St.Vith setzt im neuen Jahr wieder auf drei Schulleiter

<p>Schulschöffin Anne-Marie Hermann (links) ist froh, in Kathleen Schaus eine neue Schulleiterin gefunden zu haben.</p>
Schulschöffin Anne-Marie Hermann (links) ist froh, in Kathleen Schaus eine neue Schulleiterin gefunden zu haben. | Foto: Allan Bastin

Die Gemeinde St.Vith hatte sich wegen des Kandidatenmangels vor einigen Jahren so organisiert, dass sie mit nur zwei Schulleitern funktionieren konnte. Es wurden Koordinatoren in den einzelnen Schulen bezeichnet, um Sprachrohre zwischen der Lehrerschaft und der Leitung zu schaffen, und es kam die Aufgabe der Chefsekretärin hinzu. Das hat auch so weit funktioniert, doch hielt sich die Attraktivität des Postens an der Spitze der schulischen Einrichtungen aufgrund der wachsenden Zuständigkeiten in Grenzen.

Ursprünglich sollte Walter Büx in diesem Jahr den Ruhestand antreten und er hatte auch den diesbezüglichen Antrag gestellt. Wie Schulschöffin Anne-Marie Hönders-Hermann (NBA) erklärt, habe die Gemeinde die Stelle zu Jahresbeginn ausgeschrieben und es war in Person von Kathleen Schaus auch die passende Nachfolgerin gefunden worden.

Walter Büx zog seinen Pensionsantrag nach Ostern zurück.

Nach den Osterferien zog Walter Büx seinen Pensionsantrag aber zurück und verlängerte seine Laufbahn um zwei Jahre. „In der Schulleiterversammlung haben wir dann Überlegungen angestellt, wie wir uns diese Situation zu Nutze machen können. Dabei kam die Idee der drei – statt nur zwei – Schulfusionen wieder auf den Tisch“, erklärt die Emmelser Schöffin den Hintergrund. „Dadurch, dass wir die Pakete verkleinern, dürfte die Aufgabe in Zukunft weniger abschreckend wirken und die Schulleiter können näher an den einzelnen Standorten sein. In einer geschlossenen Sitzung des Stadtrates im April haben wir länger über das Thema gesprochen und es waren eigentlich alle der Meinung, dass es eine gute Sache wäre. Wenngleich auch Bedenken geäußert wurden, weil man in einigen Jahren nicht wieder in eine Notlage mit nur zwei Schulleitern kommen will.“

Die Schulfusionen wurden wie folgt festgelegt: Crombach, Hinderhausen, Neidingen und Lommersweiler für Kathleen Schaus; Recht, Emmels und Rodt für Walter Büx; St.Vith, Schönberg und Wallerode für Dieter Keller.

<p>Kathleen Schaus aus Recht erweitert ab dem neuen Schuljahr im September den Kreis der Schulleiter in der Gemeinde St.Vith. Sie bekommt die Schulstandorte Crombach, Hinderhausen, Lommersweiler und Neidingen zugeteilt.</p>
Kathleen Schaus aus Recht erweitert ab dem neuen Schuljahr im September den Kreis der Schulleiter in der Gemeinde St.Vith. Sie bekommt die Schulstandorte Crombach, Hinderhausen, Lommersweiler und Neidingen zugeteilt. | Foto: privat

Es war dem Schulträger ein Anliegen, dass Letzterer die Leitung der Städtischen Grundschule behält, erklärt Anne-Marie Hermann: „Der Standort benötigt eine besondere Aufmerksamkeit, weil dort einerseits mehrere Institutionen unter einem Dach funktionieren. Und andererseits weil viele Kinder aus Familien mit unterschiedlicher Herkunft und sozialen Unterschieden einen erfahrenen Schulleiter benötigen. Dieter Keller hat es geschafft, Ruhe in die Schule zu bringen. Es harmoniert mittlerweile sehr gut.“

Kathleen Schaus hat im Oktober mit der Schulleiterausbildung begonnen. „Ich hatte mir gedacht, dass ich es immer mal probieren kann.“ Fähigkeiten wie Management, Teambuilding und schulische Konzepte wurden den Teilnehmern vermittelt. Im nächsten Jahr finden weitere Module zu anderen Themen statt. Abgeschlossen ist die Ausbildung nach zwei Jahren. „Als ich zur Ausbildung zugelassen wurde, war für mich klar, dass ich mich früher oder später bewerben würde.“

Kathleen Schaus war bisher als Sportlehrerin tätig.

