Trumps Nato-Drohungen: Können die USA einfach Goodbye sagen?

<p>Nato-Generalsekretär Mark Rutte (links) und US-Präsident Donald Trump (rechts) während eines Treffens am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos.</p>
Nato-Generalsekretär Mark Rutte (links) und US-Präsident Donald Trump (rechts) während eines Treffens am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. | Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Führt Donald Trump die USA aus Verärgerung über mangelnde Unterstützung für seinen Iran-Krieg aus der Nato? Jüngste Äußerungen des US-Präsidenten lassen in Europa die Alarmglocken schrillen und könnten einen für die nächste Woche geplanten Washington-Besuch von Nato-Generalsekretär Mark Rutte zu einer Krisenmission machen. Für das Bündnis steht viel auf dem Spiel - auch wenn es einige Dinge gibt, die gegen ganz große Panik sprechen. Ein Überblick in Fragen und Antworten:

Warum gibt es Sorgen?

Grund sind Äußerungen Trumps aus den vergangenen Wochen und Tagen. So sagte der Republikaner der „Financial Times“, die Nato werde vor einer düsteren Zukunft stehen, sollten die Partner der USA nicht bei der Sicherung von Öltransporten in der wichtigen Straße von Hormus helfen. Sollte es „keine Reaktion geben oder sollte die Reaktion negativ ausfallen, wird dies, denke ich, sehr schlecht für die Zukunft der Nato sein“, wurde Trump zitiert. Dem „Telegraph“ sagte er, es stehe kaum noch zur Debatte, dass die Mitgliedschaft der USA nach dem Ende des Krieges überdacht werden müsse. Die Nato sei ein „Papiertiger“.

Kann Donald Trump die USA überhaupt aus der Nato führen?

Theoretisch wäre das möglich. Das Verfahren für einen Austritt aus dem Verteidigungsbündnis ist in Artikel 13 des Gründungsvertrags geregelt. Dort heißt es: „Nach zwanzigjähriger Geltungsdauer des Vertrags kann jede Partei aus dem Vertrag ausscheiden, und zwar ein Jahr, nachdem sie der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika die Kündigung mitgeteilt hat; diese unterrichtet die Regierungen der anderen Parteien von der Hinterlegung jeder Kündigungsmitteilung.“

Dass die Regierung der Vereinigten Staaten sich die Kündigung selbst mitteilen müsste, hat damit zu tun, dass die USA als sogenannter Depositarstaat für die Entgegennahme aller Dokumente zum Nordatlantikvertrag zuständig sind. Diese Aufgabe müsste nach dem Nato-Austritt der USA ein anderer Staat übernehmen.

Kann Trump alleine über den Nato-Austritt der USA entscheiden?

Aus Sicht des Parlaments nicht. Der Kongress beschloss Ende 2023 ein Gesetz, das es US-Präsidenten verbieten soll, eigenmächtig einen Rückzug aus der Nato anzuordnen. Demnach müssten zwei Drittel der Mitglieder des Senats im US-Parlament zustimmen. Oder es bräuchte ein Bundesgesetz. Letzteres würde neben der Mitwirkung des Senats auch noch die des Repräsentantenhauses erfordern. Die Hürden wurden als Reaktion auf Trumps frühere Austrittsdrohungen eingeführt - unter anderem auf Initiative von Trumps Parteifreund und derzeitigem Außenminister Marco Rubio hin.

Ob Trump sich an das Gesetz gebunden fühlt, ist allerdings eine andere Frage. So könnte er nach Einschätzung der Rechtsexpertin Ilaria Di Gioia von der Universität Birmingham versuchen, sich auf die präsidialen Befugnisse in der Außenpolitik zu berufen. Diesen Ansatz habe er bereits zuvor verfolgt, um den Kongress beim Rückzug aus Verträgen zu umgehen, sagte sie dem „Time“-Magazin. Eine andere Option wäre es, anzukündigen, der Nato künftig keine US-Streitkräfte mehr zur Verfügung zu stellen. Das hätte militärisch ähnliche Konsequenzen wie ein Austritt.

Wäre Trump im Parlament eine ausreichend große Mehrheit sicher?

Das Gegenteil ist der Fall. Trumps Republikaner haben zwar in beiden Parlamentskammern eine knappe Mehrheit, allerdings gilt es als äußerst fraglich, ob sie den Präsidenten bei diesem Thema unterstützen würden. In den Reihen der Republikaner gibt es viele Anhänger der Nato.

Woran liegt das?

