Wellness für die Sinne: Peggy Fischer hat „Snoezelen“-Räume am Eupener Josephsheim ausgestattet

<p>Peggy Fischer bereitet das nächste Bad der Sinne vor.</p>
Peggy Fischer bereitet das nächste Bad der Sinne vor. | Fotos: Ralf Schaus

Im Wohnbereich „Nispert“ im Wohn- und Pflegezentrum St. Joseph in Eupen hat sich das neue Angebot schnell herumgesprochen – dabei ist es so neu gar nicht mehr: „‘Snoezelen‘-Räume gibt es bei uns schon länger. Nur die Möglichkeiten waren bislang sehr begrenzt“, sagt Pflegedienstleiterin Cathleen Bodarwé.

Auch das Prinzip des „Snoezelen“ an sich ist bei weitem keine Weltneuheit – ganz im Gegenteil: Es findet in zahlreichen Senioreneinrichtungen, aber auch in Schulen für Kinder mit besonderem Förderbedarf, bereits Anwendung. „Wir haben nichts Neues lanciert, sondern im Rahmen unseres An- und Umbaus etwas Bekanntes für unser Haus umgesetzt“, betont die 58-Jährige.

Dass jedem Wohnbereich inzwischen ein vollausgestattetes und liebevoll eingerichtetes „Snoezelen“-Badezimmer, das höchsten Anforderungen an diese Therapieform gerecht wird, zur Verfügung steht, ist dem Engagement von Ergotherapeuthin Peggy Fischer zu verdanken. Im Rahmen der sogenannten Bagic-Fortbildung zur Projektkoordinatorin im soziokulturellen Bereich an der Volkshochschule (siehe Hintergrund) hat sich die 42-Jährige das „Snoezelen“ zum Projekt gemacht. Während drei Jahren hat sie sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt: Mobilar und Accessoires mussten ausgesucht, Angebote eingeholt, Preise verglichen, administrative Hürden genommen, Anträge auf Unterstützung ausgefüllt und eingereicht werden. „Ich habe alles von A bis Z geplant und organisiert“, präzisiert sie.

Das Bad der Sinne wird täglich angeboten und zwar für jeden Bewohner, der er wünscht. Einmal die Woche, immer mittwochsmorgens, nimmt Ursulua Leffin ein Bad der Sinne. Die 79-Jährige liebt es, sich im wohlig warmen Wasser zu entspannen, dem Klang der Musik zu lauschen – auch wenn sie nicht mehr allzu gut hört –, die beruhigende Atmosphäre und das Lichtspiel auf sich wirken zu lassen. Peggy Fischer bleibt stets im Blickwinkel der Dame, das gibt Sicherheit. „Die Bewohner haben große Freude daran und genießen es auch, mich mal ganz für sich alleine zu haben“, flüstert Peggy Fischer. Die Nachfrage sei groß.

Das Bad wird ausgiebig und in aller Ruhe zelebriert. Herzstück ist eine ergonomisch geformte Badewanne, die sich auf Knopfdruck in die gewünschte Position bringen lässt und den seitlichen Einstieg ermöglicht. Wer es nicht mehr aus eigener Kraft in die Wanne schafft, wird mit Hilfe einer speziellen medizinischen Vorrichtung hineingehoben.

Peggy Fischer nimmt sich viel Zeit. Bis zu anderthalb Stunden dauert eine Anwendung. „Die Bewohner entscheiden selbst, welche Musik sie hören, welche Bilder sie sehen möchten und wie lange das Bad dauert“, sagt Fischer. Ursula Leffin reichen zwanzig Minuten der Entspannung. „Dann wird das Wasser auch langsam kalt“, kichert die Dame mit den rosigen Wangen und dem weißen Haar. Zurück auf ihrem Zimmer mit Blick auf den innenliegenden Park mache sie es sich in ihrem Sessel bequem und lege die Füße hoch. „Man ist nicht nur sauber, sondern auch entspannt.“ Noch einige Zeit danach halte die Wirkung an. „Hach“, seufzt sie. „Das ist etwas Wunderbares. Es ist ein richtiges Wellnessprogramm“, schwärmt die rüstige Seniorin. Als sie noch Zuhause wohnte, habe sie einen solchen Komfort nicht gehabt.

