Brennerei Radermacher hat viel vor im Jahr 2021: Umbaupläne und Zitrusnoten in Raeren

<p>Ein umfangreicher An- und Neubau ist für das Jahr 2021 bei Radermacher in Raeren geplant.</p>
Ein umfangreicher An- und Neubau ist für das Jahr 2021 bei Radermacher in Raeren geplant. | Fotos: David Hagemann

Das Vorhaben ist nicht neu. Schon lange hegt man in der Brennerei Radermacher in Raeren Erweiterungspläne. Diese rückten aber zwischenzeitlich ein wenig in den Hintergrund. Mittlerweile ist die Frage nach der Unternehmensfolge geklärt. Mit Line Zacharias tritt auch die nächste Generation in die Fußstapfen der Brennereifamilie. Der Zeitpunkt, sich für die Zukunft aufzustellen, ist also gekommen. „Mit diesem Projekt stellen wir uns für die nächsten 25 bis 30 Jahre so auf, dass wir auch weiter wachsen können“, so Bernard Zacharias gegenüber dem GrenzEcho.

Ein neuer Bio-Gin aus dem Hause Radermacher ist bereits in der Mache. Er soll zitruslastig werden.

Detailliert möchte er sich momentan noch nicht zu dem Um- und Anbauvorhaben äußern. Zwar stehen die Pläne bereits, aber die Baugenehmigung liegt noch nicht vor. Er verrät allerdings kein Geheimnis, wenn er vom akuten Platzmangel spricht, der das Unternehmen seit Langem plagt. Die Infrastruktur stößt an ihre Grenzen. So muss beispielsweise die Lagerkapazität dringend hochgefahren werden. „Wir haben eindeutig zu wenig Platz. Dadurch müssen wir momentan einen enormen logistischen Aufwand betreiben“, erklärt Bernard Zacharias. Die nutzbare Fläche soll sich verdoppeln.

Außerdem sollen in dem neuen Gebäude auch ein Besuchercenter und ein kleines Gastronomiegewerbe entstehen. Der Bedarf ist vorhanden. Selbst über die Grenzen der Region hinaus, gibt es regelmäßig Nachfragen von Interessierten, die die Brennerei besichtigen wollen. Ein riesiger Rummel soll in der Spitalstraße allerdings nicht entstehen. „Der gesamte Neubau wird im Respekt zur Nachbarschaft und der vorhandenen Bausubstanz vorgenommen“, erklärt Zacharias. Das Hauptgebäude der Brennerei steht unter Denkmalschutz. Sämtliche Erweiterungsprojekte müssen dem Rechnung tragen.

Auch neue Maschinen sollen an dem alten Standort bald installiert werden. Rund eine Million Euro werden alleine in eine nagelneue Brennanlage und Maschinen für den Vergärungsprozess gesteckt. Riesige Tanks werden per Sondertransport geliefert – allerdings erst, wenn der Neubau steht. Daher laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, alles muss nach dem Startschuss Hand in Hand gehen. Man wartet sehnsüchtig auf grünes Licht der zuständigen Behörden. „Ich bin ehrlich gesagt froh, wenn wir zwei Jahre weiter sind“, gesteht Zacharias, der hofft, noch in diesem Frühjahr loslegen zu können.

Indes bleibt auch die Produktschiene nicht ohne Erweiterungen. Spirituosen-Freunde dürfen sich beispielsweise auf ein neues Mitglied der Gin-Familie freuen. Neben dem 1836 Original, dem Pink-Gin und der eichenfassgelagerten Variante, soll es schon bald einen zitruslastigen Gin aus dem Hause Radermacher geben. Über das Flaschendesign habe man sich zwar noch keine großen Gedanken gemacht, so Yves Emonts-Gast, aber es werde sich mit Sicherheit optisch in die vorhandene Linie einfügen.

