Die Entscheidung hat sich Evelyne Josten nicht leicht gemacht. Schon vor der Coronakrise hat sie mit sich gerungen. Doch letztlich sah sie keine andere Möglichkeit und zog die Reißleine.
Evelyne Josten führt das Kaufhaus in der dritten Generation. Schon Ende der 1940er Jahre hatte ihr Großvater Leo Hermann einen fahrenden Gemüsehandel betrieben und täglich in den Ortschaften rund um Weywertz frisches Gemüse frei Haus geliefert. 1961 übernahm Leo Hermann den Kaufladen Leblanc an der Weywertzer Kaserne. Inge Hermann war damals 13 Jahre alt und half schon voll und ganz mit. Ihren eigenen Töchtern Evelyne und Sandra sollte es Jahrzehnte später nicht anders ergehen. 1971 übernahm die heute 73-jährige Inge Josten-Hermann das Geschäft und führte es bis 2015, als Tochter Evelyne die Nachfolge antrat.
Die 42-Jährige ist eigentlich Köchin von Beruf. Nach der Haushaltsschule in Eupen hat sie das Kochen im Restaurant Brüls in Bütgenbach erlernt. Mit ihrem 30. Lebensjahr hatte sie sich als Traiteur selbständig gemacht und war eigentlich damit schon voll ausgelastet. Als ihre Mutter Inge vor sechs Jahren pensioniert wurde, war es ihr ein Herzensanliegen, das Lebensmittelgeschäft für das Dorf zu erhalten. Seitdem machte Evelyne Josten beides: das Geschäft und den Catering-Service. In der Woche war sie im Geschäft und am Wochenende als Traiteur bei vielen Festen im Einsatz. „Ich kann nicht mehr auf zwei Hochzeiten tanzen, Geschäft und Catering.“ Hinzu kommt die Familie, die nicht zu kurz kommen darf. „In meinem Mann Jean-Luc habe ich immer eine große Stütze gehabt. Ohne ihn hätte ich den Arbeitsaufwand schon lange nicht mehr meistern können“, blickt sie zurück auf die vergangenen Jahre.
Während der Corona-Zeit blieb Evelyne Josten eigentlich nur mehr das Geschäft, da sämtliche Feste ausfielen. Daher hat sie sich auf Fertiggerichte spezialisiert, die im Geschäft angeboten wurden. Auch entstand die Idee, Gästen und Gesellschaften die Halle, die sich an ihrem Privathaus befindet, für Feste anzubieten, wofür sie auch bereits die offizielle Genehmigung erhielt. Im Zuge der letzten Corona-Lockerungen dürfen nunmehr Restaurants, Gaststätten und Cafés im Außenbereich wieder öffnen.
„Ich kann aber nur eine Sache hundertprozentig gut machen“, unterstreicht Evelyne Josten im Gespräch. Zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern haben sie über die gemeinsame Zukunft nachgedacht. Da sich die Halle und der Traiteur-Dienst im Privathaus befinden, ist diese Arbeit mit dem Familienleben besser zu vereinbaren. Wie in 2015, als sie das Geschäft von ihrer Mutter übernahm, ist es ihr wichtig, den Tante-Emma-Laden für das Dorf zu erhalten. Seitdem ist sie auf der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin. Einige Personen hätten bereits Interesse angekündigt, eine Entscheidung stehe allerdings noch aus.
Die Ladentür bleibt vorerst geöffnet.
Vorerst soll die Ladentür aber offen bleiben, in der Hoffnung, dass sich bald ein Nachfolger finden lässt. „Wenn das Geschäft schließen müsste, wäre das für mich ganz schlimm, denn es ist für mich nicht nur ein Laden, sondern eine Herzensangelegenheit.“ Dabei denkt Evelyne Josten besonders an ihre Stammkundschaft, darunter auch viele ältere Menschen, die ihr viel bedeuten.
Wer Interesse am Geschäft hat, kann sich jederzeit unverbindlich bei Evelyne Josten (Tel. 0474/558047) melden.

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