„Team von elf Millionen Belgiern“ soll Virus stoppen

<p>Dem Vernehmen plädierte Gesundheitsminister Vandenbroucke (r.) im Konzertierungsausschuss für noch strengere Maßnahmen. Für den liberalen Premier De Croo (l.) ist es eine Gratwanderung zwischen Gewährung individueller Freiheit und Schutz der Volksgesundheit.</p>
Dem Vernehmen plädierte Gesundheitsminister Vandenbroucke (r.) im Konzertierungsausschuss für noch strengere Maßnahmen. Für den liberalen Premier De Croo (l.) ist es eine Gratwanderung zwischen Gewährung individueller Freiheit und Schutz der Volksgesundheit. | Foto: belga
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Kommentare

  • Es ist eine gleichermaßen naive wie verzweifelte Annahme, dass das individuelle und/oder kollektive Verantwortungsbewusstsein und der solidarische Zusammenhalt der Bevölkerung in Belgien durch solcherlei Ansprachen von Politikern ausgelöst werden könnte. So sehr man sich dies auch wünschen mag.

    Die Frage muss erlaubt sein, worauf das Staatsoberhaupt eigentlich wartet, „seinem Volk“ ins Gewissen zu reden und jeden Einzelnen an seine Verantwortung zu erinnern?
    Wozu genau gibt es diese Monarchie, wenn sie zum falschen Zeitpunkt in Sprachlosigkeit verharrt oder sich in Familienaufstellung verliert?
    Ok, König aller Einwohner Belgiens ist der König der Belgier schon lange nicht mehr und sein Einfluss wohl gerade dort begrenzt, wo er besonders notwendig wäre.
    Aber dies ist ein anderes Thema.

    Waren die beschwichtigenden Botschaften und falschen Prioritäten der Regierung der DG in den vergangenen Wochen schon nicht dazu angetan, die Menschen mitzunehmen oder zumindest wachzurütteln, erscheinen die Maßnahmen des Konzertierungsausschusses geradezu halbherzig und ängstlich.
    Sie werden der katastrophalen Entwicklung der Pandemie in unserem Land wahrscheinlich nicht gerecht, sind sie doch vor allem darauf bedacht, es möglichst vielen Recht zu machen oder nur die wenigsten zu verärgern.
    So lassen sich epochale Krisen nicht bewältigen.

    Schaut man in die sozialen Medien ist die Front derer, die die Pandemie von Anfang an geleugnet oder verharmlost haben, noch lange nicht gebrochen.
    Im Gegenteil! Jetzt, wo ihr verantwortungsloses Treiben mit jeder neuen Hiobsbotschaft aus den Krankenhäusern entlarvt wird, begeben sie sich - blind für die traurige Realität - auf Nebenkriegsschauplätze.
    An deren Motivation, Zweifel zu sähen und für ihre narzisstischen Freiheitsansprüche das Gesamtwohl zu opfern, hat sich nichts geändert.
    Wer hat hier wen nochmal zu seinem Ebenbild gemacht? Ist er so, der Mensch?

    Von diesem beängstigenden Offenbarungseid abgesehen hat die Politik in diesem Land bereits im Frühjahr zu spät und zögerlich reagiert. Die Kommunikation mit dem Bürger erschien entweder wie das Rufen in die Wüste hinein oder als Einbahnstraße.
    An diesem Szenario hat sich nicht viel geändert.

    Ohne weiterreichende und einschneidendere Maßnahmen, ohne verbindlichere Regeln, die ein Teil des Volkes offensichtlich benötigt, hat das Virus leichtes Spiel.
    Es sei denn, die Nachrichten und Fernsehbilder müssen noch unerträglicher werden, als sie es jetzt schon sind. Aber dann wäre es ohnehin zu spät.

    Am Ende ist man geneigt zu sagen: Wir haben versagt!
    Bliebe da nicht die verzweifelte kitschige Postkartenhoffnung:

    „Am Ende wird alles gut. Und ist es noch nicht gut, dann ist es auch noch nicht das Ende.“
    (f.n. O. Wilde

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