Ein nachhaltiger Tourismus im Venn

<p>Das Projekt einer Hängeseilbrücke über dem Warchetal nach dem Vorbild der Geierlay in Rheinland-Pfalz wurde endgültig zu den Akten gelegt.</p>
Das Projekt einer Hängeseilbrücke über dem Warchetal nach dem Vorbild der Geierlay in Rheinland-Pfalz wurde endgültig zu den Akten gelegt. | Foto: dpa

Ende 2019 hatte ihr Fraktions- und Schöffenkollege Simon Dethier mit seiner Idee, ein Erfolgskonzept aus Deutschland, genauer gesagt das der Hängeseilbrücke Geierlay (Rheinland-Pfalz), ins Warchetal zu importieren, für Aufsehen gesorgt. Sie löste auf der einen Seite Begeisterung, auf der anderen Seite aber auch große Skepsis beziehungsweise Befürchtungen aus, dass der dafür auserkorene Standort nicht für den erwartet großen Besucherandrang einer solchen touristischen Attraktion geeignet sei. Letztlich setzte sich die Seite der Zweifler durch.

Zuschuss von „Liège Europe Métropole“ wird umgepolt.

Dabei war seitens des Verbundes „Liège Europe Métropole“ bereits ein Zuschuss in Höhe von 200.000 Euro zur Finanzierung einer Machbarkeitsstudie für die Hängeseilbrücke bewilligt worden. Dieses Geld soll nun anders verwendet werden, genauer gesagt für eine Studie zum nachhaltigen Tourismus im Hohen Venn, so Jean-Paul Bastin. Dieses Thema ist spätestens im vergangenen Winter in den Fokus gerückt, als das Venn an manchen Wochenenden während des Corona-Lockdowns regelrecht von Touristen überlaufen wurde und deshalb an einigen Tagen sogar für jeglichen Besuch gesperrt wurde. Im Anschluss wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Gemeinden Malmedy, Weismes, Jalhay, Baelen und Bütgenbach, der Forstverwaltung, der Polizei und des Naturparks ins Leben gerufen, um Konzepte für eine bessere Besucherlenkung im Hohen Venn zu entwickeln. Praktisch zeitgleich brachte die wallonische Regionalministerin Céline Tellier (Ecolo) außerdem die Gründung eines Nationalparks Hohes Venn ins Spiel.

Die nun zu vergebende Studie soll die Mobilität im Hohen Venn untersuchen und gleichzeitig Strategien entwickeln, wie dort ein nachhaltiger und sanfter Tourismus etabliert werden kann. Als roter Faden soll dabei der Wunsch der Gemeinden dienen, dass das Venn kein Hotspot für den Massentourismus wird. Die Ergebnisse der Untersuchung könnten in die Anerkennung des Hohen Venns als Nationalpark einfließen, so André Hubert Denis.

Und sollte aus diesem Vorhaben nichts werden, könnte sie auch davon unabhängige Maßnahmen nach sich ziehen. Über den Zeitablauf bzw. die Dauer der Studie soll noch in dieser Woche entschieden werden.

„Der Gedanke eines Nationalparks bleibt relevant, auch wenn er kein Selbstzweck ist“, sagt Jean-Paul Bastin. „Alle fordern eine bessere Steuerung der Touristenströme und des Verkehrs, damit die Fauna und Flora nicht erstickt werden. Aber hinter dem Begriff Nationalpark steckt auch viel Phantasie. Manche Leute stellten sich etwas wie in den USA vor, mit Zäunen, Straßenschranken und Rangern, die einen zur Kasse bitten. Aber hier, in der deutschen Eifel und im Kempenland ist das ganz und gar nicht so.“ (red/arco)

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