Die Nato gilt als stärkstes Verteidigungsbündnis der Welt und als zentraler Pfeiler der transatlantischen Beziehungen. In einer gemeinsamen Erklärung mit dem Demokraten Chris Coons schrieb der Republikaber Mitch McConnell zu den jüngsten Äußerungen Trumps, US-Amerikaner seien sicherer, wenn die Nato stark sei. „Der Senat wird das Bündnis weiterhin unterstützen, da es Amerika, Europa und der Welt Frieden und Schutz bietet“, heißt es in der Mitteilung. Zudem birgt ein US-Austritt auch andere Risiken. So dürften sich die Europäer in der Folge technologisch noch mehr emanzipieren und deutlich weniger Rüstungsgüter von amerikanischen Unternehmen kaufen. Der US-Industrie könnten so Milliardengeschäfte wegbrechen. Zudem müssten die USA möglicherweise strategisch wichtige Militärstandorte in Europa schließen.

Hat Trump denn einen Punkt, wenn er die Europäer für ausbleibende Unterstützung für den Iran-Krieg kritisiert?

Fest steht, dass es für Alliierte in dem Fall keinerlei formelle Verpflichtung zum Beistand gibt. Grund ist, dass der Krieg nicht mit einem bewaffneten Angriff auf die USA begann und der Nahe Osten auch nicht zum Bündnisgebiet zählt. Trump kann deswegen nicht darauf pochen, dass nach Artikel 5 der Bündnisfall ausgerufen wird.

Ob es möglicherweise eine moralische Verpflichtung zum Beistand gibt, ist eine andere Frage. So sagt etwa Nato-Generalsekretär Mark Rutte, er halte es für sehr wichtig, dass die USA mit ihren Angriffen die militärischen Fähigkeiten des Irans schwächten. „Ein Iran mit Atomwaffen wäre potenziell eine direkte Bedrohung für die Zukunft Israels gewesen, aber wiederum auch für den gesamten Nahen Osten und für Europa“, argumentiert er.

In etlichen europäischen Nato-Staaten wird das US-Vorgehen allerdings äußerst kritisch gesehen. Alliierte wie Spanien und Frankreich bezeichnen den Krieg sogar öffentlich als völkerrechtswidrig. Rubio stört sich vor allem daran, dass Länder wie Spanien den USA die Nutzung von Stützpunkten oder Überflugrechte verweigerten. „Dann geht es bei der Nato einfach nur darum, dass wir Truppen in Europa stationieren, um Europa verteidigen“, kritisierte er.

Wie könnte der Streit enden?

Denkbar ist, dass Trump den Alliierten mit seinen Drohungen Zugeständnisse abtrotzt. Dies gelang ihm im vergangenen Jahr auch beim Thema Verteidigungsausgaben. Unter Trumps massiven Druck wurde vereinbart, dass die Alliierten künftig mindestens einen Betrag in Höhe von 3,5 Prozent des nationalen Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung investieren. Hinzu kommen sollen dann noch einmal 1,5 Prozent für verteidigungsrelevante Ausgaben – beispielsweise für Infrastruktur. Insgesamt soll so eine Quote von 5 Prozent erreicht werden. Erste Hinweise, wie es weitergeht, könnte ein Besuch von Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Washington bringen. Er ist für die kommende Woche angesetzt.

Wie stark schwächen die Äußerungen von Trump schon jetzt die Nato?

Das ist umstritten. Im Bündnis kritisiert etwa Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Trump untergrabe die Abschreckung, indem er Zweifel an der Bündnistreue säe. Andere spielen seine Äußerungen herunter: Die Nato-Abschreckung funktioniere weiter, weil Gegner wie Russland nicht wüssten, wie die USA im Ernstfall reagieren. Trumps Unberechenbarkeit sei in dieser Beziehung gar nicht so schlimm, heißt es.

Und wenn es doch zum US-Austritt kommt: Wäre es für die verbliebenen Mitglieder sinnvoll, das Bündnis fortzuführen?

Vermutlich schon. Zwar beruht die Abschreckung der Nato bislang vor allem auf den militärischen Fähigkeiten der USA und ihrem Atomwaffenarsenal. Für die Europäer und Kanadier würde aber weiterhin gelten, dass sie gemeinsam stärker sind als alleine. Sie könnten zudem die in mehr als 75 Jahren aufgebauten militärischen Strukturen weiter nutzen. Und mit Großbritannien und Frankreich würde es immerhin auch noch zwei Atommächte in der Nato geben.

