„Nicht nur in Zeiten von Corona, sondern ganz besonders zur Weihnachtszeit finden sich Kaninchen, Hunde, Katzen und viele andere Tiere auf den Wunschzetteln – vor allem von Kindern. In Zoohandlungen, Baumärkten und im Internet häufen sich die Anzeigen mit ‚lebenden Weihnachtsgeschenken‘. Manches Tierheim sieht sich deshalb veranlasst, gerade in dieser Zeit einen Vermittlungsstopp zu beschließen“, so die einleitenden Worte in einem Kommuniqué der Tierschutzorganisation GAIA Ostbelgien. Tiere seien fühlende Lebewesen und keine Spielzeuge, Geschenke oder Accessoires. Einem Vierbeiner ein Zuhause zu schenken, sei „eine verantwortungsvolle Aufgabe, die zeit- und kostenintensiv ist – und das oftmals für viele Jahre“. Deswegen müsse die Entscheidung, ein Tier aufzunehmen, unbedingt wohlüberlegt getroffen werden – und zwar von der ganzen Familie.
„Jahr für Jahr werden zahlreiche Tiere nach dem Weihnachtsfest in den ohnehin schon überfüllten Tierheimen abgegeben. Im schlimmsten Fall werden die Tiere sogar einfach ausgesetzt oder bei einem bevorstehenden Umzug zurückgelassen. Auch die Tierheime in Ostbelgien können davon leider ein Lied davon singen. Die Gründe sind vielfältig: Der Mietvertrag untersagt die Tierhaltung, aus dem niedlichen Katzenkind wird eine Kratz-Katze, das Kaninchen beginnt streng zu riechen, eine Tierhaarallergie macht sich bemerkbar oder der Hund hinterlässt Pfützen in der Wohnung“, heißt es weiter. Nicht zuletzt würden Halter von den hohen Kosten der Tierhaltung überrascht, weil sie sich zuvor nicht ausreichend mit der Thematik beschäftigt hätten. „Neben Nahrung und den regelmäßigen Tierarztbesuchen für Impfungen oder Routinekontrollen kann der Besuch beim Veterinär schnell zu einem kaum kalkulierbaren Kostenfaktor werden, wenn der tierische Freund ernsthaft erkrankt“, so der Hinweis der Organisation. Manche Menschen seien nicht dazu bereit, die Betreuung eines tierischen Begleiters langfristig zu übernehmen, z.B. wenn sich ihre Lebenssituation verändere. Insbesondere Kinder würden oftmals schnell wieder das Interesse am Tier verlieren. GAIA Ostbelgien empfiehlt daher zu Weihnachten keine Tiere, sondern „tierfreundliche“ Geschenke, die allen – Mensch und Tier – Freude bereiten. „Viele Tierheime bieten sogenannte Tierpatenschaften an. Kinder freuen sich aber oftmals genauso über Tiere aus Stoff oder entsprechende Sachbücher, in denen sie wertvolles Wissen über Tiere erlangen können“, ist sich GAIA sicher.
Die Tierheime sind bereits überfüllt.
Die wichtigste Frage aber sei: „Passt das Haustier auch noch ins Leben, wenn Weihnachten und hoffentlich auch die Pandemie vorbei ist?“ Besonders nach Weihnachten seien in den letzten zehn Jahren die Rückgaben von Tieren extrem angestiegen. „Sollten Sie tatsächlich bereit sein, einem tierischen Mitbewohner ein neues Zuhause zu schenken, dann besuchen Sie bitte ein Tierheim und adoptieren einen Vierbeiner. Schnell werden Sie herausfinden, dass dort Tiere mit den unterschiedlichsten Eigenschaften und Bedürfnissen auf ein neues Zuhause warten. Hier finden Sie ruhige, aktive, schüchterne und aufgeschlossene Tiere sowie Welpen und graue Schnauzen. Nehmen Sie die Möglichkeit wahr, den Vierbeiner ausreichend kennenzulernen“, spricht die Organisation die Bevölkerung direkt an. Bei Hunden böten sich gemeinsame Spaziergänge an, bei Katzen könne es sinnvoll sein, einige Stunden im Katzenhaus zu verbringen und sich der „Samtpfote“ langsam zu nähern. Hierbei solle sichergestellt werden, dass die Chemie zwischen beiden Partnern passe. „Kaufen Sie bitte niemals Tiere in Zoohandlungen, beim Züchter, auf Tiermärkten oder im Internet. Der schöne Schein trügt: Die Haltungs- und Zuchtbedingungen sind vielfach katastrophal und tierschutzwidrig – sie bleiben in der Regel ebenso verborgen wie die Bedingungen während des Transports. In der Heimtierindustrie zählt nämlich einzig der Profit durch die ‚Massenware‘ Tier. Das einzelne Individuum oder gar Schicksal, das die Tiere durchlebt haben, zählt für die Händler beim Geschäft mit der ‚Ware Tier‘ nicht“, so GAIA.
Gesetzestexte hinken in den Augen von GAIA hinterher
„Die Tierschutzvereine und Tierheime in der Wallonischen Region fordern deshalb die Politiker auf, sich endlich zu bewegen“, fährt GAIA fort: „Sie haben zwei Gesetzestexte im Visier, die sich derzeit in der Schublade befinden: Zum einen die Sanktionen, die Kontrolle und die Repression, denn es ist an der Zeit, die Überwachung der Tiere zu verstärken. Der zweite, noch wichtigere Gesetzestext betrifft die Tierhaltung. Die zuständige Ministerin hat mehrmals angekündigt, dass den Tierhandlungen ein Ende gesetzt werden muss.“ Inzwischen würden alle Parteien diese Praktiken anprangern, aber immer noch könne man einen Hund aus einem Katalog kaufen und bekomme ihn am darauffolgenden Tag geliefert. „Normal ist das ganz sicher nicht. Höchste Zeit, dass sich das ändert“, schließt die GAIA Ostbelgien. (red/svm)
• Tierheim Eupen-Kettenis (087 / 74 24 46 - info@tierheim-eupen.be)
• Tierheim Schoppen (080 / 64 39 53 - info@tierheim.be)
• Hunde in Not V.o.G. (080 / 44 86 86 - info@hunde-in-not.be)

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