Das KUZ Burg-Reuland wurde wie alle Akteure des Event- und Horeca-Gewerbes mit dem Lockdown im März vergangenen Jahres kalt erwischt.
„Von einem Tag auf den anderen war alles anders. Wir durften keine Gruppen mehr empfangen und waren zur Untätigkeit verdammt“, erinnert sich Eric Dries. Gruppen - vor allem Schulen auf Klassenfahrt - machen den Großteil der Gäste des Zentrums aus. In dieser Zeit war Umdenken gefordert, sodass sich das Team um Eric Dries mehr und mehr auf den Einzelgast unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen konzentrierte. „Hier kam uns unsere idyllische Lage sehr gelegen, sodass wir viele Stoneman-Radler, aber auch Nutzer des Vennbahnradwegs oder des GR-Wanderwegenetzes begrüßen durften“, resümiert Eric Dries. Das Arbeiten mit kleinen Gästegruppen sei eine Herausforderung für das gesamte Team gewesen.
Die Zahl der Übernachtungen ging auf 1.300 zurück.
Die Übernachtungszahlen gingen von 7.850 im Jahr 2019 auf nunmehr 1.300 zurück. Neben den Einzelgästen kümmerte sich das Team weiterhin um die 120 Schüler der Paul-Gerardy-Gemeindeschule. „Das war für uns sehr wichtig und vermittelte uns ein Gefühl von Normalität“, blickt Eric Dries zurück. Kurzarbeit und verkürzte Arbeitszeiten wurden zum festen Bestandteil der Planungen. Schließlich habe man aus der Not eine Tugend gemacht und sich den Anforderungen der Einzelgast-Betreuung gestellt. „Es ist eine andere Klientel, eine andere Organisation und unter dem Strich eine völlig andere Arbeit. Wenn ich aber die zahlreichen positiven Feedbacks sehe, denke ich, dass wir das gemeinsam exzellent hinbekommen haben“, erklärt der Zentrumsleiter. Diese Erfahrungen werden in die Zukunftsstrategie einfließen, sodass der Empfang von Einzelgästen weiter ausgebaut werden könnte.
Werner Baumgarten zeigte sich über die Dynamik der Mitarbeiter erfreut. Man habe im KUZ nicht nur eine „wirtschaftliche Schadensbegrenzung“ erreicht, sondern auch ein Zeichen gesetzt, dass man für die Zeit nach der Pandemie gewappnet sei. Der Direktor der DG-Zentren hofft auf einen positiven Corona-Effekt, der mittel- und langfristig den sanften Tourismus in Ostbelgien stärken könne. „Viele Menschen haben die Schönheiten im eigenen Land kennen und schätzen gelernt. Dieses Umdenken kann für den Standort Ostbelgien durchaus einen positiven Effekt haben“, so der DGG-Direktor. Hierzu zitierte Eric Dries einen Gast aus Flandern: „Ich war vor 20 Jahren als Pfadfinder in Burg-Reuland. Da Urlaubsalternativen fehlten, bin ich nun zurückgekehrt und habe ein Naturparadies wiederentdeckt.“
Bei den Buchungen nach dem Lockdown stellt Eric Dries eine gewisse Unsicherheit bei den Akteuren fest. Einige Schulen und Partner rufen an und annullieren, während andere sofort buchen möchten. Dies habe auch viel mit den Entscheidungsträgern zu tun, denn während Schulleiter lieber vorsichtig agieren, sind Eltern oder auch Schülergruppen weniger skeptisch und ängstlich. Neben dem Abarbeiten der To do-Liste haben die Verantwortlichen die Zeit genutzt, miteinander zu reden und zu planen. „In der steten Hektik ist dieser wichtige Erfahrungsaustausch immer wieder zu kurz gekommen. Auch das Organisieren von Video-Konferenzen war eine Innovation, die sicherlich weiter ausgebaut werden soll.“