Kommentare

  • genau so ist es!

  • Nein, Trump kann nicht so einfch Goodbye sagen. Ich bin auch gegen den Irankrieg. Wieder der Beginn einer dieser "endlosen" Kriege, die Trump ja eigentlich beenden wollte. Aber Europa und ihre verlogene Hinweise auf das "Völkerecht". Wo war der Hinweis der EU auf dieses Völkerecht, als der Iran vor kurzem mehr als 7.000 Menschen bei Protesten gegen das Regime abschlachtete? Richtig, der Iran Konflikt ist nicht der Krieg der NATO, aber der Ukrainekrieg ist auch nicht der Krieg der USA. Aber leider sind die Heuchler der EU nicht in der Lage, diesen Krieg ohne Hilfe der USA zu lösen.

  • Herr Radermacher !
    Guter Neutraler beitrag
    Mal ohne Deutsche Anti Trump Propaganda

  • Hat Ihnen die „Osterbotschaft“ des geistesgestörten Faschisten im Weißen Haus Haus derart gut gefallen, dass Sie sich genötigt sehen, ihm treu zur Seite zu stehen, Herr Schmetz?

    Darin schrieb dieses kranke Hirn, das den Friedensnobelpreis für sich reklamiert:

    „Dienstag wird der Tag der Kraftwerke und der Tag der Brücken, alles in einem, im Iran. Es wird nichts Vergleichbares geben!!! Macht die verfickte Straße [von Hormus] auf, ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben – SEHT ES EUCH AN! Lob sei Allah.
    Präsident DONALD J. TRUMP“.

    Es gibt keine deutsche „Anti-Trump-Propaganda“ sondern eine weltumspannende Empörung über jemanden, der nicht nur dabei ist, die amerikanische Demokratie zu zerstören, sondern auch keinen Skrupel kennt, die Welt in den Abgrund zu ziehen.

    Dieser Krieg, Herr Radermacher, wurde nicht von der EU begonnen, sondern von Netanyahu und seinem nützlich Idioten im Weißen Haus. Nur diese beiden Kriminellen (beide Angeklagten bzw. Verurteilten gehören hinter Schloss und Riegel) können den Krieg, den sie fahrlässig und ohne sich der weltweiten Konsequenzen bewusst zu sein, beenden.

    Aber dies muss willfährige Marionetten eines unzurechnungsfähigen, rachsüchtigen Möchtegern-Diktators ja nicht weiter stören. Die Rechnung, die die Weltgemeinschaft und wir alle werden zahlen müssen, ist jetzt schon gewaltig. Aber keine Bange, da kommt noch was…

  • „Richtig, der Iran Konflikt ist nicht der Krieg der NATO,…“ So der Herr Radermacher.
    Das stimmt. Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, das nur greift, wenn ein Mitgliedsstaat angegriffen wird. Wird ein Mitglied dagegen selbst zum Aggressor, besteht keine Beistandspflicht.
    Wo wurden denn die USA im Mittleren Osten angegriffen? Die Initiative ging doch wohl von Israel (kein Mitglied der NATO!) und den USA aus.
    Diese Aggression ist also eindeutig kein Bündnisfall.
    Wenn nun die USA in ihrer Überheblichkeit dachten, im Iran mit einer Blitzoperation das dortige Mullah-Regime hinwegfegen und sich nebenbei auch noch die Kontrolle über die riesigen Erdölreserven dieses Landes sichern zu können und dabei böse auf die Nase gefallen sind, sollen jetzt wohl die NATO-Partner die Kastanien aus dem Feuer holen?

    Warum eigentlich unterhalten die USA weltweit so um die 800 (oder sind es 900?) Stützpunkte und intervenieren weltweit, allein 19-mal in diesem Jahrhundert?
    Aus reiner Uneigennützigkeit? Mitnichten!
    Sie tun das, „um ihre Rolle als globale Supermacht zu sichern, geostrategische Interessen durchzusetzen und Handelswege zu kontrollieren. Diese Basen dienen der schnellen Truppenverlegung, Nachrichtengewinnung, Abschreckung von Rivalen (wie China/Russland) und der politischen Stabilisierung in Schlüsselregionen.“ (KI)
    Warum die ellenlange Liste der Militäreinsätze im Ausland, allein 19 in diesem Jahrhundert? (s. Wikipedia)
    In ihrem imperialistischen Expansionsdrang schrecken sie nicht mal davor zurück, treue Verbündete massiv zu bedrohen: Kanada, Dänemark.

