St. Vither Vitusoktav als „Baustelle“

<p>Der Vitusaltar erstrahlt in veränderter Form.</p>
Der Vitusaltar erstrahlt in veränderter Form.

Wenn eine „Baustelle“ einige Zeit geruht oder turbulente Krisenzeiten hinter sich hat, gilt es mit umso größerer Achtsamkeit weiter zu bauen, unterstreicht Dechant Claude Theiss von St.Vith. Dies gelte auch für eine Glaubensgemeinschaft. „Worauf müssen wir achten? Was sind die äußeren und inneren veränderten Umstände? Wo gilt es, besonders hinzuschauen und anzupacken? Was kann wieder neue Begeisterung schaffen?" Diese und ähnliche Fragen stellen sich die Verantwortlichen der Vituswoche. Wichtig beim Bauen sei das Fundament, betont der 53-jährige Seelsorger.

Dies gelte auch für die christliche Gemeinschaft. Wichtig beim Weiterbauen sei, gut hinzuschauen auf das, was vorher aufgebaut wurde, um abzuwägen, was bleiben soll und kann, und um zu entscheiden, was abgebaut werden sollte, um stabil und zielorientiert weiterzubauen.

So werden die Teilnehmer der Vituswoche an den Anfang der Christengemeinden mit einem Blick in die Apostelgeschichte geführt. Der Filmabend mit anschließendem Gespräch soll wichtige Anregungen geben.

Marktgottesdienst und Meditation in der Natur

Der eigentliche Vitustag, 15. Juni, ist traditionell Markttag. Daher findet in diesem Jahr ein Marktgottesdienst statt, denn der Marktstandort hat mit dazu beigetragen, dass die St.Vither den heiligen Vitus feiern. Die Kirche soll mehr denn je ein Ort sein, wo Menschen sich empfangen, aufgefangen und begleitet wissen, insbesondere Kranke, Arme, Fremde, Verletzte, Ausgebeutete, Trauernde, Ältere und Einsame. Glaubensgemeinschaften sollten daher eine Willkommenskultur pflegen, sagte Dechant Claude Theiss, der vor fast 30 Jahren zum Priester geweiht wurde. Dies soll besonders in der Krankensalbung verdeutlicht werden.

Mit der Meditation in der Natur wollen die Verantwortlichen der Vituswoche dazu beitragen, die Sensibilität für die Achtung und Bewahrung der Schöpfung als ein wichtiges Anliegen zu fördern.

In der aktuellen Situation muss die Kirche mehr auf die Menschen zugehen und nicht warten, bis sie sich zu ihr bewegt. „Die Kirche muss mitten in der Gesellschaft leben und sich nicht in den vier Wänden der Kirchengebäude zurückziehen“, betont Claude Theiss.

Die Corona-Pandemie hat mehr denn je deutlich gemacht, dass auch die Christengemeinden mitten im Wandel stehen. Um diesen Wandel zu vollziehen, braucht es Menschen, die bereit sind, sich zu engagieren, damit Glaubensgemeinschaft auch in Zukunft lebensfähig ist.

Arbeiten an Holzskulptur und Kommunionbank

Die Vituswoche findet in der renovierten Pfarrkirche statt. Im Rahmen der Verlegung einer neue Bodenheizung wurden auch andere Arbeiten im Kircheninneren durchgeführt. So wurde eine überdimensionale Holzskulptur wieder in ihren Ursprungszustand zurückversetzt. Der aus Polen stammende Brüsseler Künstler Zygmunt Dobrzycki hatte sie Ende der 150er Jahre für die St.Vither Kirche konzipiert: als auferstandenen, lebenden und nicht als gekreuzigten, toten Christus. Dafür wurde das Metallkreuz vom Holz-Corpus getrennt. Christus schwebt nunmehr ohne Kreuz im Chorraum.

Für Dechant Claude Theiss ist dies eine besondere Symbolik. „Die Kirche war das weithin sichtbare Zeichen für den unbedingten Auferstehungswillen, die Zerstörungen des Krieges zu überwinden und aus den Ruinen wieder zu erstehen." Auch wurde die alte Kommunionbank aus dem Chorraum entfernt, die noch aus der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil stammte. Der Betonsockel der Vitus-Statue wurde durch Elemente aus der alten Pfarrkirche ersetzt. Der Vitusaltar besteht nunmehr aus dem Seitenkreuzaltar und der alten Kommunionbank.

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