Geringere Übersterblichkeit als noch 2020 festgestellt

<p>Die Übersterblichkeit ist in Belgien im vergangenen Jahr zwar zurückgegangen. Sie liegt aber immer noch über dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019.</p>
Die Übersterblichkeit ist in Belgien im vergangenen Jahr zwar zurückgegangen. Sie liegt aber immer noch über dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019. | Illustrationsfoto: imago

Das belgische Statistikamt (Statbel) hat die aktuellen Daten zu den Todesfällen in Belgien für das Jahr 2021 veröffentlicht. Dabei handelt es sich um Sterbefälle, die auf sämtliche Ursachen zurückzuführen sind – nicht nur die im Zusammenhang mit Covid 19 erfassten Toten. Anhand des umfassenden Datenmaterials lässt sich die Übersterblichkeit in Belgien im vergangenen Jahr berechnen. Die Brüsseler Tageszeitung „Le Soir“ hat die Zahl der Todesfälle im Jahr 2021 mit der durchschnittlichen Zahl zwischen 2017 und 2019 verglichen. Gleich mehrere Feststellungen drängen sich auf.

Rückblick: Mit insgesamt fast 127.000 Toten war 2020 das tödlichste Jahr, das in Belgien seit dem Zweiten Weltkrieg verzeichnet wurde. Die Sterblichkeit lag 15,7 Prozent über dem statistisch erwarteten Wert, was einer Zahl von zirka 17.000 Toten mehr als im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019 – also vor der Coronakrise – entspricht. Und mit Ausnahme eines Ausschlags der Sterblichkeit im Hochsommer, der auf die Hitzewelle zurückzuführen war, war die Übersterblichkeit der Pandemie geschuldet.

Im Jahr 2021 hat sich die Situation – trotz fortschreitender Coronakrise – verändert. In Belgien starben zwar immer noch mehr Menschen als üblich, aber die Übersterblichkeit ist mit 2,4 Prozent sehr viel niedriger als noch im Jahr zuvor. Damit werden etwas mehr als 2.600 Todesfälle über dem Durchschnittswert ermittelt. Zusammengefasst hat Belgien die dritte und vierte Corona-Welle demnach besser überstanden, als dies im ersten Jahr der Krise der Fall war. Und dennoch: Wenn man das Jahr 2020 außer Acht lässt, muss man bis ins Jahr 1985 zurückgehen, um auf vergleichbare Sterbezahlen wie im Jahr 2021 zu stoßen.

Ein Blick auf die monatlichen Sterbezahlen des vergangenen Jahres zeigt derweil, dass es vor allem die letzten drei Monate – und mithin die „Delta-Welle“ – waren, die zu der Übersterblichkeit führten. Oktober, November und Dezember sind die einzigen drei Monate, in denen diese mehr als 10 Prozent beträgt. So gab es beispielsweise allein im Dezember mehr als 11.000 Todesfälle – wie im Jahr 2020.

Eine statistische Kuriosität stellt „Le Soir“ im Hinblick auf die Geschlechter der Verstorbenen fest. So ist bei den Frauen im Land im letzten Jahr keine Übersterblichkeit zu beobachten. Es ist zwar ein leichter Anstieg der Sterblichkeit bei Frauen im Alter von 65 bis 74 Jahren festzustellen. Dieser wird jedoch durch eine Untersterblichkeit bei Frauen im Alter von 85 Jahren und älter ausgeglichen. Beim männlichen Geschlecht ist die Sterblichkeit hingegen um 5,7 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019 angestiegen. Diese Übersterblichkeit ist in allen Altersgruppen über 25 Jahren zu beobachten.

Diese Entwicklungen kommen nicht von ungefähr. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass das Risiko, an einer Covid-Infektion zu sterben, bei einem Mann höher ist als bei einer Frau. Im Jahr 2021 betrafen 56 % der von Sciensano erfassten Covid-Todesfälle das männliche Geschlecht. Im Jahr 2020, als die erste Corona-Welle über das Land hinweg rauschte, waren Pflegeheime stark von dem Virus betroffen – Einrichtungen, in denen überwiegend Frauen leben (u.a. weil sie älter werden). Dies könnte erklären, warum auch unter den Opfern des Virus ein hoher Anteil an Frauen zu finden war. Im Jahr 2021 gab es jedoch keine „Todeswelle“ mehr in den Pflegeheimen. Dies könnte die beobachtete Untersterblichkeit bei Frauen über 85 Jahren erklären.

Abschließend fällt bei einer Analyse nach Altersgruppen auf, dass im vergangenen Jahr keine Übersterblichkeit bei den Über-85-Jährigen festgestellt wird. Vielmehr ist sie in Belgien hauptsächlich auf eine höhere Zahl von Todesfällen in der Altersgruppe der 65- bis 84-Jährigen zurückzuführen. Bei den unter 25-Jährigen ist die (ohnehin schon sehr niedrige) Zahl der Sterbefälle wie im letzten Jahr immer noch stark rückläufig.

In der Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen ist hingegen ein Anstieg der Todesfälle um sechs Prozent zu verzeichnen, was einer Zunahme von 133 Todesfällen (verglichen mit dem Referenzzeitraum) entspricht. (belga/svm)

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