Belgien will so wenig russisches Gas wie möglich

<p>Nach Angaben von Fluxys müssen wir uns keine Sorgen um die Gasversorgung Belgiens machen.</p>
Nach Angaben von Fluxys müssen wir uns keine Sorgen um die Gasversorgung Belgiens machen. | Foto: dpa

Die Entscheidung wird im März erwartet, aber es scheint so gut wie sicher, dass alle belgischen Kernkraftwerke voraussichtlich bis 2025 endgültig abgeschaltet werden. Ihre Stilllegung soll durch den Bau neuer Gaskraftwerke kompensiert werden. Eine der Befürchtungen in diesem Zusammenhang ist, dass Belgien Gefahr läuft, von russischem Erdgas abhängig zu werden. Heute kommen nur vier bis sechs Prozent des in unserem Land verbrauchten Erdgases aus Russland. In vielen europäischen Mitgliedstaaten ist der Anteil wesentlich höher. Diese Abhängigkeit spielt z. B. Deutschland einen Streich im geopolitischen Schachspiel mit Putins Regime.

Belgien will aus den Fängen des Kremls bleiben und hat beschlossen, dass das Wirtschaftsministerium, die Energieregulierungsbehörde CREG und der Gasnetzbetreiber Fluxys gemeinsam eine neue Studie über die „kurz-, mittel- und langfristige Energieunabhängigkeit des Landes“ durchführen sollen. „Unsere Gasversorgung ist heute stark diversifiziert. Wir wollen das beibehalten und nicht von einem Land abhängig werden“, so das Kabinett von Energieminister Tinne Van der Straeten (Groen) gegenüber „De Morgen“. Gegenwärtig ist Belgien hauptsächlich auf die Niederlande und Norwegen angewiesen. Aber: Die Niederlande wollen ihre Gasförderung bis 2030 einstellen, und Norwegen will seine Produktion reduzieren.

Diesem schrumpfenden Angebot steht eine wachsende europäische Nachfrage gegenüber. Aus Belgien, als Ausgleich für den Atomausstieg. Aus den Niederlanden, die ihre umweltschädlichen Kohlekraftwerke abschaffen wollen. Und aus Deutschland, wo sich die Energiewende vollzieht. Belgien droht dadurch, sich an Russland wenden zu müssen.

Nach Angaben von Fluxys müssen wir uns keine Sorgen um die Gasversorgung Belgiens machen. „Die Situation in den Niederlanden ist schon seit einiger Zeit bekannt. Und wir können auch in naher Zukunft mit Norwegen rechnen“, so Sprecher Remy Laurent in dem flämischen Blatt. „Außerdem wird über den LNG-Terminal im Hafen von Zeebrugge Erdgas aus etwa 20 Ländern geliefert, u. a. Katar, den USA, Australien und Peru. Es gibt Möglichkeiten, sich international weiter zu diversifizieren.“ Ein aktueller Bericht des Wirtschaftsministerium kommt zu dem Schluss, dass die Einfuhr von LNG (Flüssigerdgas) auf dem Seeweg für unser Land „besonders interessant“ sein kann und dass es in Zukunft „genügend Förderländer gibt, die Belgien beliefern, um eine Monopolsituation zu vermeiden“.

Übrigens: Bei den Erdgaspreisen ist Belgien bereits teilweise den russischen Launen ausgeliefert, da diese Preise auf dem europäischen Markt festgelegt werden. (gz)

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