Bei der Sitzung des parlamentarischen Energieausschusses wurde dem Bericht der FANK vom Vortag viel Aufmerksamkeit zuteil, in dem die Atomaufsichtsbehörde zu dem Schluss kommt, dass es möglich ist, die Reaktoren Doel 4 und Tihange 3 über 2025 hinaus zu verlängern, „sofern die erforderlichen sicherheitstechnischen Anpassungen an den Anlagen vorgenommen werden“. Die Entscheidung über eine eventuelle Laufzeitverlängerung müsse allerdings vor Ende März getroffen werden, so die FANK. Ein Teil der notwendigen Updates sollte laut FANK bis 2025 abgeschlossen sein, aber um Zeit zu sparen, können einige weniger wichtige Verbesserungen auch nach der Verlängerung durchgeführt werden.
Die Analyse war von der Föderalregierung noch kurz vor Weihnachten in Auftrag gegeben worden, als sich die Spitzenminister der Föderalregierung den Ausstieg aus der Kernenergie im Jahr 2025 bekräftigt hatten, wobei Gaskraftwerke übergangsweise die Produktionsausfälle kompensieren sollen, bis ausreichend erneuerbare Energiequellen vorhanden sind. Das ist Plan A. Daneben gibt es einen (offiziell noch nicht aufgegebenen) Plan B, der die Laufzeitverlängerung von Doel 4 und Tihange 3 vorsieht. Die endgültige Entscheidung darüber will die Regierung am 18. März fällen.
Eine der Hürden von Szenario A ist die fehlende Genehmigung für das geplante Gaskraftwerk in Vilvoorde, dem bereits über eine erste Auktion die notwendigen Zuschüsse zugesprochen wurden. Mitte März wird sich zeigen, ob diese Anlage gebaut werden kann. Und wenn nicht, ob andere neue Gaskraftwerke die Lücke füllen können. Dies erfordert eine Änderung des Gesetzes, wofür die Regierung in erster Lesung bereits grünes Licht gegeben hat und die im Februar dem Parlament vorgelegt werden soll. Sollte eine Analyse des Netzbetreibers Elia ergeben, dass die Stromversorgung nach 2025 nicht gewährleistet ist, steht eine Verlängerung der Kernenergie wieder zur Debatte. Für den Betreiber der Kernkraftwerke, Engie/Electrabel, ist es jedoch „nicht effizient“, jetzt Ressourcen in die Wiederaufnahme der Vorbereitungen für die Laufzeitverlängerung zu stecken, die der Konzern im Herbst 2020 eingestellt hat. Engie hat mehrfach zu verstehen gegeben, dass es für eine Laufzeitverlängerung von Reaktoren zu spät sei. Für die FANK ist aber auch klar, dass Plan B ohne die Mitarbeit des AKW-Betreibers und -eigentümers keine echte Alternative ist.
Neben dem FANK-Report erhielt die Regierung Berichte vom Netzbetreiber Elia und vom Wirtschaftsministerium. Elia bestätigt die Möglichkeit einer neuen Subventionsauktion (für Ersatzkapazitäten) im März, falls dies erforderlich sein sollte . In dem Report des Wirtschaftsministeriums heißt es wie bei der FANK, dass bis spätestens Ende März eine Entscheidung über eine mögliche Laufzeitverlängerung getroffen werden sollte.
Als Gegner des Atomausstiegs fühlen sich MR-Präsident Georges-Louis Bouchez und die N-VA durch die Analyse der FANK bestätigt. (gz)
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