Was sich liest wie ein ausgiebiges Wellnessprogramm, hat einen therapeutischen Hintergrund. „Das Bad dient zum einen der Entspannung, zum anderen der Stimulation und Erhaltung der Sinneswahrnehmung. Verlorengegangene Sinne werden angeregt und geschult“, erklärt Peggy Fischer. Eine der Badewannen ist mit einer Whirlpool-Funktion ausgestattet, eine andere mit Ultraschall-Technologie, was die Durchblutung anregt.

Von der positiven Wirkung der sanften Sinnesreize ist Projektbegleiterin Cathleen Bodarwé überzeugt: „Menschen mit einem nervösen Naturell hilft das Snoezelen, zur Ruhe zu kommen. Auf andere kann es dagegen stimulierend und aktivierend wirken, sodass sie anschließend aufmerksamer und wacher sind“, weiß sie aus Erfahrung. Manche Bewohner benötigten allerdings etwas Zeit, sich darauf einzulassen und Vertrauen zu fassen.

Beim „Snoezelen“ werden alle fünf Sinne angesprochen. Auch das Schmecken ist davon nicht ausgenommen. Dementsprechend ist das Angebot im Josephsheim durchaus noch ausbaufähig: „Man könnte beispielsweise ein Glas Sekt oder kleine Häppchen reichen“, schlägt Peggy Fischer vor. Sicher würde das bei den Bewohnern gut ankommen, ist die Eupenerin überzeugt. Auch Badeöle und ein Aroma-Difuser können zum Einsatz kommen – „Insofern das von den Bewohnern gewünscht ist“, ergänzt Peggy Fischer. Auf die baldige Lieferung eines Beamers, mit dem die Ergotherapeutin künftig beispielsweise Landschaften, Sonnenauf- und Untergänge auf eine Leinwand projizieren kann, wartet sie sehnsüchtig. „Im Rahmen der visuellen Stimulation kann man auch positive Erinnerungen wachrütteln“, erklärt sie und nennt ein Beispiel: „Wenn jemand nochmal gerne ans Meer fahren würde aber es körperlich nicht schafft, kann man das Meer zeigen und Meeresrauschen abspielen, so, als sei man wirklich am Meer.“

So tiefenentspannt, wie die Senioren es nach dem „Snoezelen“ sind, war Peggy Fischer während der Planungsphase nicht: „Das Projekt hat mich schon einige Nerven gekostet. Ich habe das ganze anfangs etwas unterschätzt“, verrät sie und lacht aus tiefstem Herzen, weil sie sich eingesehen musste, dass doch mehr Aufwand dahinter steckt als zunächst gedacht. „Jetzt verstehe ich auch, warum jede noch so kleine Anschaffung so viel Zeit in Anspruch nimmt. Manche Prozeduren sind sehr zäh.“ Schlussendlich haben sich alle Mühen gelohnt: „Es ist auch schön, zu sehen, dass ein Projekt fertiggestellt wird und nicht in der Schublade verschwindet“, findet Peggy Fischer.

BAGIC-Weiterbildung an der VHS

Die sogenannte BAGIC-Weiterbildung ist eine Fortbildung für Koordinatoren von soziokulturellen Projekten und richtet sich an sozial engagierte Menschen, die durch ihre Arbeit die Gesellschaft positiv verändern möchten. Neben gesellschaftlicher Veränderung steht hinter den Projekten auch der Wunsch, die Förderung menschlicher Emanzipation in lebensrelevanten und praktischen Themen des Alltags in den Vordergrund zu stellen. Neben den wertvollen Projektarbeiten, die die Teilnehmer präsentiert haben, steht die persönliche Entwicklung der Teilnehmer im Vordergrund.

Folgende Projekte wurden von den Absolventen ins Leben gerufen und erfolgreich präsentiert:

- Bianca Croé: Krabbelgruppe „Regenbogenland“ - Eine Projektinitiative im Viertelhaus Cardijn CAJ

- Peggy Fischer: Bad der Sinne

- Roger Doum: Konzept zur Schaffung einer betrieblichen Altersvorsorge (BAV) für die Mitarbeiter von Bisa

- Erwin Josten: Feuerwehrmuseum Ostbelgien

- Anny Mathey: Unsere Sprache ist unsere Heimat, unser Recht, unser Alleinstellungsmerkmal

- Daniela Nüchtern: Digitale Alphabetisierung

Eine weitere Auflage der BAGIC-Weiterbildung startet im September 2021. Infos direkt bei dem Volkshochschule-Bildungsinstitut 087/594630 oder unter info@vhs-dg.be (red/sue)

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