Schönberger Ferienhaus setzt auf Ökotourismus in den Ardennen

<p>Die Zusammenarbeit für eine grünere Welt inspiriert und stimuliert zugleich“, sagt Git Janssens-Dewulf von der Schönberger Ferienunterkunft Lanterfanter.</p>
Die Zusammenarbeit für eine grünere Welt inspiriert und stimuliert zugleich“, sagt Git Janssens-Dewulf von der Schönberger Ferienunterkunft Lanterfanter. | Foto: Gerd Hennen

„Die Welt verändert sich durch dein Vorbild, nicht durch deine Meinung“, so die Aussage des brasilianischen Bestsellerautors Paulo Coelho. Natur und Kultur, Tradition und Innovation, Aktion und Ruhe, Kraft und Sanftheit, Denkmalpflege und kreative Vitalität bilden hierbei eine perfekte Symbiose, die als Ingredienz für den sogenannten „sanften Tourismus“ steht. Somit war es auch kein Zufall und Touristik ökonomisch auch quasi eine Notwendigkeit, die zahlreichen lokalen und regionalen Bemühungen zu bündeln und das Ardenner Gemeinschaftsdenken anzukurbeln. „Nur so können wir eine Erlahmung der wirtschaftlichen und auch touristischen Leistung gegenüber Metropolen oder anderen ländlichen, in der Union oft besser strukturierten Gebieten vermeiden“, so die Aussage der Projektautoren aus der Wallonie, Frankreich und dem Großherzogtum Luxemburg. Diese neue Kooperation, dieses Bündeln von Kräften im Projekt AGRETA (Ardenne Grande Région, Eco–Tourisme et Attractivité) sei zudem eine gute Gelegenheit, die Ardennen als ein relevantes Gebiet mit einer reichen und spezifischen Identität und einem starken Namen zu propagieren. Wie? Indem man die nachhaltige Entwicklung hervorhebt, das Image und den Bekanntheitsgrad der Marke „Ardennen“ stärkt, die regionalen Produkte und Dienstleistungen im Einklang mit den Erwartungen und Zielgruppen bewirbt sowie gezielt neue Kunden anlockt.

AGRETA zielt also darauf ab, die Attraktivität der Ardennen in der Großregion durch Innovationsstrategie, Öko-Tourismus, Mobilisierung der Botschafter sowie ein auf Internet und soziale Netzwerke zentriertes Marketing zu steigern. Vor einigen Tagen zogen die Verantwortlichen eine durchweg positive Bilanz, konnte AGRETA mit dieser Initiative dazu beitragen, insgesamt 60 Unterkünfte in Bezug auf die Wesenheiten des Ökotourismus zu verbessern und somit die grenzüberschreitenden Ardennen als ideales Reiseziel zu positionieren. Vertreter der AGRETA-Philosophie in Ostbelgien ist das Ferienhaus Lanterfanter in Schönberg. Die Familie Janssen-Dewulf betreibt das vormalige Sporthotel und jetzige Ferienhaus bereits seit 20 Jahren, wobei es seither das Ziel war, die herrliche Naturlandschaft des Ourtals mit sportlichen Möglichkeiten zu verbinden. So wurde Lanterfanter zu einem beliebten Ziel für ambitionierte und professionelle Radsportler aus Belgien und den Niederlanden. „Für Radsportler ist unsere Gegend wahrlich ein Paradies, denn wenn man die Nationalstraßen meidet, kann man sorgenfrei und vor allem ohne Verkehrsstress trainieren, während aufgrund der anspruchsvollen Topografie der Intervall-Aspekt gewahrt bleibt“, erklärt Git Janssens-Dewulf, die Lanterfanter zusammen mit ihrem Mann betreibt. Derzeit erlebt die Familie eine schwierige Zeit, konnte man doch lediglich seit März vergangenen Jahres nur während sechs Wochen Gäste empfangen. Auch die angekündigte Öffnung sieht Git Janssens eher skeptisch: „Das Risiko ist zu groß, jetzt bereits zu öffnen. Daher legen wir unseren Fokus mehr auf das Sommergeschäft mit bereits gebuchten Sportlagern“.

Selbst einen Teil beitragen und die Gäste mitnehmen.

Was das AGRETA-Konzept anbelangt, so bedurfte es bei Familie Janssens-Dewulf kaum Überzeugungsarbeit, besitzt der Betrieb doch bereits seit zehn Jahren das Qualitätslabel „Green Key“ für Nachhaltigkeit. „Jeder muss für sich selbst das Bestmögliche tun um die Natur und das Klima zu schützen. Mit unseren Maßnahmen wollen wir einen kleinen Teil dazu beitragen und zudem auch unsere Gäste mitnehmen. Unsere beiden Hauptaktionslinien, die mit der AGRETA-Philosophie einhergehen, sind die Verbesserung des ökologischen Fußabdrucks und die teils spielerische Bewusstseinsbildung für den Umweltschutz im Allgemeinen“, erklärt Git Janssens weiter. Die Unternehmerin ist ebenfalls davon überzeugt, dass die Postcorona-Zeit deutlich mehr Umweltbewusstsein an den Tag legen wird. „Corona hat den Menschen dazu gebracht, innezuhalten und sich selbst und die Umwelt erneut in Frage zu stellen. Daher erwarte ich, dass der Mensch kreativer und bewusster wird, seine Gegend kennenlernt und hierbei den Spaß in der unmittelbaren Natur, die ihn umgibt, entdeckt“.

