„Zuerst war ich ganz schön skeptisch“, räumt Ariane Herdemerten ein. Denn die Englischlehrerin hat ihr Materialien auf Papier. Hinzu kommt, dass bei Präsenzunterricht viel spontaner interagiert werde. „Man sieht sich anders und nimmt wahr, wenn der andere etwas sagen will“, meint sie. Die Dynamik fehle im Onlineunterricht etwas. So waren die ersten Onlinestunden „unendlich langweilig“, wie sie zugibt. Weitere Schwierigkeiten seien, dass die Lehrerin den Mund der Teilnehmer nicht so gut sieht wie im Präsenzunterricht, ein Problem bei exotischen Lauten wie dem englischen „th“. Französischlehrer Samuel Manteca beklagt sich über den unschönen Klang der Sprache im Netz.
Also mussten die Lehrer etwas tun, um die erwachsenen Schüler auch online aktiver zu machen, die Nachteile zu mildern und die Vorteile zu entdecken. Die Lösung für Ariane Herdemerten ist so einfach wie genial. Die Schüler bereiten etwas vor. So wissen sie etwas und beteiligen sich besser und vertiefen so ihr Können. Ariane Herdemerten sieht den Onlineunterricht als intensiver an als die Präsenzveranstaltung. „Im Onlineunterricht sprechen hauptsächlich die Teilnehmer. Ich habe eher die Rolle eines Moderators. So kommen sie tatsächlich viel mehr zum Sprechen als das im Präsenzunterricht der Fall ist. Hinterher bekommen die Teilnehmer von mir noch eine schriftliche Nachbearbeitung des Inhalts, haben also auch etwas „Handfestes“, das sie für späteres Lernen aufbewahren können“, bilanziert sie. Auch sonst sieht sie die Vorteile der Onlineaktivität, wo man „reisen“ kann, ohne sich vom heimischen Stuhl wegzubewegen. Wichtig ist für die Lehrerin, aus der Situation und den Möglichkeiten etwas Gutes zu machen.
Für Samuel Manteca ist es ein großer Vorteil des Online-Unterrichtes, dass die Schüler eben online sind. Unbekannte Wörter kann der Schüler googeln, das Tippen geht schneller als die Handschrift, und der Lehrer kann fix etwas senden, das die Schüler bearbeiten. Ein Ausdruck ist nicht nötig.
An den bestehenden Onlinekursen im Englischen, Französischen, Niederländischen und Spanischen nehmen derzeit rund 45 Menschen teil, sagt Koordinatorin Sonja Hoffmann. Zurzeit seien alle Kurse geschlossen, aber neue seien jederzeit möglich.
Onlinekurse bieten auch neue Chancen – sowohl für das Lernen als auch für das Miteinander. So hat sich die in Deutschland wohnende Schwester eines Teilnehmers in den Kurs ihres Bruders eingeschrieben. Das ist auch eine gute Möglichkeit, gemeinsam zu lernen und sich in Pandemie-Zeiten zu begegnen. Ideal sind Onlinekurse auch für Menschen, die Kinder haben oder einen Angehörigen pflegen. Sonja Hoffmann kann sich auch Hybridunterricht vorstellen, wenn etwa das Kind akut krank ist.
Die Rückmeldungen der Teilnehmer sind natürlich unterschiedlich. Manche mögen es lieber präsent, andere online. Technisch laufen die Kurse über Skype. Längerfristig kann sich Sonja Hoffmann aber auch vorstellen, zu einem kostenpflichtigen Anbieter zu wechseln, der beispielsweise die Möglichkeit der Gruppenarbeit anbietet.
Um effizient zu lernen, empfiehlt Sonja Hoffmann auch, Lernplattformen wie etwa babbel.de oder wallangues.be zusätzlich zum Onlinekurs zu nutzen. Letztere ist in Belgien sogar kostenlos, allerdings mit französischer Basissprache.
Aber trotz aller Anfangsschwierigkeiten ist auch Ariane Herdemarten vom Onlinekonzept überzeugt. „Jede Form hat ihre Zielgruppe“, sagt sie. So will sie bald auch einen Kurs in Business-Englisch online anbieten. Denn diesen Lernern geht es primär um die Sprache – und das geht in den kleinen Onlinegruppen wunderbar. Präsenzunterricht sei hingegen besonders für jene unverzichtbar, die gerne in der Gruppe das Hobby Sprachschulung betreiben und anschließend noch ein wenig schwatzen oder ein Bier trinken möchten. „Die „Angst“ vor dem Online-Unterricht abzuschütteln und sich so neuen Möglichkeiten zu öffnen ist auf jeden Fall ein Gewinn“, bilanziert sie.

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