Eine aufwendige 60 Meter hohe Kupfer-Kuppel mit grüner Patina ragt über dem Dach mit seinen überraschend bunten Schindeln, die bei der denkmalgerechten Instandsetzung ein kleines Vermögen verschlangen.
Vor seiner industriellen und politischen Bedeutung hatte der Ort eine militärisch geprägte Vergangenheit. Einst war auf dem Gelände ein Exerzierplatz für die dort kasernierten kurpfälzischen Truppen. Düsseldorf war Ende des 19. Jahrhunderts noch Garnisonsstadt. Die Kasernen wurden nach 1900 abgerissen. 1904 beschloss die „Stahlwerkverband Aktien-Gesellschaft“, der Zusammenschluss der deutschen und luxemburgischen Eisen- und Stahlindustrie, dann den Bau eines eigenen Verwaltungsgebäudes. Die Bauzeit für den Stahlhof betrug zwei Jahre und drei Monate. 1908 wurde das Gebäude fertiggestellt. Es kostete 2,3 Millionen Goldmark.
Mit der Ansiedlung des Stahlwerkverbandes in diesem Gebäude begann Düsseldorfs Aufstieg zum „Schreibtisch des Ruhrgebiets“. Von 1923 bis 1925 besetzten französische Truppen das Haus nach ihrem Einmarsch, doch bald übernahm wieder die Stahlindustrie. Während des Zweiten Weltkriegs wurde aus dem Gebäude die gesamte deutsche Walzstahlproduktion gesteuert. Trotz des Bombenteppichs, der im Zweiten Weltkrieg über Düsseldorf niederging und der zwei Drittel der Stadt zerstörte, blieb der Prachtbau aus rotem Sandstein mit seinem Mix aus Gotik und Jugendstil unversehrt - obwohl sich im Dritten Reich Verwaltungsstellen der Wehrmacht dort angesiedelt hatten und es damit ein lohnendes Ziel der Bomber gewesen wäre.
Und so konnten in dem Gebäude nach der Kapitulation des Dritten Reichs andere die Macht übernehmen: Die britische Militärregierung herrschte von hier aus. In holzvertäfelten Räumen mit Parkettboden fanden die entscheidenden Besprechungen für Dekret Nr. 46 statt: die Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen am 23. August 1946. Schon vorher, am 6. August, kam im Stahlhof die erste zivile Regierung des neuen Bindestrich-Landes unter NRW-Ministerpräsident Rudolf Amelunxen erstmals zusammen. Amelunxen war nur wenige Monate im Amt, als er 1947 von Karl Arnold (CDU) abgelöst wurde.
Heute wird hinter der roten Fassade täglich Recht gesprochen: Rund 100 Richter des Verwaltungsgerichts huschen über die Flure, achten auf die Einhaltung der Gesetze durch den Staat selbst und klopfen ihm bei allzu großzügiger Auslegung auf die Finger. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf ist seit 50 Jahren im Stahlhof untergebracht. Der aktuelle Hausherr ist Gerichtspräsident Andreas Heusch. Auf der Webseite des Gerichts ist die wechselvolle Geschichte des Gebäudes nachlesbar.
Zum 75. Jubiläum des Landes NRW soll am 5. Oktober eine der Feierlichkeiten auch im Stahlhof stattfinden. Wenn alles glatt läuft, kommt die britische Botschafterin Jill Gallard aus Berlin.

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