Angesichts der Entwicklung warnt der WWF vor „einer katastrophalen Zuspitzung des weltweiten Artensterbens“. Das „größte Artensterben seit dem Ende der Dinosaurierzeit“ sei im Gange. Lichtblicke gebe es dort, wo sich der Mensch intensiv für Natur- und Artenschutz einsetze.
„Beim Artenschutz geht es längst nicht mehr nur um die Beseitigung eines Umweltproblems, sondern um die Frage, ob die Menschheit nicht irgendwann auf der Roten Liste in einer Gefährdungskategorie landet und zum Verlierer ihrer eigenen Lebensweise wird“, sagte Eberhard Brandes, geschäftsführender Vorstand beim WWF Deutschland.
Stellvertretend für viele andere führen die Umweltschützer folgende Tierarten als Gewinner und Verlierer auf.
Verlierer:
Die Bestände des in Zentral- und Westafrika lebenden Waldelefanten brachen in den vergangenen 31 Jahren um 86 Prozent ein. Er gilt seit diesem Jahr offiziell als „vom Aussterben bedroht“.
Nicht zum ersten Mal steht der Eisbär auf der Verlierer-Liste des WWF - seine Zukunft sieht düster aus. Die rapide Erwärmung der Arktis lässt das Eis schmelzen. 2035 könnte der arktische Ozean im Sommer erstmals komplett eisfrei sein. Der Verlust ihres Lebensraumes durch den Bau von Straßen und Siedlungen stelle die größte Gefahr für Laubfrösche und viele andere Amphibien-Arten dar.
Noch ist der Kranich auf der Roten Liste nicht als gefährdet eingestuft. Doch seine Zukunft ist nach Ansicht des WWF ungewiss. So fielen infolge des Klimawandels vermehrt die Nistplätze trocken. Das Insektensterben sorge zudem für Nahrungsmangel beim Nachwuchs. Überfischung, Lebensraumverlust und Klimawandel - dieses Trio ist für den schlechten Zustand vieler Hai- und Rochenarten verantwortlich. Ein Drittel gelte laut Internationaler Roter Liste seit 2021 als bedroht.
Die europäischen Wanderfische wie Lachs oder Stör leiden vor allem unter Ausbau und Begradigung von Flüssen, dem Bau von Wasserkraftwerken und Überfischung.
Die Klimaerwärmung und damit die Erwärmung des Mittelmeeres könnte der Edlen Steckmuschel zum Verhängnis werden.
Laut aktuellem WWF-Report sind die Bestände der größten dort lebenden Muscheln in manchen Regionen Spaniens, Italiens und Frankreich stark zurückgegangen oder komplett verschwunden. Warmes Wasser begünstigt die Ausbreitung eines Parasiten und hemmt den Fortpflanzungserfolg der Tiere.
Gewinner:
In den vergangenen 18 Jahren habe sich die Population des Iberischen Luchses mehr als verzehnfacht, schreibt der WWF. Es lebten nun mehr als 1.000 dieser Tiere in ihrer Heimat Spanien und Portugal.
Nepalesische Panzernashörner: Die Haut dieser Nashörner ist von dicken Falten durchzogen, was den Anschein einer dicken Panzerung erweckt. Gegen die Zerstörung ihrer Lebensräume und die Jagd auf ihr Horn sind die Tiere dennoch machtlos - die Art gilt als gefährdet. In Nepal zeigten nun die jahrelangen Schutzbemühungen Wirkung, schreibt der WWF. Seit 2015 sei der Bestand um 16 Prozent gewachsen.
Acht junge Siam-Krokodile entdeckten Forscher Anfang September in Kambodscha. Damit ist laut WWF zum ersten Mal seit über zehn Jahren eine Fortpflanzung dieser vom Aussterben bedrohten Art in der Natur nachgewiesen worden.
Im Alpenraum flattern nach WWF-Angaben wieder über 300 Bartgeier - ein Erfolg für das vor über 30 Jahren gestartete Wiederansiedlungs-Programm. 2021 habe es einen Zuwachs von etwa 50 Junggeiern gegeben. (dpa/sc)

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