Der Kommunalpolitiker stellt eine „besorgniserregende Zunahme“ der Aggressivität einiger gegenüber diesem Thema fest. Jean-Paul Bastin hat sich bereits in der jüngeren Vergangenheit kompromisslos gezeigt, wenn es um rechte Tendenzen geht. Als Beispiel sei nur die Debatte um aufgestellte Fahnen der flämischen Bewegung auf dem Gebiet der Gemeinde Malmedy gezeigt. Wie die Zeitung „La Meuse“ jetzt berichtete, sei er nun auf Facebook als „Nazi“ bezeichnet worden. Dabei ging es aber nicht um die Diskussion über politische Gesinnungen, sondern um die laufende Impfkampagne gegen das Coronavirus.
Hintergrund war ein Eintrag von Jean-Paul Bastin auf Facebook, in dem es um die Geschindigkeit der Kampagne ging. Demnach gehört Malmedy zu den Kommunen, in denen die Impfungen im dortigen Impfzentrum am schnellsten vorankommt. Es handele sich um Propaganda eines „Nazi-Bürgermeisters“, schrieb ein User dazu. Jean-Paul Bastin ließ diesen Kommentar löschen - es war das erste Mal, dass er einen Eintrag löschen ließ. Es handele sich bei der Person um jemanden, „den ich nie kennengelernt habe. Zumindest glaube ich das nicht“, wird Bastin der Zeitung „La Meuse“ zitiert. In seinen Augen sei eine rote Linie eindeutig überschritten, jedoch seien die Möglichkeiten begrenzt, dagegen vorgehen zu können: „Ich habe mich umgehört. Offenbar gibt es rechtlich keine Möglichkeit, etwas zu tun. Es ist keine Beleidigung wie jede andere, sicherlich nicht, aber es wird nicht weiter bestraft“, meinte der Bürgermeister.
Abgesehen von dem aktuellen Fall zeigt sich der CDH-Politiker besorgt über die Gesamtsituation. So stelle er immer häufiger (körperliche) Gewalt gegen Verwaltungspersonal fest. Außerdem werde die Impfkampagne in einen Zusammenhang mit einem Völkermord gerückt. In diesen Fällen nehme er die Bemerkungen zur Kenntnis, höre zu und versuche dann zu erklären, warum er an die Impfung glaube und warum sich die Gemeinde auch weiterhin aktiv daran beteiligen werde. „Das sind keine Menschen, die normalerweise Wahnvorstellungen haben - außer bei diesem Thema. Und sie glauben wirklich daran. Mir hat auch jemand einmal erklärt, es handele sich hier um ein Komplott der Pharmakonzerne. Und wenn man über Geld spricht, kommt für manche Menschen schnell das Judentum ins Spiel.“ Er habe erklärt, dass ausgerechnet Israel eines der ersten Länder gewesen sei, das geimpft habe. „Wenn sie wirklich dahinter stecken würden, würden sie sich bestimmt nicht mit einer Art Rattengift impfen“, habe er gesagt. Der betroffene Gesprächspartner habe sich darüber beunruhigt gezeigt, sei aber am selben Abend mit weiteren Argumenten, die er aus zweifelhaften Quellen bezogen habe, um seine Argumentation zu untermauern.
Jean-Paul Bastin befürchtet, dass es manche bei Aggressionen im Netz belassen könnten. Die Zeitung „La Meuse“ hat auch mit anderen Bürgermeistern aus der Region gesprochen, zum Beispiel in den Gemeinden Pepinster und Herve, wo es ebenfalls Impfzentren gibt. Dort seien die Debatten oftmals „sehr konstruktiv“, hieß es. (sc)

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