„Wir melden uns vom Abgrund“: Neues aus dem Abstiegskampf

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Sie stehen derzeit auf den roten Plätzen: Schalke und Mainz. | Foto: dpa

„Hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund“ ist ein Satz, der in die Bundesliga-Geschichte eingegangen ist. Er stammte aus dem Mund von Radiolegende Günther Koch, der im hochdramatischen Abstiegskampf-Finale der Saison 1998-99 das Spiel zwischen Nürnberg und Freiburg kommentierte. Eigentlich war Nürnberg als Zwölfter die am wenigsten bedrohte Mannschaft, doch „der Glubb ist eben der Glubb“, wie seine Anhänger selbst sagen. Und so rutschte er doch noch unter den Strich. „Es ist nicht zu fassen, was dieser Club seinen Anhängern zumutet“, fügte Koch hinzu. 22 Jahre später gilt Schalke 04 bereits als so gut wie abgestiegen, doch darüber kämpfen noch vier Teams um die Rettung. Ein Überblick.

1. FC Köln (14. Platz/22 Punkte): Timo Horn rechnet bereits. Natürlich werde geguckt, was die anderen machen, sagte der FC-Torhüter. Doch in erster Linie muss der FC bei Union Berlin (15.30 Uhr) selbst wieder in die Spur finden. Nach dem begeisternden Derbysieg in Gladbach folgte ein Rückschlag auf den nächsten. „Für mich war aber eigentlich immer klar, dass es nur um den Klassenerhalt geht“, sagte Horn, der seit vier Spielen mit den Kölnern auf einen Sieg wartet. Dennoch sei er „fest davon überzeugt, dass wir am Ende über dem Strich stehen werden. Und vielleicht braucht man in dieser Saison ein paar weniger Punkte für den Klassenerhalt“.

Hertha BSC (15./21): Erst atmete Sportdirektor Arne Friedrich erleichtert auf, dann schoss das neue Selbstbewusstsein förmlich aus ihm heraus. „Warum sollen wir nicht in Dortmund (heute, 18.30 Uhr, A. d. R.) gewinnen? Es wird schwer. Aber warum sollen wir hinfahren und Angst haben?“ Der „Big City Club“ glaubt nach dem ersten Sieg in der Rückrunde plötzlich wieder an die eigene Stärke. Auf die Erfahrung des Rio-Weltmeisters Sami Khedira muss Trainer Pal Dardai allerdings verzichten. Der defensive Mittelfeldspieler laboriert weiter an einer Wadenblessur. Auch Offensiv-Fixpunkt Matheus Cunha (Oberschenkel) fehlt erneut.

Arminia Bielefeld (16./19): In Bielefeld warten sie nach dem Trainerwechsel bislang vergeblich auf den Kramer-Effekt. Die ernüchternde Rückrunde ohne Sieg setzt sich auch mit Frank Kramer statt Uwe Neuhaus an der Seitenlinie fort. Doch der neue Coach bleibt nach nur einem Punkt aus seinen ersten beiden Spielen optimistisch. „Im Abstiegskampf musst du Nehmerqualitäten beweisen“, sagte der 48-Jährige vor der Partie bei Bayer Leverkusen (morgen, 13.30 Uhr). Die Mannschaft habe „so einen guten Charakter, die sehen immer die Chance“.

FSV Mainz 05 (17./18): Nach der Rückkehr von Bo Svensson, Christian Heidel und Martin Schmidt ritten die Mainzer beschwingt auf einer Euphoriewelle in Richtung des rettenden Ufers. Doch nun, wo das Ziel ganz nah ist, schwächeln die 05er plötzlich. Das dürftige Remis auf Schalke drückt auf die Stimmung. Kämpferisch bietet die Mannschaft alles auf, spielerisch sieht aber nicht nur Svensson viel Luft nach oben. Und so müssen die Rheinhessen gegen Freiburg (15.30 Uhr) mal wieder ihre eigenen Hausaufgaben machen und auf Patzer der Konkurrenz hoffen.

Schalke 04 (18./10): Die Hoffnung auf ein königsblaues Wunder scheint erloschen, selbst die Niederlage der Konkurrenz aus Bielefeld unter der Woche wurde lediglich als Randnotiz verbucht. Schließlich ist der Abstieg fast besiegelt, die Bilanz verheerend und die Aussichten ernüchternd. Woher soll die Zuversicht auch kommen? Für Trainer Dimitrios Grammozis geht es längst darum, die Weichen für die direkte Rückkehr ins Oberhaus zu stellen. Er habe aber nur die nächste Partie beim VfL Wolfsburg (15.30 Uhr) im Blick, versicherte der neue Coach vor seinem zweiten Spiel auf der Bank. Personell geht das Schlusslicht weiter auf dem Zahnfleisch. (sid/tf)

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