„Für mich war und ist es eine Herzensangelegenheit, den Menschen vor Ort im Senegal zu helfen. Das bedarf keiner Almosen, sondern vielmehr dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe“, so Joseph Backes, dem bei einem Besuch im Senegal mit seinem Schwager Vincent Messerich deutlich wurde, dass viele Familien aufgrund der ärmlichen Verhältnisse und des ständigen Lebens- und Überlebenskampfes ihre Kinder nicht zur Schule schicken können. „Ohne Bildung gibt es keinen Fortschritt, das ist eine Tatsache, die auch für unsere Gegend geschichtlich belegt ist. Daher ist es mein Ziel gewesen, die Schulbildung dieser Kinder zu garantieren, um ihnen dadurch zu ermöglichen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Das ist für mich nachhaltige Entwicklungshilfe“, erklärt der ehemalige Bankangestellte. Die Gäste aus Ostbelgien sahen vor nunmehr zehn Jahren Kinder, die von klein an mit im Haushalt anpacken mussten, damit die Familie überhaupt überleben konnte. Nur ein Bruchteil konnte lesen oder schreiben, ein absoluter Teufelskreis, waren die Kinder doch nicht in der Lage, durch das Erlernen eines einträglichen Berufes jemals ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Die 2012 ins Leben gerufenen Schulpatenschaften ermöglichen seither auch Kindern aus ärmsten Familien zur Schule zu gehen und einen ordentlichen Beruf zu erlernen, mit dem sie als Erwachsene schließlich den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie bestreiten können. Bei ihren Aktionen kann sich die ostbelgische Familie voll und ganz auf das Bistum Baback und die zuständigen Direktoren verlassen. „Alles, was wir bislang realisiert haben, ist völlig transparent und jeder einzelne Cent fließt direkt in die Projekte“, freut sich Joseph Backes. „Die Krankenstation ist zum Vorzeige-Projekt geworden, das auf eigenen Füßen steht und von uns nicht mehr finanziell unterstützt werden muss. Das war auch das Ziel, denn die Menschen im Senegal sollen nicht auf Almosen hoffen, sondern müssen im Gegenteil ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen“.
Bis vor einem Jahr organisierte Joseph Backes diese Schulpatenschaft-Aktion noch in Eigenregie. Der große Erfolg mit derzeit über 250 Paten und auch die eigene angeschlagene Gesundheit ließ Joseph Backes und somit auch das gesamte Projekt an die Grenzen stoßen.
Einem Aufruf um Hilfe folgten mit José Reitz, Raymond Kleis, Vincent Messerich, Alfred Mertgens, Batty Hack und Gerd Hennen sechs Dorfbewohner aus Oudler, die eine eigene VoG „Schulpatenschaften Thiès-Senegal“ ins Leben riefen und das Projekt administrativ und organisatorisch breiter aufstellten. „Ich bin überglücklich, dass ich dynamische Mitstreiter gefunden habe, die mein begonnenes Projekt fortführen möchten“, so Joseph Backes, der der VoG weiterhin als Präsident vorsteht.
Viel Arbeit bereitete Joseph Backes in der Vergangenheit die Verwaltung der eingegangenen Spenden sowie die Benachrichtigung der Paten. „Ja, ich stamme aus einer anderen Generation und erledige die gesamte administrative Arbeit noch mit Papier und Stift. Hier haben wir sofort angesetzt um Entlastung und etwas Routine in die Arbeit zu bringen.“ So wurden unter anderem detaillierte Patenlisten mit Adressen und auch den zugeordneten Kindern angelegt. Auch legte sich die siebenköpfige, ordnungsgemäß beim Handelsregister eingetragene VoG eigene Statuten an. Besonders stolz ist die Hilfsorganisation jedoch über den Umstand, dass die König-Baudouin-Stiftung mit der Schaffung des Projektkontos „Fonds der Freunde von Schulpatenschaften Thies-Senegal“ die angestrebten Ziele tatkräftig unterstützt. Die KBS übernimmt die Finanzadministration, indem alle Spenden und Patenschaften direkt auf das Projektkonto eingezahlt werden.
Die neue VoG darf auf die Unterstützung der König-Baudouin-Stiftung zählen.
Die VoG kann die jeweils benötigten Beträge nach Belegung der Kosten und Nutznießer direkt von diesem Konto abbuchen. „Somit ermöglichen wir für all unsere Spender ein Höchstmaß an Transparenz und wir können versichern, dass jeder Cent direkt für die Patenschaften genutzt wird“, so Joseph Backes. Darüber hinaus erhält jeder Spender von der König-Baudouin-Stiftung eine offizielle, steuerlich absetzbare Spendenquittung. 45% der gespendeten Summe erhält der Spender somit über die Einkommenssteuer rückerstattet.
In ihrem Info-Flyer, der im Zuge der Neustrukturierung an alle Paten verteilt wird, rühren die Verantwortlichen geschickt die Werbetrommel: „Eine Schulpatenschaft kostet 100 Euro - die steuerliche Rückerstattung beträgt 45 Euro, sodass die effektiven Kosten für eine jährliche Patenschaft 55 Euro betragen. Die Ausbildung eines Kindes im Senegal ist hingegen ,unbezahlbar’; weshalb also nicht gleich zwei Kindern eine glückliche und positive Lebensperspektive ermöglichen?“
Diese „aktive Entwicklungshilfe“ sei für jeden Westeuropäer mehr als erschwinglich, schlage doch eine Schulpatenschaft im Senegal gerade mal mit 25 Cent pro Tag zu Buche. Dieser Betrag beinhaltet neben dem Schulgeld auch ein tägliches Mittagessen in der Schulkantine, sodass die Familien, denen im Durchschnitt zwei Euro für das tägliche Leben zur Verfügung stehen, weiter entlastet werden. „Gut ausgebildete Landwirte können beispielsweise ihre Ernte in Form von Hirse und Erdnüssen selbst verkaufen und sich somit eine eigene, feste Lebensbasis aufbauen“, so die Philosophie der VoG.
Paten werden regelmäßig schriftlich von den Direktoren der Bistumsschulen über die schulischen Erfolge ihrer Schützlinge informiert. „Hier versuchen wir auch die digitalen Hilfsmittel ins Spiel zu bringen, damit dieser Kontakt schneller und gezielter ablaufen kann. Die angeschlossenen Schulen haben allesamt E-Mail-Adressen und die Direktoren stehen mit uns in ständigem Kontakt, sodass das zeitaufwändige Briefe schreiben der Vergangenheit angehört. Daher ist es auch wichtig, die Datenbank der ostbelgischen Paten um eine entsprechende E-Mail-Adresse zu erweitern.“
Die VoG hat sich zum Ziel gesetzt, die Not in der Region Baback im Senegal weiter zu lindern und „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu kreieren. „Hierfür benötigen wir aber die Hilfe unserer treuen Spender. Auch ist es toll und wünschenswert, wenn noch weitere Menschen dieses Projekt unterstützten, denn die Liste der hilfsbedürftigen Kinder, die auf eine schulische Bildung hoffen, ist nach wie vor lang. Die Erfahrungsberichte der bislang 250 jährlich unterstützten Kinder schenken uns jedenfalls die Kraft mit vollem Elan hier bei uns für das Projekt zu werben“, so Joseph Backes abschließend. (gh)
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