<p>Ökotourismus war Lanterfanter bereits seit Beginn wichtig.</p>
Ökotourismus war Lanterfanter bereits seit Beginn wichtig.

Lanterfanter setzte schon immer auf Ressourcenschutz in Form von Regenwassernutzung und biologischer Abwasserklärung. „Mit AGRETA haben wir noch einmal alles überdacht und verschiedene Aspekte wie Abfallreduzierung oder - Vermeidung, Trinkwassereinsparung und Plastikmüllvermeidung in den engeren Fokus gerückt. Und das alles nach dem Prinzip: Was gut für die Natur ist, ist auch gut für den Menschen.“ Git Janssens-Dewulf ist vom Erfolg dieser Maßnahme überzeugt und empfindet es als eine Art Bereicherung, andere Menschen für diesen „gelebten Umweltschutz“ zu gewinnen. „Vor allem die Kinder sind begeisterungsfähig. Wenn ich ihnen beispielsweise unsere biologische Kläranlage zeige um anschließend zum Überlauf an der Our zu gehen und die dort besonders häufig vorkommenden Flusskrebse zeige, dann haben sie Natur zum Anfassen erlebt. Das vergessen sie nie mehr in ihrem Leben.“ Ziel sei es daher auch, die Faszination für die Natur vor allem bei Stadtmenschen zu wecken. „Das funktioniert aber nicht auf eine aggressive, rechthaberische Art und Weise; man muss die Menschen direkt mit der Natur und ihren Schönheiten und Besonderheiten in Kontakt bringen“.

Das erreicht die Eigentümerin mitunter mit kleinen Tricks. „Ich stelle beispielsweise Trinkkaraffen mit Leitungswasser auf den Tisch und weise parallel daraufhin, dass man dadurch eine Menge an Plastikmüll und vor allem auch an Geld einsparen kann. Sparen ist für viele das Zauberwort schlechthin, so dass man mit diesen Maßnahmen hier bei uns auch Menschen dazu bringen kann, es bei sich zu Hause nachzuahmen.“ Auch auf Regionalität legt die Unternehmerin großen Wert, sodass jeder Gast in seinem Willkommenspaket Leckereien aus Ostbelgien in Form von Honig, selbstgemachten Likören , Marmeladen und Berterather Bier erhält und die Gegend somit auch kulinarisch entdeckt und lieben lernt. „Die Ardennen sind die grüne Lunge der Großregion, das ist ein wahrer Schatz, den es zu pflegen gilt. Mit kleinen Workshops, wie die Herstellung von Holunder- oder Löwenzahnsirup stelle ich den direkten Bezug für die Kids her, während auch die erwachsenen Sportler von mir Ernährungstipps aus der „Naturküche“ erhalten.“ Hierfür belegte Git Janssens-Dewulf diverse Kurse zur Sporternährungsberaterin und Heil- und Kräuterpflanzenexpertin. „Die meisten Gäste sind verblüfft, wenn sie das eine oder andere Hausrezept für diverse Wehwehchen als altes Wissen aus Omas Küche präsentiert bekommen. Sie entdecken somit einfach und vor allem nachhaltig, dass die Natur die beste Apotheke ist.“

Mit dem Ökotourismus versucht sie ihre Kundschaft mit der Natur in Kontakt zu bringen und sie zu sensibilisieren ohne dabei jedoch belehrend zu wirken. Hierfür hat AGRETA diverse Bücher in den drei Landessprachen sowie eine Schatzkiste für Kinder zum spielerischen Entdecken der Natur zur Verfügung gestellt. Außerdem wurden rund um Lanterfanter neue Nistkästen für Eulen, Meisen und Kleiber aufgehängt, während im angrenzenden Wald neben einem vorhandenen Ameisenhaufen auch eine Igelbehausung errichtet wurde. Die Anpflanzung von diversen Beerensträuchern sowie eines kleinen Kräutergartens geschah in Eigeninitiative. Zusammen mit den bereits vorhandenen Angeboten von Lanterfanter erleben die Gäste somit unvergessliche Tage inmitten einer intakten Naturlandschaft. „Wir sind jedenfalls stolz, dass wir mit den Kollegen der Großregion am AGRETA-Projekt teilhaben können. Man kann nicht die ganze Welt retten, aber jeder kann und muss bei sich anfangen und aktiv werden. Als Green-Key-Ferienhaus war und ist es immer unsere Philosophie, die Umwelt auf das Maximum zu schonen, ohne dass unsere Gäste auf Komfort und Qualität verzichten müssen. Dank des AGRETA-Projektes haben wir neue, grüne Schritte gemacht. Die ersten Vogelnistkästen sind bereits besetzt, im Kräutergarten sprießt es und wir hoffen, dass sich bald auch Igel und Eulen hinzugesellen. Die Zusammenarbeit für eine grünere Welt inspiriert und stimuliert zugleich“, so Git Janssens-Dewulf abschließend.

<p>Kinder dürften in der Schatzkiste fündig werden.</p>
Kinder dürften in der Schatzkiste fündig werden. | Fotos: AGRETA

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