Hofman hat im vergangenen Jahr eine Zunahme russischer Schiffe in der Nordsee festgestellt und weiß, dass Russland entlang seiner gesamten Grenze aktiv ist, während belgische F-16 den baltischen Luftraum mit überwachen. „Von Finnland bis hinunter in den Kaukasus gibt es russische Militärbewegungen. Das ist besorgniserregend. Und das betrifft auch uns“, so der Armeechef. „Der geopolitische Kontext hat sich verändert, und zwar nicht zum Besseren. Die kollektive Verteidigung ist nicht länger ein vages Konzept der NATO, sondern eine Realität, auf die wir uns vorbereiten müssen. Sobald sie in Kraft tritt, geht es sogleich um Konflikte hoher Intensität“, sagt Hofman in den Zeitungen „De Standaard“, „La Libre Belgique“, „Le Soir“ und „La Dernière Heure“.
Der Admiral betont, dass belgische Truppen nicht sofort eingesetzt werden, nur weil die Russen morgen in die Ukraine einmarschieren wollen. „Es gibt einen Entscheidungsprozess, der respektiert werden muss, auch in Belgien. Wir sorgen dafür, dass die Einheiten, die wir den verschiedenen NATO-Streitkräften angeboten haben, in einem Zustand maximaler Bereitschaft sind“, sagt er.
Wenn jedoch die „Very High Readiness Joint Task Force“ (VJTF) zum Einsatz kommt, können auch die Einheiten, die Belgien dafür bereithält, abgerufen werden, erklärt Hofman. Es handelt sich um etwa 250 bis 300 Soldaten, die dann einer Kompanie einer größeren Formation angehören würden, die derzeit unter französischem Kommando steht. Darüber hinaus hat Belgien zusätzliche F-16 und eine weitere Fregatte zugesagt.
Derweil teilt das belgische Außenministerium mit, vorerst kein diplomatisches Personal aus der Ukraine abzuziehen. „Da sich dortige Vertretung auf das wesentliche Personal beschränkt, steht eine Evakuierung derzeit nicht auf der Tagesordnung“ heißt es. In der belgischen Botschaft in Kiew arbeiten drei Personen. Das Krisenzentrum für auswärtige Angelegenheiten analysiert gemeinsam mit dem Verteidigungsministerium laufend die Lage.
Das Außenministerium hat am Sonntag die Reisehinweise für die Ukraine geändert. Von nicht notwendigen Reisen in die gesamte Ukraine wird abgeraten, und in die östlichen Regionen Luhansk, Donezk und die Krim sollte man unter keinen Umständen reisen. (belga/gz)
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