Nach dem ersten italienischen Triumph beim legendären Radsport-Klassiker Paris-Roubaix seit 22 Jahren wälzte sich der komplett mit Schlamm verdreckte Sonny Colbrelli weinend und vor Freude schreiend auf dem Rasen. Topfavorit Mathieu van der Poel dagegen blieb nach seiner nächsten Enttäuschung minutenlang regungslos im Innenraum des Radstadions liegen. Nach einem dramatischen Ritt durch die Hölle des Nordens krönte sich Europameister Colbrelli in einem packenden Schlussspurt auf der ehrwürdigen Betonpiste des Velodoroms von Roubaix zum Sieger – und das bei seiner Premiere. Nach 257,7 Kilometern verwies der 31-Jährige bei der 118. Auflage der Kopfsteinpflaster-Tortur den Belgier Florian Vermeersch (Lotto Soudal) und den Niederländer van der Poel (Alpecin-Fenix) am Sonntag auf die Plätze.
„Das ist ein Traum. Es ist mein erstes Paris-Roubaix und ich gewinne. Dieses Jahr ist mein Jahr, ich bin sehr glücklich“, sagte Colbrelli bei Eurosport, ehe er den schweren Pflasterstein als Siegertrophäe für eines der fünf Monumente des Radsports in die Höhe reckte. Der mehrfache Tour-de-France-Etappensieger und Crossweltmeister van der Poel, der bereits beim olympischen Moutainbike-Rennen durch einen Sturz das anvisierte Gold verpasste, stand bedient auf dem Podium.
Der überraschende Zweite, Florian Vermeersch, erklärte nach dem Rennen, dass wohl erst in den kommenden Tagen der Stolz überwiegen würde. Noch sei er aufgrund des knappen Ausgangs sehr enttäuscht. „Es hat nicht sollen sein: Colbrelli war super stark und hat meinen Angriff gekontert“, analysierte der 22-Jährige seinen ersten Auftritt bei Paris-Roubaix: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“.
Insgesamt vier Belgier landeten unter den ersten Zehn: Yves Lampaert wurde Fünfter, Mitfavorit Wout van Aert landete auf Platz sieben vor Tom Van Asbroek. Der Ostbelgier Laurenz Rex beendete sein Paris-Roubaix-Debut auf einem beachtlichen 21. Rang.
903 Tage mussten die Radprofis und Fans auf die 118. Auflage warten, es war die längste Pause des Rennens seit dem Zweiten Weltkrieg. 2020 war das Rennen wegen der Corona-Pandemie ganz ausgefallen, in diesem Jahr musste der eigentliche Frühjahrsklassiker wegen der Virus-Verbreitung in den Herbst verlegt werden. Lang anhaltender Dauerregen, mehr als 20 Stürze – Paris-Roubaix wurde seinem berüchtigten Ruf wieder einmal voll gerecht.
Der Klassiker wurde schon früh zu einem brutalen Ausscheidungsrennen. Das Feld riss immer weiter auseinander – van der Poel und van Aert hatten in ihrer Gruppe teils fast drei Minuten Rückstand. Durch die 2,3 Kilometer lange Kopfsteinpflasterpassage durch den berüchtigten Wald von Arenberg kamen die Favoriten unbeschadet durch. Van der Poel wechselte 72 Kilometer vor dem Ziel sein Rad, danach machte er Druck und setzte sich von seinem Rivalen van Aert ab. Im Schlussspurt musste er sich dann aber dem überglücklichen Colbrelli geschlagen geben. (dpa/sid/belga/svm)

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