bleiben. Timmermans bestätigt uns auf Nachfrage: „Wenn in einer 25-köpfigen Klasse plötzlich vier Schüler positiv testen, wird die ganze Klasse nach Hause geschickt und unter Quarantäne gestellt. Das hat dann Auswirkungen auf Dutzende Familien, wo berufstätige Eltern gezwungenermaßen zu Hause bleiben müssen. Solche Situationen können aber verhindert werden, denn viele Kinder werden unter Quarantäne gestellt, obschon sie keine Symptome haben oder nicht infiziert sind.“

Das Problem besteht nicht nur in den genannten Sektoren und „die Lage verschlimmert sich von Tag zu Tag“, sagt Pieter Timmermans dem GrenzEcho. Nach Angaben der FEB haben drei Viertel der Unternehmen negative Auswirkungen von Omikron zu verzeichnen, „und das Schlimmste kommt noch“. Bei der Erhebung in der ersten Woche nach den Weihnachtsferien war die Ausfallquote in den meisten Branchen noch recht niedrig. Eine Ausnahme bildeten einige wenige Unternehmen in der Technologie- und der Lebensmittelindustrie, wo der Branchendurchschnitt bei über fünf Prozent Fehlzeiten lag. Im Durchschnitt aller Unternehmen lag die Ausfallquote bei 4,1 Prozent. Von den rund 85.000 Arbeitnehmern in diesen Unternehmen waren etwas mehr als 3.500 vorübergehend aufgrund von Infektionen oder Quarantäne ausgefallen. Die jüngste Erhebung der vorigen Woche zeigt jedoch einen Anstieg der Quote auf durchschnittlich 4,8 Prozent. Am stärksten betroffen sind die Textil-, Holz- und Möbelindustrie (durchschnittlich 10 Prozent), die Nahrungsmittelindustrie (7,2 Prozent) und der Technologiesektor (6,4 Prozent). Fast drei von vier der befragten Unternehmen geben an, dass sie „negative Auswirkungen auf ihr Geschäft“ haben. Mehr als ein Viertel (27 Prozent) spricht sogar von einer „starken oder sehr starken Auswirkung“.

Einer Analyse der Universitäten Hasselt und Löwen zufolge sind die Berufstätigen stärker betroffen als der Rest der Bevölkerung. Im Vergleich zu Ende Dezember ist die durchschnittliche Inzidenz in der Erwerbsbevölkerung um 44 Prozent gestiegen.

Vergangenen Freitagabend hatten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften auf ein Paket von Sofortmaßnahmen geeinigt, um den Personalausfall so weit wie möglich abzufedern. Unter anderem können Kurzarbeiter, Rentner, Asylsuchende und Werkstudenten einspringen, ohne ihre Zulagen zu verlieren. Die Vereinbarung sieht vor, dass „Unternehmen Mitarbeiter in Zeitkredit oder thematischem Urlaub, Arbeitslose und Rentner zur Verstärkung im Betrieb heranziehen können, in denen die Belegschaft aufgrund der Pandemie reduziert ist“, erläutert uns Timmermans. Sie können auch Studenten bis zu 45 Stunden pro Monat beschäftigen, wobei diese nicht auf die zulässige Arbeitszeit von 475 Stunden im Jahr angerechnet werden. Für Rentner ist eine unbegrenzte Kumulierung von Arbeitseinkommen und Alterspension zulässig. Frühpensionierte (Arbeitslosigkeit mit Betriebszuschlag) dürfen arbeiten und behalten dabei 75 Prozent ihrer Zulage und den Zuschlag. Asylbewerber mit einer legalen Aufenthaltserlaubnis können sofort mit der Arbeit beginnen und müssen nicht vier Monate warten. „Diese Art von Maßnahmen haben wir jetzt nötig“, so Timmermans. Nicht bereit waren die Gewerkschaften, mehr Flexibilität bei Überstunden zuzugestehen. „Die erzielte Vereinbarung kommt nicht zu früh“, sagt Timmermans. „Jetzt ist es an der Regierung, diese Maßnahmen per Erlass umzusetzen. Aber sie sollte schnell, effizient und pragmatisch handeln, sonst ist es zu spät. Es macht keinen Sinne, noch drei oder drei Wochen lang zu palavern, denn dann könnte der Höhepunkt der Omikron-Welle vielleicht schon vorbei sein.“ Fazit: Es ist also höchste Zeit für einen Notfallplan der Regierung. (gz)

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