Die Aussetzung des Impfstoffs von Astrazeneca in Deutschland geht nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf sieben Krankheitsfälle zurück. „Es ist sehr selten aufgetreten“, sagte Spahn am Montag in Berlin. Das Paul-Ehrlich-Institut hatte notwendige weitere Untersuchungen empfohlen.
Zuvor hatte Spahns Ministerium mitgeteilt, dass die Impfungen mit dem Vakzin vorerst aus Vorsicht gestoppt seien, weil es Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gegeben habe. „Bis jetzt gibt es sieben berichtete Fälle, die im Zusammenhang mit einer solche Hirnvenenthrombose stehen bei mittlerweile über 1,6 Millionen Impfungen in Deutschland“, sagte Spahn. „Es geht um ein sehr geringeres Risiko - aber falls es tatsächlich im Zusammenhang mit der Impfung stehen sollte, um ein überdurchschnittliches Risiko.“
Laut dem zuständigen Paul-Ehrlich-Institut solle man sich in ärztliche Behandlung begeben, wenn man sich mehr als vier Tage nach der Impfung unwohl fühlen sollte, etwa mit starken oder anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen, sagte Spahn.
Macron hofft auf schnelle Wiederaufnahme der Impfungen.
Auch Frankreich und Italien beschlossen, die Verwendung des Präparats des britisch-schwedischen Herstellers „vorsorglich auszusetzen“ und auf eine Stellungnahme der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA zu warten. In Frankreich kündigte Präsident Emmanuel Macron die Entscheidung auf einer Pressekonferenz an. Der Staatschef sagte, er hoffe, die Impfung mit diesem Serum „schnell wieder aufnehmen zu können, wenn die Meinung der europäischen Behörde es erlaubt“.
Der Beschluss in Italien fällte die Arzneimittel-Agentur Aifa. Dort waren in der vergangenen Woche und am Wochenende Menschen gestorben, die zuvor mit dem Vakzin von Astrazeneca geimpft worden waren. Die Aifa hatte die Verwendung der betreffenden Chargen zunächst gestoppt. Italienische Experten hatten das Corona-Vakzin zuletzt weiter für sicher befunden. Sie hatten auch betont, dass es zwar einen zeitlichen Zusammenhang zwischen den Impfungen und den Todesfällen gegeben habe, jedoch kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen wurde.
Britische Behörde hält Astrazeneca weiterhin für sicher.
Währenddessen nutzt Großbritannien den Corona-Impfstoff von Astrazeneca weiterhin: „Wir prüfen die Berichte genau, aber angesichts der großen Anzahl verabreichter Dosen und der Häufigkeit, mit der Blutgerinnsel auf natürliche Weise auftreten können, deuten die verfügbaren Beweise nicht darauf hin, dass der Impfstoff die Ursache ist“, sagte Phil Bryan von der britischen Aufsichtsbehörde für Arzneimittel (MHRA) einer Mitteilung zufolge. „Alle Menschen sollten sich gegen Covid-19 impfen lassen, wenn sie dazu aufgefordert werden“, sagte Bryan.
Auch der britische Premierminister Boris Johnson ist weiterhin von der Sicherheit und Effektivität des Vakzins überzeugt, wie ein Sprecher am Montag vor Journalisten betonte. Jeder, der eine Einladung dafür erhalte, sei dazu aufgerufen, sich damit impfen zu lassen.
Die EMA bezieht Stellung.
Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat als Folge der jüngsten Entwicklungen erklärt, am Donnerstag, den 18. März, ein neues Gutachten über den Impfstoff von AstraZeneca abgeben zu wollen. Die EMA betont, dass der Nutzen von Astrazeneca immer noch die Risiken von Nebenwirkungen überwiegt. (dpa/belga/tf)

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