Lange Mängelliste macht Raerens Hauptstraße deutlich teurer

<p>Lange Mängelliste macht Raerens Hauptstraße deutlich teurer</p>

Es war eine Hiobsbotschaft, die Bürgermeister Erwin Güsting (Mit Uns) am Donnerstagabend im Bergscheider Hof dem Gemeinderat zu überbringen hatte. Die Erneuerung der Hauptstraße, eines der größten kommunalen Projekte Raerens der letzten Jahre, wird deutlich teurer ausfallen als ursprünglich geplant. Die Kosten, die 2017 mit 2,45 Millionen Euro chiffriert wurden, wachsen aktuellen Schätzungen zufolge auf insgesamt 3,6 Millionen Euro an. Das ist fast die Hälfte mehr und „alles andere als Peanuts“, wie Erwin Güsting anmerkte. Dabei machte der Bürgermeister keinen Hehl daraus, dass er die Schuld für die Kostenexplosion beim zuständigen Studienbüro sieht, das bei der Ausarbeitung des Projekts an mehreren Stellen „schlechte Arbeit“ geleistet habe. Der Bürgermeister beließ es allerdings nicht bei einer pauschalen Kritik an den Planern, sondern schlüsselte im Detail auf, welche Versäumnisse entstanden sind und letztendlich zu den erheblichen Mehrkosten geführt haben.

Ein grober „Schnitzer“ betrifft die Anzahl der vorgesehenen Kanalanschlüsse für die Privatanschlüsse entlang der Hauptstraße. So war in den Plänen des Studienbüros vorgesehen, dass lediglich 90 solcher Anschlüsse vorgenommen werden müssen. Die Realität sieht allerdings anders aus. Notwendig sind 180 Stück. „Das ist eine glatte Verdopplung“, stellte Erwin Güsting fest. Auch in Sachen Abtransport von Erdaushub kalkulierte das Studienbüro wohl zu „sparsam“, sodass sich Zusatzkosten von 290.000 Euro auftürmten, wobei hierbei auch neue gesetzliche Auflagen eine Verteuerung nach sich ziehen.

Küchenmeister Schmalhans stand zudem am Herd, als das Volumen der benötigten Randsteine für die Bürgersteige auf der Karte stand. Kostenpunkt: 75.000 Euro. Nicht berücksichtigt wurde ebenso wenig, dass man bei den Ausschachtungsarbeiten auf Wasserquellen und Blausteinadern stoßen könnte – dies geschah allerdings gleich mehrfach und belastet das Budget um einen weiteren sechsstelligen Betrag. Kurios mutet nicht zuletzt die Tatsache an, dass man für Neuanpflanzungen entlang der Hauptstraße für jeden Baum 15 Euro vorgesehen hatte. „Dafür kriegt man aber nur ein kleines mickriges Bäumchen, was nicht im Sinne des Erfinders sein kann“, erklärte Erwin Güsting. Größere Exemplare sind deshalb nötig, die nun mit mehr als 500 Euro pro Stück zu Buche schlagen.

Summa summarum ziehen all diese Versäumnisse Mehrkosten von über einer Million Euro nach sich. Wobei aus Sicht des Gemeindeoberhaupts die Tatsache, dass das Studienbüro hierdurch auch noch weitere Honorarkosten in Höhe von 28.000 Euro einstreicht, dem Ganzen die Krone aufsetzt. Denn diese werden nach einem festen Prozentsatz an den Gesamtprojektkosten bemessen. Erwin Güsting kündigte an, dass „wir auf jeden Fall juristisch überprüfen werden, in welcher Form wir das Studienbüro wegen fehlerhafter Arbeit in Regress nehmen können“.

Mario Pitz: „Wir müssen für die groben Schnitzer des Ingenieurbüros die Verantwortung übernehmen.“

CSL-Sprecher Mario Pitz schloss sich den Ausführungen an und äußerte die Hoffnung, dass „wir heute zum dritten und letzten Mal Mehrkosten für dieses Projekt beschließen“. Dabei stieß ihm vor allem übel auf, „dass wir für die groben Schnitzer des Ingenieursbüros die Verantwortung übernehmen müssen“. Im Namen seiner Fraktion forderte Mario Pitz, dass das Studienbüro „maximal zur Rechenschaft gezogen wird“.

Die millionenschweren Mehrkosten genehmigte der Rat letztendlich (gezwungenermaßen) einstimmig, wenn auch „mit Fäusten in jeder Hosentasche“, damit die aktuell noch ausstehenden Arbeiten zügig voranschreiten. Laut Bürgermeister Erwin Güsting ist – Stand heute – mit einer Fertigstellung der Hauptstraße im August zu rechnen.

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