Vorfreude auf den ersten Muskelkater: Im Medifit wird wieder trainiert

„Wir sind nicht nur froh, dass wir wieder öffnen können, sondern auch stolz, dass wir überhaupt noch da sind“, bringt es Medifit-Geschäftsführer Nico Wolff am Tag der Wiedereröffnung auf den Punkt. Bereits im Herbst hatte er im Interview mit dem GrenzEcho auf die Sorge, zwischen den ebenso hart gebeutelten Horeca- und Kultursektoren vergessen zu werden, aufmerksam gemacht. Und aus eben dieser Befürchtung ist Realität geworden. „Es war eigentlich eine Katastrophe. Hätte ich nicht mehrere berufliche Standbeine, wäre ich als Familienvater wohl verzweifelt.“ Ebenso wichtig sei das Netzwerk und die Unterstützung der Partner MyFitness und Eiche VoG gewesen.

Über Monate beherrschte die Ungewissheit den Alltag des Fitnesssektors. „Zwischenzeitlich stand mal der 1. Mai als mögliches Öffnungsdatum im Raum. Das wurde eine Woche vorher aber ad acta gelegt. Wir mussten uns also weiter gedulden, ohne zu wissen, wo die Reise hingeht.“ Insbesondere für das Personal sei die Perspektivlosigkeit ein Problem gewesen. Aus diesem Grund haben sich auch manche beruflich umorientiert bzw. ihren Studentenjob an den Nagel gehängt.

<p>In der Nacht zum Mittwoch sind die Lampen im Medifit angeblieben, um zu zeigen: „Wir sind wieder da!“.</p>
In der Nacht zum Mittwoch sind die Lampen im Medifit angeblieben, um zu zeigen: „Wir sind wieder da!“. | Fotos: privat

Als dann der 9. Juni stand, waren die Betreiber bis zuletzt in der Erwartung der präzisen Richtlinien. Schließlich wurde am 4. Juni das entsprechende Dekret veröffentlicht und die Interpretation erreichte Nico Wolff laut eigener Aussage erst am Dienstagabend. Eine Organisation „à la belge“, wie der Geschäftsführer zu sagen pflegt. Den erforderlichen CO2-Messer hat er jetzt bestellen können. „Wir müssen bei der Messung unter 900 ppm (Teile pro Million) liegen. Wenn der Wert überschritten wird, müssen wir Maßnahmen einleiten. In unserem Falle würden wir die Dachluken und Fenster öffnen und unsere Lüftungsanlage, die zu den leistungsstärksten der Provinz gehört, hochfahren. Wir gehen aber aufgrund unserer Ausstattung nicht davon aus, dass wir in die Nähe des Grenzwertes kommen werden.“

Die AHA-Regeln haben weiterhin Bestand. In einem Video auf der Internetseite sind diese auch nochmals präzisiert. Auch darf derzeit nur eine Person pro zehn Quadratmeter trainieren. In einer App wird die aktuelle Auslastung angezeigt, sodass kein Mitglied den Weg zum Fitness- und Gesundheitszentrum umsonst zurücklegen muss. Die Gruppenkurse starten mit jeweils zehn Teilnehmern am kommenden Montag. Ab dem 1. Juli hoffen die Betreiber auf eine Umsetzung der geplanten weiteren Lockerungen, „damit wieder mehr Normalität einkehrt“.

<p>Den inneren Schweinehund wieder überwinden: Nico Wolff, Ramona Cornely und Martin Birnbaum (v.l.n.r.) sind motiviert.</p>
Den inneren Schweinehund wieder überwinden: Nico Wolff, Ramona Cornely und Martin Birnbaum (v.l.n.r.) sind motiviert.

Wenngleich noch weiterhin Einschränkungen bestehen, sind die Mitglieder einfach froh, sich wieder an den Geräten sportlich betätigen zu können. Es hätten am Mittwoch sogar Kunden Blumen mitgebracht, freut sich Nico Wolff über den Zusammenhalt der „Medifit-Familie“. „Statt eines Workouts war es am Mittwochmorgen mehr ein großes Wiedersehensfest“, hat sich Martin Birnbaum (MyFitness), der das Alltagsgeschäft im Medifit leitet, ebenso sehr auf die Rückkehr ins Fitnessstudio gefreut. „Viele sagten, dass sie sich schon auf den ersten Muskelkater freuen. Manche mussten auch mit weniger Gewichten an den Geräten starten, weil sie etwas aus der Übung sind. Aber das wird wieder. Ich blicke optimistisch in die Zukunft, auch weil wir mit Ramona Cornely eine neue, motivierte Mitarbeiterin gewinnen konnten“.

Letztere hatte am Mittwoch ihren ersten Arbeitstag im Medifit, konnte aber die letzten Wochen und Monate nutzen, um die Ausstattung kennenzulernen. „Meine Aufgaben sind sehr vielfältig. Ich bin gespannt und freue mich, beim Restart dabei sein zu dürfen.“

Das Medifit muss einen Kundenstamm wieder aufbauen.

Ebenso wie ihre Kollegen wird sie an der Rückgewinnung der Abonnenten arbeiten müssen. „Wir haben rund 40 Prozent unseres Stamms verloren“, erklärt Nico Wolff. „Viele Verträge sind während der Schließung ausgelaufen. Immerhin hatten wir seit Ausbruch der Pandemie nur an 108 Tagen – teils unter Auflagen – geöffnet. Manche Kunden haben als Zeichen der Solidarität ihre Verträge verlängert und trotz Schließung weitergezahlt. Dafür sind wir ihnen sehr dankbar. Die gezahlten Beträge bekommen die Betroffenen jetzt gut geschrieben. Sie kommen jetzt also gratis trainieren. Das stellt uns noch vor harte Monate, doch wollen wir sie hinter uns bringen, um baldmöglichst in ruhigere Fahrwasser zurückzukehren.“

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