Dieser Graf Rice sorgte in Belgien für Furore, er ließ es „ganz schön krachen“. So in Spa, wo er am 6. Juli 1787 in das „Fontaine d'Or“, Rue de l'Assemblée, einzog. Die Spannungen um die „Jeux de Spa“ hielten weiter an, flammten zu Beginn der Saison auf, als eine Gruppe den Salon von Levoz in Anspruch nahm und darauf bestand, zu spielen. In den österreichischen Niederlanden hatte der Graf während seiner Zeit zwischen Lüttich, Spa, Aachen regelrecht in ein Hornissennest gestochen. Er legte sich aber auch mit jeder Gesellschaftsschicht an, vom Fürstbischof in Lüttich bis hin zu den einfachen Bauern. In Spa soll er sogar illegale und vielleicht auch betrügerische Spielhöllen betrieben haben. Und er weilte am Wasserfall von Coo zum Essen.
Wie ging es weiter mit dem interessanten Buch? Christoph Laschet sagt, leider sei durch Corona bedingt manches Geplante ausgebremst worden. Eine vorgesehene Lesung in Eupen musste abgesagt werden. „Aber es gibt auch neue Entwicklungen.“ Der Autor war vor Corona in Spa, hat dort den örtlichen Historikern das Buch von Graf Rice vorgestellt.
„Man war sehr an seiner Geschichte interessiert“, lässt er hören. Man sei dabei, eine Informations-Kampagne oder Ausstellung über die damaligen Gäste in Spa zu konzipieren (leider durch Corona auch ins Stocken geraten). „Ich hatte nun länger keinen Kontakt mehr zu der Gruppe von Historikern, aber ein Freund von mir war kürzlich in Spa und berichtete, dass er erste Tafeln an Häusern (ehemaligen Hotels) von Spa entdeckt habe, auf denen auch Count Rice als Gast erwähnt werde“, so Laschet. Man überlege dort außerdem, eventuell Auszüge aus dem Buch ins Französische zu übersetzen.
Man habe sich sofort auf die Suche nach Unterlagen von Graf Rice gemacht und sei fündig geworden. Dabei sei zutage gekommen, dass er eine Freundin aus wohl adeligen, höheren Pariser Kreisen hatte, die schöne und reiche Marquise de Marigny, die leider Gottes bei einem Fährunglück in Ostende zu Tode gekommen sei. Laschet hat in einem Buch des Aachener Geschichtsvereins entdeckt, dass Graf Rice auch mit „Count Ricx“ bezeichnet wurde.
Aktuell gibt es Gedankenspiele über eine teilweise Übersetzung des Buches ins Französische.
Der Ire Pat Neligan, der das Buch ins Englische verfasst hat und Laschet die Vorlage für eine Übersetzung ins Deutsche lieferte, berichtet, dass ein irischer Historiker in den Archiven konkrete Hinweise bzw. Dokumente gefunden habe, aus denen eindeutig hervorgeht, das Graf Rice Agent von Joseph II. war. Der sei aber nicht bereit, die Quellen zu nennen bzw. Einblick in die Dokumente zu gewähren, wird bedauert.
Bekanntlich geht es in dem Buch darum, dass dieser Graf Rice den Reitsport nach Brand, dem heutigen Stadtteil Aachens, gebracht hat. Die Wiege des Reitsports stand also nicht in der Kaiserstadt Aachen. 1821 fand in Brand das erste Vollblut-Rennen Deutschlands statt. Es wurde im Verwaltungsblatt des Landkreises Aachen angekündigt. Das war exakt vor 200 Jahren. Der Graf war ein Abenteurer, Hassadeur, aus Dingle in Irland. Mehr noch, Rice pachtete 1781 in Aachen Gut Neuenhof, Gut Krummerück und Gut Hebscheid. Nach Kauf eines Teils der Brander Heide vom Abt in Kornelimünster baute er denn von Gut Neuenhof, seinem zweitweiligen Wohnsitz in Aachen, eine Rennbahn und unter anderem das Gut England, das heute (allerdings erneuert) noch in Erinnerung an den englischen (irischen) Grafen benannt ist. Nach langjährigen juristischen Auseinandersetzungen war der Graf zahlungsunfähig, der Besitz wurde 1789 versteigert.
Da Graf Rice eine umfangreiche Vollblutzucht und entsprechendes auswärtiges Fachpersonal auf dem Gelände unterhielt, ist es naheliegend, dass er auch in den 1780er Jahren für entsprechendes Publikum Rennen veranstaltet hat. Hermann Schümmer (Geschichtskreis Bürgerverein Aachen) weiß: „In der heimischen Literatur heißt es dazu, dass jedoch der finanzielle Erfolg ausgeblieben ist.“ Leider sei es bis heute noch nicht gelungen, aus dieser Zeit entsprechende verlässliche Quellen zu finden.
Christoph Laschet hat in Erfahrung gebracht, dass in Aachen angeregt werde, zum CHIO 2021, dem 200. Jahrestag des ersten Galopprennens nach englischem Vorbild auf deutschem Boden, eine gemeinsame Veranstaltung/Ausstellung (Galopprennsport damals und heute) stattfinden zu lassen.
Immerhin stünde im kommenden Jahr ein für den deutschen Galoppsport wie auch für die Aachener Lokalgeschichte ein bemerkenswertes Datum an.
Das erste Rennen nach englischem Vorbild in Brand wurde von dem englischen Vollblüter „Pigeon“ gewonnen. Das hat Gerd von Ende in seinem Buch „Passion“ 2013 umfangreich belegt und damit den Volksglauben – der leider immer noch im Sport gepflegt wird – als Irrtum entlarvt, der besagt, das erste Galopprennen in Deutschland hätte 1822 in Bad Doberan stattgefunden.

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