„Nur die geschlossene Grenze ist grausam“

Die geschlossenen Grenzen scheint immer noch die Corona-Maßnahme zu sein, mit der die meisten Ostbelgier nicht einverstanden sind. Jeder Gesprächspartner wünschte sich baldmöglichst wieder nach Aachen oder Roetgen fahren zu dürfen und sei es nur, um den Hund an anderen Orten Gassi zu führen. Im Allgemeinen aber scheint man im Eupener Land einigermaßen zufrieden mit den im Vergleich zu den Nachbarländern eher strengen belgischen Regeln zu sein, zumal es im Nachbarland Ausbrüche gegeben hat. Dennoch: Manche Menschen haben echte Sorgen.

Eine Wirtin steht auf dem Parkplatz vor dem Discounter und hat einen Stammgast entdeckt. „Uns im Horeca geht es wirklich dreckig“, meint sie. Schon seit drei Monaten habe es keinen Umsatz gegeben, sagt sie. Hinzu komme auch noch, dass ihr die Gäste fehlen. „Das war immer eine lustige Clique mit dem und seinen Freunden“, sagt sie und deutet auf den Stammgast.

Einen Lieferservice hat ihr Lokal nicht eingerichtet. Es sei ihr zu viel Aufwand bei zu wenig Umsatz gewesen, meint sie. Auch der Stammgast vermisst seine Wirtin. Die wohl von beiden mehr als gewünschte Umarmung geht natürlich nicht, aber immerhin, ein Parkplatzgespräch ist auch ein Anfang, wenn man sich Monate nicht gesehen hat.

Grundsätzlich scheinen die Menschen mit den belgischen Maßnahmen zufrieden zu sein, zumal ja die jüngsten Corona-Ausbrüche nach einer Feier in einem Restaurant im ostfriesischen Leer und nach einem Baptistengottesdienst in Deutschland zur Vorsicht mahnen.

Auf dem Parkplatz hat es sich eine Frau nebst Tochter und Enkelin bequem gemacht. Auch sie hätte gerne offene Grenzen.

Auch sie ist eigentlich zufrieden, findet es aber seltsam, dass man zwar Masken geschenkt bekommen habe, das Tragen derselben aber nicht verpflichtend sei. Zu den Schulöffnungen oder zu der Frage, warum zwar Pfadfinderlager stattfinden, die Schule aber beschränkt ist, äußert sich niemand, was wohl daran liegen mag, dass um diese Zeit wohl nur wenige Eltern mit Schulkindern einkaufen gehen.

Herbert Breuer, Raeren:

„Man könnte die Grenzen öffnen. Ich vermisse es sehr, mit meinem Hund in Gemünd spazieren zu gehen. Wir wollen die Gegend wiedersehen. Ansonsten geht es. Einkäufe mache in der jetzigen Zeit in Eupen.“

Joachim Schüler, Raeren:

„Ich finde es sehr gut, dass es die belgische Regierung langsamer angehen lässt. Schließlich hat es in Deutschland in einem Restaurant (in Leer) und in einer Kirche (in Frankfurt-Eschborn) Ausbrüche gegeben. Besser einen Monat länger Einschränkungen, dafür aber Sicherheit, wenn es lockerer wird. Nur die Grenzen sollten schnell öffnen, ich vermisse meine deutschen Freunde.“

 

Marie Piel, Raeren:

„Offene Grenzen wären schön. Doch man kann es nicht ändern. Die Regierung muss die richtigen Regeln bestimmen.“

 

Sabine Droste, Hauset:

„Im Großen und Ganzen bin ich mit den belgischen Regeln einverstanden. Aber manches ist widersprüchlich, wie die geschlossenen Grenzen. Das war ja am Anfang in Ordnung, aber jetzt ist es unnötig, wenn sich alle an die Abstandsregeln halten.“

 


Alfred Konietzny, Raeren:

„Vieles ist unsinnig, beispielsweise dass ich nicht in Roetgen einkaufen kann. Gut und normal sind die Abstandsregeln. Aber ich vermisse meine sozialen Kontakte.“

 

Hans Röllinger, Hauset:

„Ich finde alles ein wenig übertrieben. Belgien ist schärfer als die Nachbarn. Die Restaurants könnten öffnen. Gut finde ich es, dass der Mundschutz in Belgien in Eigenverantwortung getragen wird.“

 

Johanna Franke, Eynatten:

„Eigentlich ist alles in Ordnung. Nur die geschlossene Grenze ist grausam. Mein Bruder ist in Deutschland im Heim, und ich kann ihn nicht besuchen.“

 

Ursula Nomikos, Raeren:

„Ich fühle mich eingeschlossen. Die Menschen protestieren, und es gibt keine Reaktion der föderalen Regierung.“

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