„Was lange währt…“, spielt Raerens Tourismusschöffe Tom Simon (CSL) scherzhaft auf ein bekanntes Sprichwort an – und ergänzt: „Nein, im Ernst. Wir sind sehr erleichtert, dass der alte Tankwagen endlich weggeschafft wurde“, hält er mit seiner Euphorie nicht hinterm Berg.
Eine Gefahr für die Umwelt sei von dem Tankwagen, der seit Jahren ein trostloses Dasein auf dem Gelände des ehemaligen Raerener Bahnhofes fristete, bis zuletzt nicht ausgegangen, da sich das darin befindliche Schweröl verfestigt habe. „Selbst wenn sich der Wagen in der prallen Sonne auf 50 oder 60 Grad erhitzt hätte, wäre das Schweröl eine feste Masse geblieben“, beteuert Simon. Erst bei einer Temperatur von 90 Grad verflüssigt sich Schweröl. Diese physikalische Eigenschaft machte sich die Deutschsprachige Gemeinschaft nun zu Nutze.
Schweröl wurde durch Erhitzen verflüssigt.
Seit Jahren wird um die Entfernung des alten Tankwagens gerungen. An Lösungsansätzen hatte es dem langjährigen Besitzer, dem Eisenbahnverein „Chemin de Fer des 3 Frontières“ (CF3F) mit Sitz in Hombourg und Montzen, zwar nie gemangelt, wohl aber an dem nötigen Kleingeld, wie der Vorsitzende in der Vergangenheit gegenüber dieser Zeitung mehrfach argumentiert hatte.
Nichtsdestotrotz war der Tankwagen unter anderem der Gemeinde ein Dorn im Auge – oder wie der ehemalige Bürgermeister Hans-Dieter Laschet es 2018 wenig diplomatisch formuliert hatte: „Der Schrott muss weg.“
Seitdem vergingen weitere drei Jahre, in denen nichts geschah und das Relikt aus Vennbahn-Zeiten weiter vor sich hin rottete. Bis sich die DG unlängst der Sache annahm und den alten, mit Schweröl gefüllten Tankwagen, den sie den Eisenbahnfreunden vor zig Jahren für einen symbolischen Euro vermacht hatte, zum gleichen Wert zurückkaufte – wohl auch vor dem Hintergrund, dass sie seit längerem beabsichtigt, der Gemeinde Raeren die große Halle auf dem Bahnhofsgelände – auch grüne Halle genannt – für einen symbolischen Euro zu verkaufen. Doch die zierte sich bis zuletzt noch, auf den Deal einzugehen, auch wenn sie durchaus Interesse daran hat, die Halle zu übernehmen und künftig als Unterstellmöglichkeit für diverse Zwecke zu nutzen. „Voraussetzung ist, dass alle möglichen Altlasten weggeschafft wurden“, erklärt Tom Simon.

Bereits vorletzte Woche wurde im Auftrag der DG am Raerener Bahnhof also zur Tat geschritten. Mehrere Möglichkeiten habe man im Vorfeld abgewogen und sich schließlich für die praktikabelste entschieden: Mit Hilfe eines haushaltsüblichen Heizkessels älteren Modells wurde das Schweröl in dem geschätzt 10.000 Liter fassenden Tankwagen auf 90 Grad erhitzt – „Ein Vorgang, der zwei Tage in Anspruch nahm“, erzählt Tom Simon, der das Spektakel aus nächster Nähe verfolgte –, sodass es sich verflüssigte und abgepumpt werden konnte. „Theoretisch hätte man das Schweröl auch in seiner ursprünglichen Form belassen und wie einen Kuchen in Stücke schneiden können, doch dazu hätte man den Tank vor Ort komplett zerlegen müssen. Das wäre mit beträchtlichem Aufwand verbunden und somit keine Option gewesen“, erklärt Simon.

Am Firmensitz des beauftragten Unternehmens in Amay wurde das abgepumpte Schweröl zunächst zum Abkühlen in drei Container umgefüllt. Vor einigen Jahren hatte das Kabelwerk als potenzieller Abnehmer noch Interesse an dem Schweröl bekundet. „Aber inzwischen konnten die auch nichts mehr damit anfangen“, so Simon, sodass es fachmännisch entsorgt wurde. Der inzwischen leere Tankwagen wurde schließlich vergangene Woche abtransportiert. „Dazu hat man zunächst den Tank von den beiden Doppelachsen abgetrennt und ihn mit Hilfe eines Krans auf einen Tieflader gehoben. Anschließend ist alles verschrottet worden“, lässt der Schöffe den in Anbetracht des jahrelangen Ringens um die Entsorgung beinahe „historischen“ Moment Revue passieren. Abschließend wurden in der vergangenen Woche letzte Spuren der Arbeiten auf dem Gelände beseitigt, sodass inzwischen nichts mehr an den einstigen Schandfleck im Landschaftsbild vor romantischer Gleiskulisse erinnert.
50.000 Euro hatte die Deutschsprachige Gemeinschaft übrigens für die Entsorgung des alten Tankwagens samt Inhalt vorgesehen, in ihre Kalkulation allerdings auch einen Bedarf von 2.000 Litern Heizöl einfließen lassen. „Schlussendlich wurden nur ein paar hundert Liter benötigt, womit sich auch die Kosten reduziert haben dürften“, vermutet der Schöffe. Tatsächlich hat das Unterfangen Kosten in Höhe von rund 30.000 Euro verursacht.
Jetzt, da alle Altlast beseitigt wurde – eine Heizanlage, die seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt worden ist und noch in der Halle lagert, soll im Laufe der nächsten Monate abgeholt werden –, dürfte auch dem Verkauf der Halle an die Gemeinde Raeren nichts mehr im Wege stehen. Das Ausschreibungsverfahren zur Übernahme des Areals durch die Gemeinde hat inzwischen begonnen.

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