Nach dem Rekordjahr 2020, in dem viele Privatpersonen während der erzwungenen Telearbeit die Börse für sich entdeckten und die Finanzmärkte aufgrund der Pandemie stark auf und ab gingen, ließ die Begeisterung für Aufträge nach. Der durchschnittliche Tagesumsatz an dem Brüsseler Aktienmarkt fiel von 435 auf 372 Millionen Euro im Jahr 2021. Dies ist der niedrigste Stand seit 2014. Die Zahl der Transaktionen ging um ein Fünftel auf durchschnittlich 68.639 pro Tag zurück.
Der Rückgang geht auf das Konto der größten Unternehmen. Der Handel mit mittelgroßen Aktien aus dem Bel Mid-Index fiel nur um 6,6 Prozent. Der Umsatz in den kleinen Aktien des Bel Small stieg um 15 Prozent.
Dass Investoren kleine und mittlere Unternehme bevorzugten, scheint gerechtfertigt zu sein. „Kleine Aktien entwickeln sich langfristig besser als die großen, etablierten Unternehmen“, sagt Vincent Van Dessel, Geschäftsführer von Euronext Brüssel, bei der Präsentation der Jahresbilanz. Im vergangenen Jahr übertrafen der Bel Mid (+25,9%) und der Bel Small (+22,2%) den Bel20 (+19%). Seit 2006 hat sich der Bel Small verdoppelt, während sein großer Bruder Bel20 nur schleppend vorankommt.
Der Marktanteil der Unternehmen außerhalb der Bel20 stieg von 15 % auf 16,5 %, ein Rekordwert. Die Privatanleger waren weiterhin sehr aktiv, wenn auch weniger als im letzten Jahr, aber viel mehr als vor der Pandemie. „Wir stellen fest, dass die neue Generation von oft jungen Anlegern sich für die größten belgischen Unternehmen oder trendige ausländische Aktien wie Tesla entscheidet. Um auch kleineren, lokalen und oft familiengeführten Unternehmen eine Zukunft an der Börse zu geben, sollte die Regierung sie für Kleinanleger attraktiver machen“, so Van Dessel. „Wir schlagen drei Dinge vor. Erstens: Senkung der Quellensteuer auf Dividenden von Unternehmen mit einem Marktwert von weniger als einer Milliarde Euro. Zweitens: Abschaffung der Transaktionssteuer für solche Unternehmen, wie in Frankreich. Und schließlich sollte die Steuer auf Aktien für Arbeitnehmer gesenkt werden.“
Für den belgischen Kapitalmarkt war das Jahr 2021 robust. Der Sekundärmarkt boomte: 56 Kapitalerhöhungen brachten 4,5 Mrd. Euro ein. Dies beweist, dass der Aktienmarkt seiner Rolle als Kapitalgeber voll gerecht wird.
Für die Euronext-Gruppe insgesamt war das Jahr 2021 durch eine Rekordzahl von IPOs gekennzeichnet: 212 Unternehmen nahmen 26 Mrd. EUR auf. Sie fügten der Euronext eine Marktkapitalisierung von 123 Milliarden Euro hinzu. (belga/gz)
Kommentare
Kommentar verfassen