Staus kosten uns jährlich 4,6 Milliarden Euro

Die Länge und die Kosten von Staus, die Pünktlichkeit von Zügen, die CO2-Emissionen von Fahrzeugen, die Präsenz multimodaler Knotenpunkte, die Zusammensetzung der Fahrzeugflotte in Belgien... Das „Belgian Mobility Dashboard“, das vom Arbeitgeberverband FEB und vom Automobil- und Fahrradverband Febiac initiiert und am Dienstag vorgestellt wurde, ist ein reichhaltiger Fundus an Mobilitätsindikatoren. Nach dem Motto „Messen ist Wissen“ soll, so die Hoffnung, diese Instrumententafel (www.mobilitydashboard.be) zu einer effizienteren und nachhaltigeren Mobilität beitragen.

„Die Mobilität von Personen und Gütern ist ein Schlüsselfaktor, der für die wirtschaftliche Aktivität unseres Landes von großer Bedeutung ist“, erläutert FEB-Geschäftsführer Pieter Timmermans. „Derzeit ist die Mobilität in unserem Land suboptimal organisiert. Die Überlastung der Straßen ist eines der größten Probleme sowohl für Unternehmen als auch für die Bürger. Dieses Symptom einer suboptimalen Mobilität kostet die Gesellschaft viel Geld und verursacht in Belgien einen Verlust von mehr als 4,5 Milliarden Euro, was etwas mehr als einem Prozent des BIP entspricht.“

Das „Dashboard“ enthält nicht nur eine Fülle von interessanten Daten, sondern soll auch politische Entscheidungsträger, Unternehmer, und die gesamte Bevölkerung für die aktuelle Situation sensibilisieren und „ihnen helfen, alle notwendigen Hebel in Bewegung zu setzen, um eine reibungslosere, umweltfreundlichere und multimodale Mobilität zu erreichen“, so Timmermans weiter. Kurzum: ein Instrument für potenzielle Lösungen für Herausforderungen auf dem Gebiet der Mobilität – eine Hilfe für Politiker bei der Entwicklung von Maßnahmen, aber auch ein Vorteil für Otto Normal. Der FEB-Chef hofft denn auch, dass Experten, Arbeitgeber und Politiker, in Zukunft mit den Daten, die zum Teil auf einzelne Regionen und Gemeinden heruntergebrochen werden können, arbeiten werden.

Mithilfe des „Dashboards“ könnte es zum Beispiel sinnvoll sein, an den Tagen mit den meisten Staus Telearbeit zu leisten und an anderen Tagen zur Arbeit zu gehen. Timmermans nuanciert allerdings: „Die Telearbeit hat an sich nichts damit zu tun. Anhand des Dashboards erfährt man vielmehr, wann und wo es zu Staus kommt und wie viel diese kosten. Und auch wie wir zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr eine andere Mobilitätspolitik führen können. Telearbeit kann ein Bestandteil davon sein. Es geht vor allem darum, den Unternehmen die verfügbaren Informationen über Mobilität zugänglich zu machen, sodass sie sich auf etwaige Probleme in ihrer Region einstellen können.“

„Durch die Bereitstellung wissenschaftlich fundierter Daten soll das Dashboard ein besseres Verständnis der Sättigung der vorherrschenden Verkehrsträger ermöglichen, das Potenzial alternativer Verkehrsträger aufzeigen, die Organisation der Verkehrsströme unterstützen und die fehlenden Verbindungen in den Verkehrsnetzen aufzeigen“, so Febiac-Präsident Philippe Dehennin. „Wir fordern die verschiedenen politischen Ebenen auf, dieses Dashboard als Sprungbrett zu nutzen, um mehr und besser zu tun, um die Mobilität für alle effizienter und nachhaltiger zu machen, einschließlich des Güterverkehrs.“

Der föderale Mobilitätsminister Georges Gilkinet (Ecolo), der der Pressevorstellung beiwohnte und das „Dashboard“ als „schönes Geschenk“ zu seinem Geburtstag (am Montag) bezeichnete, fügt hinzu: „Die objektiven Daten sind unerlässlich, um die Klischees über Mobilität, die nicht stimmen, aber sich hartnäckig halten, zu überwinden und den Übergang zu einer nachhaltigeren Mobilität zu fördern.“ Der Minister wies darauf hin, dass die Mobilität für 30 Prozent der CO2-Emissionen in Belgien verantwortlich ist, und erinnerte daran, dass die allermeisten Züge pünktlich sind, auch wenn der Belgier dies anders wahrnimmt. Laut „Dashboard“ sind in der Tat 92,5 Prozent der Züge pünktlich – d.h. mit weniger als sechs Minuten Verspätung. Die durchschnittliche Verspätung der Züge beträgt eine Minute und 22 Sekunden, während die Autofahrer im vergangenen Dezember tagaus tagein sechs Minuten und 53 Sekunden im Stau verloren haben – im Januar waren es vier Minuten und 27 Sekunden.

Das Dashboard wird in den kommenden Monaten durch weitere Indikatoren ergänzt: Kraftstoffverbrauch, durchschnittliche Fahrstrecke, Fahrradwege, Übersicht über Ladestationen für Elektroautos,... Die Methodik, auf der das Dashboard basiert, wurde vom Studienbüro Transport & Mobility Leuven gutgeheißen.

www.mobilitydashboard.be

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