Natürlich bleibt der neue Gin, genau wie die Vorgänger ein Bio-Produkt. „Das hat mit unserem Standort zu tun. Wir sind ein lokales Traditionsunternehmen und arbeiten hier, quasi mitten im Grünen. Dass unsere Gin-Linie ein Bio-Label tragen sollte, war von Anfang an klar. Wir haben von vorneherein darauf gesetzt und den ersten Bio-Gin in Belgien hergestellt. Diese Entscheidung hat sich auch bewährt, wie wir zum einen an den Verkaufszahlen unserer eigenen Gins sehen. Aber auch an den Anfragen von Kunden, in deren Auftrag wir brennen.“

Mittlerweile hat die Destillerie Radermacher bei der Genese vieler Gins die Finger mit im Spiel gehabt, selbst wenn man es nicht auf Anhieb erkennt. Neben dem Panda Gin wird u.a. auch der LièGin in Raeren hergestellt. Die mittlerweile mehrmals ausgezeichnete Kollektion aus der Abtei Maredsous, stammt ebenfalls aus dem Töpferdorf. „Die Entwicklung und Herstellung wird bei uns gewährleistet. Auch das Befüllen der Flaschen übernehmen wir. Aber Marketing und Design liegen in den Händen der Kunden. Sie suchen das Etikett und die Flasche selber aus und sie überlegen sich, wie sie ihr Produkt auf den Markt bringen wollen“, erklärt Yves Emonts-Gast.

Die Raerener Brennerei hegt umfangreiche Ausbaupläne, mehr Platz muss her.

Solche Kooperationen kommen allerdings nur im großen Stil zustande. Wer sich zur Hochzeit einen eigenen Gin gönnen will, muss sich darauf gefasst machen, dass er 5.000 Flaschen abnehmen muss. Das ist nämlich die Mindestanzahl an Flaschen, die mit dem gemeinsam entwickelten Gin befüllt wird. „Das hat technische Gründe und hängt mit dem Rührwerk in dem Abfülltank zusammen“, so Emonts-Gast. Die Auswahl der Partner geschieht nicht von ungefähr. „Wir halten uns immer an gewisse Qualitätsstandards, sowohl für unsere Produkte wie auch diejenigen unserer Kunden. Die Kunden vermarkten ihren Gin zwar selber, dennoch machen sie keinen Hehl daraus, dass hier bei uns produziert wird. Oft steht unser Name auch auf dem Gegenetikett. Das heißt, wir stehen immer mit unserem Namen gerade.“

Dass dieser Name mit guter Qualität einhergeht, belegen u. a. die eingeheimsten Auszeichnungen. Im September 2020 haben zwei Gins aus Raeren abgeräumt. Der 1836 Barrel aged Gin, der sechs Monate lang in hauseigenen Lambertus-Whisky-Fässern lagert, gewann Gold bei den „International Organic Awards 2020“, die ausschließlich Bio-Produkten gewidmet sind. Dieser Gin, auf Basis eines Weizendestillats, verdankt seinen Geschmack neben Wacholderbeeren, auch Koriander, Orangenschalen, Rosmarin, Anis und Zitronenschalen. Eine Silbermedaille erhielt der Original 1836 bei dem gleichen Wettbewerb. „Wir nehmen regelmäßig an Wettbewerben teil. Es ist wichtig, zu sehen, wo man steht und es bestätigt uns in unserer Arbeit“, so Yves Emonts-Gast.

Insgesamt ist Gin seiner Meinung nach weiterhin voll im Trend. Daher wird diese Spirituose (neben u. a. auch Rum und Whisky) auch künftig im Portfolio der Firma eine wichtige Rolle spielen. So ergeht es auch einem weiteren Erzeugnis aus Raeren: dem berühmten Woodberries.

Das Coronavirus geht auch an der Spirituosenbranche nicht spurlos vorbei.

Der hat allerdings momentan einen schwereren Stand.

Das liegt daran, dass eigentlich die Karnevalszeit langsam in Fahrt kommen würde, wenn die Corona-Pandemie nicht wäre. „All die großen Feste wie Karneval oder Fête de Wallonie und einiges mehr, fallen aus. Gerade das ist aber die Hochzeit für unseren Woodberries. Das muss natürlich aufgefangen werden. Wir müssen die Ärmel hochkrempeln und Neues suchen“, so Bernard Zacharias. Zu tun gibt es also genug, auch in diesem Jahr – ob mit oder ohne Corona.

Kommentare

Kommentar verfassen