Die Initiative zu dieser Ausstellung ging von Virgile Gauthier aus, früherer Direktor der Abtei, der im Dezember 2020 verstorben ist. Sein Nachfolger Patrick Mignon wies bei der Vorstellung ausdrücklich auf diesen Umstand hin: „Virgile hat diese Ausstellung angestoßen und seine Mitarbeiter haben sie umgesetzt. Deswegen gilt mein Dank dem ganzen Team. Ich bin erst seit einigen Tagen in dieser Funktion hier tätig, und eine derartige Ausstellung braucht eine lange Vorbereitungszeit,“ so Mignon.
Nicht nur Zeichnungen, sondern auch die Menschen, die sich dahinter verbergen
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Karikaturen, die in der Tagespresse erscheinen und dabei darf natürlich die belgische Ikone Pierre Kroll nicht fehlen. Gezeigt werden Cartons, die auf der ganzen Welt publiziert wurden. Ein Großteil der Zeichner ist in der Vereinigung „Cartooning for Peace“ vereint, die 2006 von Jan Plantu und Kofi Annan ins Leben gerufen wurde.
Jean Plantu ist dann auch Ehrenpräsident der Ausstellung. Er ging bei der Vorstellung auf die Bedeutung der Zeichnungen ein. „Le Journal du Monde“ hat ihm die Chance gegeben, seine Arbeiten zu zeigen und ihm so zu seinem Ruhm verholfen.
Als Vorsitzender habe er einige Türen geöffnet für die Zusammenstellung der Ausstellung. Die Vereinigung, die Mitglieder in der ganzen Welt zählt, habe die Arbeit der Karikaturisten gestärkt. Zum Abschluss sagte Plantu, dass er sich in Frankreich nie das erlauben dürfe, was Pierre Kroll in Belgien oftmals in der Tageszeitung „Le Soir“ veröffentliche.
Manuela Valentino, Kommissarin der Ausstellung, lobte die Herangehensweise: „Es werden nicht nur Arbeiten gezeigt, sondern auch die Menschen, die sich dahinter verbergen“. Neun Zeichner werden in dieser Ausstellung besonders hervorgehoben und auch per Video vorgestellt. Dabei handelt es sich um António (Portugal), Hossam Al Saadi (Syrien), Kichka (Israel), Kroll (Belgien), Lopatin (Russland), Plantu (Frankreich), Rayma (Venezuela), Willis from Tunis (Tunesien) und Zlatkovsky (Russland).
Pierre Kroll fügte an, dass Karikaturisten eigentlich nie über etwas einig seien. Man führe Streitgespräche, aber danach gehe man immer als Freund auseinander. Dies sei eine Stärke der Vereinigung, in der beispielsweise Israelis und Araber gut miteinander auskommen. Kroll mahnte auch, dass Karikaturen einen immer schwereren Stand in der Presse hätten und er große Befürchtungen hege, dass diese eines Tages aus der Medienlandschaft verschwinden könnten.
Geschichte der Karikatur in Belgien
seit 1830
Der zweite Teil der Ausstellung, die in den drei Landessprachen und in Englisch gezeigt wird, widmet sich der Geschichte der Pressezeichnungen und Karikaturen in Belgien seit 1830. Thematisch werden so weltpolitische sowie auch nationale Themen behandelt. Angesprochen wird ein breites Publikum, wobei die belgischen Besucher sich über Karikaturen von Pierre Kroll zur Politik, zur Pandemie, zum Königshaus, zum Sprachenstreit zwischen Flamen und Wallonen und vielen weiteren Themen amüsieren dürften.
Wie üblich sind Kinder und Schulklassen willkommene Gäste in der Abtei. Für die kleinen Besucher hat Charline Joris, verantwortlich für die pädagogische Begleitung in der Abtei, ein Spielheft in den drei Landessprachen zusammengestellt, welches während des Besuchs ausgefüllt werden kann.
Am 4. Oktober findet im Rahmen der Ausstellung ein Webinar statt, mit dem das 15-jährige Bestehen der Vereinigung gefeiert wird. Diese Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der Unesco statt.
Außerdem werden Jean Plantu (9. September) und Pierre Kroll (25. November) zu jeweils einer Konferenz anwesend sein. Geplant sind auch Treffen zwischen den beteiligten Karikaturisten und Jugendlichen. Der Zeitplan hierzu steht aber noch nicht genau fest.
Die Ausstellung läuft bis zum 6. März 2022 und ist täglich, außer am Weihnachts- und Neujahrstag, von 10 bis 18 Uhr geöffnet. (glo)
stavelot.be




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