Häusliche Gewalt bezieht sich nicht nur auf physische Aggressionen. Es können auch Gewalten anderer Arten, wie psychische, ökonomische, sexuelle Übergriffe und vieles mehr darunter fallen. Das Umfeld des Opfers und des Aggressors wird dabei ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.
Das Koordinationszentrum für häusliche Gewalt stellte 2011 fest, dass es in der Gegend überhaupt keine Auffangstation für Opfer derartiger Übergriffe gibt. Man musste die Opfer immer in Einrichtungen unterbringen, die relativ weit von ihrem sozialen Umfeld entfernt waren. Somit fiel die Entscheidung leicht, eine derartige Struktur in der Gegend von Malmedy einzurichten.
Nachdem der Prinzipbeschluss gefasst war, stellte sich die Frage der Finanzierung und die Verantwortlichen der hiesigen Einrichtung traten an den Lions Club Malmedy-Hohes Venn heran, um Sponsorengelder von dieser Vereinigung zu erhalten. Der Verwaltungsrat entschied das Projekt nicht nur zu unterstützen, sondern auch zu begleiten. Denn das Sponsoring sollte nicht nur mit einer einzigen Geldspende abgewickelt werden. Die Unterstützung war lebenswichtig, um das Projekt zu stärken, denn es dauert immer einige Jahre, bis eine derartige Einrichtung anerkannt wird und in den Genuss von öffentlichen Fördermitteln kommt. Zudem stellte die Hilfe des Lions Club auch eine gewisse Symbolik dar, sind in dieser Vereinigung doch nur Herren vertreten. Und beim Projekt geht es um weibliche Opfer von häuslicher Gewalt.
Im April 2013 wurde die VoG schließlich ins Leben gerufen und sie bezog ihre ersten Räumlichkeiten (Verwaltung) in den ehemaligen Stockobel-Liegenschaften. Sogleich wurde sich auf die Suche nach einem geeigneten Haus gemacht. Dieses wurde auch relativ schnell gefunden, musste aber renoviert werden. Dabei halfen sehr viele Hände mit, damit das Haus im Februar 2015 seine Pforten öffnen konnte und die ersten Personen, Opfer von häuslicher Gewalt, aufnehmen konnte.
Das Haus liegt auf dem Gebiet der Stadt Malmedy und kann bis zu 21 Personen aufnehmen. Die Verwaltung der VoG arbeitet eng mit den Diensten der Stadtverwaltung Malmedy und der Polizeizone zusammen. Aus Diskretionsgründen wird die Adresse der Auffangstation nicht mitgeteilt.
Trotz der Pandemie konnten im letzten Jahr 20 Frauen und 39 Kinder aufgenommen werden. Im Schnitt betrug die Aufenthaltsdauer 166 Tage für die Frauen und 144 Tage für die Kinder. Das machte somit 5.241 Übernachtungen aus.
Das Team der VoG besteht aus Sozialassistentinnen, Erzieher und Kinderbetreuerinnen. Dank der intensiven Arbeit gelang es, 50 Prozent der Bewohnerinnen in eine autonome Wohnung unterzubringen.
Auf der Wunschliste des Betreuerteams stand ein Fahrzeug an oberster Stelle, denn bisher griff das Team auf die Privatfahrzeuge zurück. Somit fielen Kilometer- und Reparaturkosten bei Beschädigungen an. Außerdem waren immer mehrere Fahrzeuge bei einem Ausflug im Einsatz. Nun konnte dieser Wunsch dank Spendengelder verwirklicht werden. Die VoG entschied für einen Toyota Proace City.
Im ersten Jahr wird das Fahrzeug der VoG keinen Cent kosten, denn Steuer, Versicherung und Kraftstoffkosten sind durch Spenden abgedeckt. Die nötigen Gelder kommen von der United Fund of Belgium (UFB), die Gelder bei Betrieben sammelt und diese dann bedürftigen Einrichtungen spendet. Deren Vertreter Jean-Marie Bruyère teilte dem GrenzEcho mit, dass UFB bereits die Einrichtung „Couleur Café“ in Malmedy und den Jugendtreff Inside in Eynatten unterstützt hat. UFB spendete für dieses Projekt 8.500 Euro.
Dr. Frederic Moor war seit 1996 ein Mitglied des Lions Club und die VoG lag im besonders am Herzen. Er verstarb am 1. Juni 2020 im Alter von 57 Jahren und hinterließ der VoG eine Spende von 5.200 Euro. Der Lions Club Malmedy Hohes Venn zählt aktuell 46 Mitglieder, die aus dem Gebiet St.Vith, Büllingen, Bütgenbach, Weismes, Malmedy, Stavelot und Trois-Ponts stammen. Der Lions Club stiftete den Erlös aus dem Verkauf des Adventskalenders 2020 in Höhe von 12.000 Euro.
Die Garage Nachsem wirkte eher im Hintergrund mit. Frank Nachsem handelte einen großzügigen Rabatt bei Toyota aus und wird auch im Verlauf der Gebrauchszeit des Fahrzeuges bei den Wartungen noch Gesten beisteuern. (glo)

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