Scenario wacht aus dem Coronaschlaf auf und feiert seine 20. Auflage

<p>An diesem Wochenende startet die 20. Ausgabe des Scenario Festivals in Eupen. Vom 12. Juni bis zum 8. August wird erneut Theater, Tanz und Zirkus für jedes Alter in den Räumlichkeiten des Kulturzentrums Alter Schlachthof Eupen angeboten. Dazu gehört auch die Western-Parodie „‚Longjohn – Mann sein ist nicht einfach“.</p>
An diesem Wochenende startet die 20. Ausgabe des Scenario Festivals in Eupen. Vom 12. Juni bis zum 8. August wird erneut Theater, Tanz und Zirkus für jedes Alter in den Räumlichkeiten des Kulturzentrums Alter Schlachthof Eupen angeboten. Dazu gehört auch die Western-Parodie „‚Longjohn – Mann sein ist nicht einfach“. | Foto: Martin Misere

„‚Longjohn – Mann sein ist nicht einfach‘ ist in Köln inzwischen Kult“, verspricht Judith Thelen vom Alten Schlachthof. Man nehme Zitate aus Westernfilmen und schiebe sie einem Mann unter, der nach dem Job nach Hause kommt, die Wohnung staubsaugt und sich in einen Cowboy verwandelt. Spartenübergreifend geht es am 9. Juli mit Musik, Slapstick, Tanz, Comedy und Akrobatik darum, was nun eigentlich ein Mann ist und was dieses seltsame Wesen prägt. Natürlich ist dann auch richtig männlich, dass es danach nicht sofort nach Hause in die Heia geht, sondern bei einem guten Glas Bier und vielleicht auch einem rauchigen Bourbon der passenden Musik zu lauschen. Denn gleich danach gibt es Rock ‘n‘ Roll und Country mit der One-Man-Band Big Horse.

Das Programm ist abwechslungsreich und verspricht jede Menge Spaß.

„Scenario wird 20“ – und das unter Coronabedingungen. Jetzt heißt es nachzuholen, was 2020 dem Lockdown zum Opfer gefallen ist und Neues zu entdecken. Zumal: Zum ersten Mal seit Monaten werden auch die Räume im Kulturzentrum wieder mit Leben gefüllt. Da passt es gut, dass in dieser Zeit, wo sich Schauspieler, Sänger, Tänzer und Akrobaten wieder die Bühnen erobern, auch Tanja Moosblech mit der Ausstellung ihrer Schüler dafür sorgt, dass die Wände nicht kahl bleiben.

Am 12. Juni entsteigt die Grand Dame des deutschen Tanztheaters, die 2009 verstorbene Pina Bausch, aus dem Grab. Die belgische Tänzerin Dominique Duszinski, die bei dieser ganz Großen mitgetanzt hat, erzählt und tanzt aus der Welt der Pina Bausch. Im Vorprogramm gibt es Ausschnitte aus dem Wenders-Film „Pina tanzt“, der kurz nach dem Tod der Künstlerin herausgekommen ist.

Shakespeare und Tango. Das passt. Neun Tänzer und drei Musiker aus Paris, Brüssel und dem Mutterland des Tangos, aus Buenos-Aires setzen „Romeo und Julia“ mit klassischen und modernen Tangoklängen tänzerisch um. Auch das sollte schon längst im Rahmen des Aachener Schrittmacherfestivals 2020 stattgefunden haben. Das geht jetzt in Eupen mit Scenario eine Vermählung ein. Drei weitere Schrittmacherveranstaltungen finden in Heerlen statt.

„Die Stücke sind grundsätzlich für Familien mit Kindern geeignet“, sagt Judith Thelen. Das gilt besonders für die Agora-Inszenierungen „Das Geheimnis der Wilden Gans“ und „Die seltsame und unglaubliche Geschichte des Telemachos“, die im Rahmen des Festivals ihre Nordpremiere feiern.

Ausnahme ist Pesadilla, Albtraum von Piergiorgio Milano am 1. Juli. Zirzensisch und ausdrucksstark geht es in den Burnout eines Mannes, der überarbeitet zwischen Traum und Wirklichkeit schwankt. „Pesadilla behandelt die zeitliche Wanderung, die Flucht in eine imaginäre Welt, wenn wir schlafen, und flirtet gekonnt mit unserem Unterbewusstsein“, heißt es. Milano hat mit dieser Performance den Preis der besten belgischen Zirkusproduktion 2017 erhalten. Auch hier gibt es von 17 bis 23 Uhr Rahmenprogramm. Bert Berg zeigt, was man alles mit Mausefallen tun kann.

Das Programm von Scenario ist jedenfalls abwechslungsreich und verspricht – natürlich unter Berücksichtigung der gültigen Coronaregeln – jede Menge Spaß, Nachdenklichkeit und vor allem die Befriedigung der Sehnsucht aller Menschen, die zu lange auf Kultur warten mussten.

Das Agora Theater spielt an diesem Sonntag (15 Uhr) „Das Geheimnis der wilden Gans“ für Kinder ab fünf Jahre und Erwachsene in deutscher Sprache.

Wie in der Fabel „Die weisen Tiere“ von Hannah Arendt führt die Suche in eine andere Welt voller Begegnungen mit wilden, weisen Tieren. Ein Stück Theater, das lustvoll Fragen nach dem Unbekannten stellt und die Kraft besitzt, die Neugier auf das Erkunden und Verstehen-Wollen der Welt zu wecken.

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