Ab dem 14. Juni kann das KUZ wieder Gruppen empfangen. „Wir haben Ende Juni bereits zwei Wochen mit flämischen Schulklassen belegt. Unsere Größe bringt uns für die anderen DG-Zentren in eine Art ‘Pilotstellung’. Wir werden hier im Kleinen Erfahrungswerte sammeln, die wir dann während des Sommers und im Herbst an unsere Kollegen weitergeben können. Vorrangig ist das Ziel, den Kunden das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln, denn wir müssen in Zukunft lernen, mit der Pandemie zu leben und umzugehen“, stellt Eric Dries klar. Man werde allerdings nicht so schnell zur sogenannten Normalität vor Corona zurückkehren, stellt Werner Baumgarten klar: „Die Gedanken werden sich noch eine lange Zeit um Covid19 drehen und somit auch die Entscheidungen und das alltägliche Leben der Menschen beeinflussen. Impferfolge, sinkende Inzidenzwerte und andere Aspekte sind zwar ein Hoffnungsschimmer, bieten aber keine hundertprozentige Sicherheit.“
Was den wirtschaftlichen Aspekt anbelangt, so sind die Zentren an ihre Belastungsgrenzen gestoßen. „Wir müssen mit dem leben, was wir verdienen. Es fließen keinerlei Funktionsgelder. Daher ist das Tagesgeschäft für uns so wichtig. Insofern war die Aussage unseres Aufsichtsministers Olivier Paasch, keinen einzigen Standort infrage zu stellen, für uns eine Beruhigung. Neben der Planungssicherheit gab diese Zusage vor allem unserem Personal Optimismus und Hoffnung“, bemerkte Werner Baumgarten. Während des gesamten Lockdown sei kein einziges Zentrum komplett geschlossen worden und untereinander immer wieder nach Synergien gesucht worden. So war beispielsweise das Raumpflegepersonal aus Burg-Reuland zeitweise auf dem Camping in Worriken im Einsatz. „Die Mitarbeiter haben den Ernst der besonderen Lage erkannt und ein Höchstmaß an Flexibilität und Dynamik an den Tag gelegt. Das hat das Team noch enger zusammengeschweißt“, bestätigt Eric Dries.
Ziel ist, die Kunden nach der langen Zeit erneut zu erreichen.
Während das festangestellte Personal gehalten werden konnte, sah es für die zahlreichen Freelancer düster aus. „Ja, diese Berufsgruppe ist der wahre Verlierer der Pandemie, da sie kein Recht auf Kurzarbeit hat und somit plötzlich erwerbslos wurde. Für viele dieser treuen Mitarbeiter wie Kursleiter, Animatoren, Künstler, Freischaffende oder Helfer war die finanzielle Durststrecke zu lang, sodass sie sich mitunter beruflich neu orientierten. Das ist für uns als Planer sehr bitter, denn die „Verlässlichkeit“ und die Qualität dieser Partner wird uns fehlen“. Was die nahe Zukunft anbelangt, so möchte das KUZ Burg-Reuland sich nicht neu erfinden und hält an den bewährten Standbeinen Natur, Geschichte, Musik, Kunst, Bauernhofpädagogik, Bienenzucht und Sport fest.
„Unser vorrangiges Ziel ist es, unsere Kunden nach dieser langen Zeit erneut zu erreichen und für uns zu gewinnen. Die Politik gibt uns die notwendige Zeit, um alles wieder zu starten, sodass ich hoffe, dass wir 2022 ein normales Jahr erleben können“, so Werner Baumgarten. Für alle Zentren stehe darüber hinaus die Digitalisierung an oberster Stelle der Prioritätenliste. Hier geht es neben der besseren Eigendarstellung und Vermarktung (Werbung, Webseiten, Social Media) um akzeptable Internetverbindungen für die Gäste und um bessere Konnektivität mit den Kunden. „In diesem Bereich haben wir einen enormen Nachholbedarf ausgemacht, für den wir mittelfristig konkrete und effiziente Lösungen finden müssen“, so Werner Baumgarten abschließend.



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