Van Gucht und André informieren über neue Studie zu Ansteckungsrisiko

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Sie zählen derzeit zu den gefragtesten Männer im Land: Steven Van Gucht (links) und Emmanuel André (rechts). | Foto: belga

Die Forscher einer Simulationsstudie untersuchten 248 Corona-Patienten in China und stellten fest, dass in 44 Prozent der Fälle, bei denen die Infektionskette bekannt ist, die Ansteckung vor dem Auftreten der Symptome passierte. Die Erkenntnis: Zwei Tage bevor die ersten Covid-19-Symptome auftreten, können Infizierte andere Menschen bereits anstecken. Einen halben Tag vor den ersten Symptomen ist das Ansteckungsrisiko am höchsten – also kurz bevor der Infizierte überhaupt bemerken kann, dass er das Virus hat. Nachdem die Symptome sichtbar und spürbar sind, sei man etwas weniger ansteckend als zuvor, erklärten Van Gucht und André. „Je länger wir krank sind, desto weniger Virus wird produziert.“ Nach diesen Erkenntnissen sei es wichtig, bei den Infizierten auch die Kontakte zwei bis drei Tage vor dem Ausbruch der Symptome zurückzuverfolgen. Es gelte, diese „Superspreader“ (Infizierte, die eine ungewöhnlich hohe Zahl anderer Menschen infizieren) schnell zu erkennen, vor allem in Altenheimen oder Krankenhäusern, wo eine Person viele andere anstecken kann.

Die beiden Experten empfehlen daher jedem, sich sofort zu isolieren, wenn er sich ein wenig krank fühlt, über Halsschmerzen oder einen leichten Husten klagt. „Dann ist man am ansteckendsten. Denken Sie nicht, es geht schon vorbei, sondern bleiben Sie zu Hause und rufen Sie Ihren Hausarzt an“, rät Van Gucht. Eine Strategie, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern, ist die Ermittlung der Personen, mit denen ein Infizierter in Kontakt getreten ist (Contact Tracing). Dann erhält jede dieser Kontaktpersonen eine Nachricht von einem Arzt. Sie können dann im Voraus zu Hause bleiben, sodass sie in den zwei Tagen vor dem Auftreten der Symptome niemanden anstecken. „Auf diese Weise können wir das Virus in Schach halten“, so Van Gucht.

Um eine Ansteckung zu verhindern, wird in Belgien ein Mindestabstand von 1,50 Metern empfohlen. Es gibt Wissenschaftler in der Welt, die diese Regeln anzweifeln und in Studien zeigen, dass das Coronavirus über eine Entfernung von bis zu acht Metern übertragbar ist - die sogenannte „Wolken-Übertragung“ oder „Aerosol-Übertragung. Für Van Gucht und André reicht 1,50 Meter aus. Das Virus werde hauptsächlich durch dicke Tröpfchen übertragen, die zu Boden fallen, bevor sie in der Luft einen Meter zurückgelegt haben. Der Abstand von 1,5 Metern schaffe also einen zusätzlichen Puffer gegen jemanden, der das Virus ausscheidet, so die Experten. Kleinere Tröpfchen tragen das Virus ebenfalls in sich, sie bleiben etwas länger in der Luft und können weiter schweben (Aerosol). „Aber diese kleinen Tropfen tragen weniger Virus in sich als die großen“, erläuterte André. „Die Aerosolübertragung für dieses Virus ist nicht von Bedeutung. Sie ist nicht unmöglich, aber die wichtigste Art der Übertragung erfolgt über die dicken Tröpfchen“, schloss Van Gucht.

Zu den falschen negativen Ergebnissen von Corona-Tests sagte der Virologe noch, es komme darauf an, wo und wann das Virus nachgewiesen werde.

Der Standardtest zur Bestimmung einer Infektion sei ein PCR-Test mit einem Abstrich aus dem Nasenraum. Das sei ein ziemlich zuverlässiger Test, wenn er in der ersten Woche der Symptome durchgeführt wird. „Es ist ein Referenztest, der etwas über die Infektiösität des Patienten aussagt“, so Van Gucht. Das Problem ist, dass viele Menschen erst in der zweiten Krankheitswoche schwer krank werden und ins Krankenhaus eingewiesen werden. „Dann kann das Virus in der Nase bereits auf dem Rückweg sein, während der Patient in der Lunge schwer erkrankt ist. Der Abstrich aus der Nase kann ein negatives Ergebnis ergeben, während der Patient aber an Covid erkrankt ist.“ In diesem Fall kann der Arzt auf ein Foto der Lunge zurückgreifen. (gz)

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