„Wir haben uns intensiv bemüht und einige Gespräche geführt. Dazu gehörte auch Kathleen Schaus, weil wir sie kannten und von ihrer Schulleiterausbildung wussten“, so Anne-Marie Hermann. Letztlich sollte sie die einzige schriftliche Bewerbung sein. Nach einem Gespräch mit dem Bürgermeister Herbert Grommes (NBA) und Generaldirektorin Helga Oly war schließlich klar, dass man ihr die Aufgabe zutrauen würde.

Studiert hat sie Sport an der Hochschule Beeckmann in Lüttich. Nach mehreren Jahren als Ersatzlehrerin in Primarschulen und Religions- bzw. Ethiklehrerin durfte Kathleen Schaus seit zwei Jahren volltags als Sportlehrerin arbeiten. Dabei hat sie als Fachlehrerin bereits viele der St.Vither Gemeindeschulen kennengelernt.

Als 29-Jährige ist sie etwa halb so alt wie ihre beiden männlichen Kollegen. Sorgen bereitet ihr das keine, im Gegenteil. Sie ist froh, auf die Unterstützung der erfahrenen Schulleiter zählen zu dürfen: „Ich habe aufgrund meiner fehlenden Erfahrung als Führungskraft Respekt vor der Aufgabe. Doch beruhigt es mich, sie an meiner Seite zu wissen, weil sie mich begleiten und mir helfen.“

Wöchentlich finden Schulleiterversammlungen mit der zuständigen Schöffin statt. Diese Zusammenkünfte dienen dem Austausch: „Dabei können die Schulleiter ihre Probleme mitteilen. Es wird geschaut, wo Synergien möglich sind. Gerade in Coronazeiten waren diese Versammlungen sehr wichtig, weil wir einheitlich agieren wollten und der Belastungsdruck sehr hoch war.“

In den letzten Wochen hat Kathleen Schaus sehr oft an den Treffen teilgenommen: „Ich habe einige Freistunden, die ich optimal zur Vorbereitung nutzen möchte. Auch führe ich bereits Gespräche mit den Lehrern. Mein Ziel ist es, gut im Team zusammenzuarbeiten und die Kinder dort abzuholen, wo sie stehen. Ich möchte die laufenden Projekte weiterführen und zur Schulentwicklung beitragen.“

Der Lehrermangel bleibt ein Problem.

Derzeit beschäftigt die Planung des kommenden Schuljahrs die Leiter und die Schulschöffin. Das leidige Problem des Lehrermangels bleibt bestehen. „Sie fehlen an allen Ecken und Kanten. Es gab viele Schulabgänger, die wir angesprochen haben. Wenn du nicht schnell genug bist, sind sie bereits anderswo eingespannt. Das ist nicht immer einfach, aber wir sind fast durch mit unserer Planung. Bis zum Schulstart bleibt die Sorge, dass jemand abspringt, aber immer bestehen“, kann Anne-Marie Hermann zumindest von stabilen Schülerzahlen berichten: „Kein Standort ist gefährdet. In St.Vith gehen die Zahlen nicht mehr zurück und in Schönberg kommen sehr viele Kindergartenkinder hinzu, um nur zwei Beispiele zu nennen.“

Abschließend besteht die Hoffnung auf einen normalen ersten Schultag, der nicht zu sehr von Corona-Schutzmaßnahmen bestimmt wird, sagt die Schulschöffin. „Ein aufregendes Schuljahr geht zu Ende. Ich kann dem ganzen Schulpersonal nur danken. Sie haben Höchstleistungen gebracht während der Coronakrise, die das ganze System belastet hat. Jetzt hoffen wir, dass bald wieder der Alltag einkehrt.“

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