    Zu der „Deutschen Anti Trump Propaganda“ des Herrn Schmetz ein Zitat von SPON:
    „Trumps ehemalige Verbündete und heutige Kritikerin Marjorie Taylor Greene äußerte sich auf X mit scharfen Worten gegen den US-Präsidenten. Jeder in seiner Regierung, der sich Christ nennt, solle auf die Knie gehen, Gott um Vergebung bitten, aufhören, den Präsidenten »anzubeten«, und Trumps »Wahnsinn« entgegentreten. Weiter schrieb die republikanische Ex-Abgeordnete, die in ihrer Zeit im Parlament über Jahre hinweg erzkonservative Positionen vertreten hatte. »Ich kenne euch alle und ihn, und er ist wahnsinnig geworden, und ihr alle seid mitschuldig.«
    Was braucht es da noch spezielle „Deutsche Anti Trump Propaganda“?

  • Hallo Herr Leonard . Besorgen Sie sich mal kein deutsches propagandafutter.
    Lesen Sie bitte das Buch Mitteleuropa von Naumann Friedrich

  • Herr Leonard frage was sind Faschisten in Ihrer geistigen Vorstellung ?

  • „Richtig, der Iran Konflikt ist nicht der Krieg der NATO,…“ So der Herr Radermacher.
    Das stimmt. Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, das nur greift, wenn ein Mitgliedsstaat angegriffen wird. Wird ein Mitglied dagegen selbst zum Aggressor, besteht keine Beistandspflicht.
    Wo wurden denn die USA im Mittleren Osten angegriffen? Die Initiative ging doch wohl von Israel (kein Mitglied der NATO!) und den USA aus.
    Diese Aggression ist also eindeutig kein Bündnisfall.

    Wenn nun die USA in ihrer Überheblichkeit dachten, im Iran mit einer Blitzoperation das dortige Mullah-Regime hinwegfegen und sich nebenbei auch noch die Kontrolle über die riesigen Erdölreserven dieses Landes sichern zu können und dabei böse auf die Nase gefallen sind, sollen jetzt wohl die Europäer die Kastanien aus dem Feuer holen?

    Warum eigentlich unterhalten die USA weltweit so um die 800 (oder sind es 900?) Stützpunkte und intervenieren weltweit, allein 19-mal in diesem Jahrhundert?
    Aus reiner Uneigennützigkeit? Mitnichten!
    Sie tun das, „um ihre Rolle als globale Supermacht zu sichern, geostrategische Interessen durchzusetzen und Handelswege zu kontrollieren. Diese Basen dienen der schnellen Truppenverlegung, Nachrichtengewinnung, Abschreckung von Rivalen (wie China/Russland) und der politischen Stabilisierung in Schlüsselregionen.“ (KI)
    Warum die ellenlange Liste der Militäreinsätze im Ausland, allein 19 in diesem Jahrhundert? (s. Wikipedia)
    Dabei schrecken sie nicht mal davor zurück, treue Verbündete massiv zu bedrohen: Kanada, Dänemark.

    Zu der „Deutschen Anti Trump Propaganda“ des Herrn Schmetz ein Zitat von SPON:
    „Trumps ehemalige Verbündete und heutige Kritikerin Marjorie Taylor Greene äußerte sich auf X mit scharfen Worten gegen den US-Präsidenten. Jeder in seiner Regierung, der sich Christ nennt, solle auf die Knie gehen, Gott um Vergebung bitten, aufhören, den Präsidenten »anzubeten«, und Trumps »Wahnsinn« entgegentreten. Weiter schrieb die republikanische Ex-Abgeordnete, die in ihrer Zeit im Parlament über Jahre hinweg erzkonservative Positionen vertreten hatte. »Ich kenne euch alle und ihn, und er ist wahnsinnig geworden, und ihr alle seid mitschuldig.«
    Was braucht es da noch spezielle „Deutsche Anti Trump Propaganda“?

    PS. Der am Montag eingesandte Kommentar ist leider anscheinend irgendwo hängen geblieben.
    Deshalb ein neuer Versuch.

  • Zur Nato Europa wer war (IST)der grösse Zahler Deutschland :NEIN
    Frankreich. :NEIN
    Polen. : VIEL
    USA. : SEHR VIEL
    MACHE vergessen das Deutschland schützt keinen aber unterstützte den Iran mit Technik und Russland auch immer noch und Trump ist natürlich der BÖSE UND DEUTSCHLAND POLITIK IN EU EIN ENGELCHEN IM TRAUM

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