Angefangen hatte alles mit einem Verkehrsunfall, über dessen Verlauf die Versionen auseinandergehen. Jedenfalls war dabei die Mauer zwischen dem Wassergraben der Burg und der Straße beschädigt worden und teilweise eingestürzt. Bei diversen Gutachten stellte sich heraus, dass der zunächst angedachte Wiederaufbau nur des eingestürzten Teilstückes nicht möglich war. Es sollte mehr werden als das – viel mehr!
322.000 + 123.000 + 171.000 + 77.000 + 18.500 Euro
Im März 2018 stimmte der Gemeinderat einem Projekt in Höhe von 322.000 Euro zu, das die Erneuerung dieser Mauer auf ihrer ganzen Länge und die Wiederherstellung der bei diesen Arbeiten beschädigten Straße auf der halben Straßenbreite umfasste. Nachdem hierfür der Wassergraben der Burg trockengelegt war, wurde ein mit Metallarmierung befestigtes Betonfundament gegossen und eine neue Mauer errichtet. Die Hohlschichten wurden mit Beton verfüllt und die alten Blausteine vor dieser hochgezogenen neuen Mauer so angebracht, dass optisch der frühere Zustand von Wassergraben und Mauer wieder hergestellt war. Zusatzarbeiten wie eine Schotterung des Burggrabens, der Einsatz neuer Kanalstücke sowie die Neuverlegung eines unerwartet im Untergrund des Burggrabens gefundenen Stromkabels verteuerten diese Arbeiten um 123.000 Euro. Macht bis dahin 445.000 Euro für die Mauer und die halbe Straßenbreite...

Seitdem ist es vor allem die Burgstraße selbst, die für weitere Verzögerungen und Mehrkosten sorgte und sorgt. Schon seit Monaten müssen die Autofahrer – auch diejenigen, die wegen der Großbaustelle Hauptstraße die Umleitungsstrecke auf dieser Seite von Raeren befahren – sich mit einer durch eine Ampelanlage geregelten einspurigen Verkehrsführung abfinden. Und bis zum Sommer dürfte dies nach den Angaben, die der Bauunternehmer jetzt Bürgermeister Güsting zukommen ließ, wohl auch noch so bleiben. 73 Arbeitstage werden laut Schätzung noch benötigt, bis alles fertig ist.
Der Wunsch der Gemeindeverantwortlichen war es, im Rahmen eines Projektes, bei dem die Straße sowieso halbseitig erneuert werden musste, diese Erneuerung auf die gesamte Straßenbreite auszudehnen und dabei die als holprig, laut und gefährlich geltende Pflasterung durch eine Asphaltierung zu ersetzen. Dieser Wunsch wurde allerdings durch die Denkmalschutzkommission in zwei Gutachten negativ beschieden. Schließlich einigte man sich auf einen Kompromissvorschlag des Bürgermeisters, wonach die Straße gepflastert wird, die Rollspuren der Autos (und Fahrräder) aber mit einem glatten grauen Gussasphalt versehen werden – eine Lösung, die die optische Gestaltung dieses Bereiches weitgehend im Sinne des Denkmalschutzes unverändert belassen und doch das Geräusch der vorbeifahrenden Autos verringern sowie Fahrkomfort und Sicherheit erhöhen soll. Mehrkosten hierfür: 171.000 Euro – dies ohne Infrastruktur-Bezuschussung durch die Deutschsprachige Gemeinschaft, da es sich um ein reines Straßenbauprojekt handelt.
Der Wunsch, die Straße bis November 2019 fertigstellen zu können, erwies sich allerdings als unrealistisch, denn der Unterbau der Straße war deutlich schlechter als man erwartet hatte. „Auf diesem Untergrund hätte man nicht vernünftig pflastern können“, so wurde dem Gemeinderat seinerzeit erläutert, der weitere Mehrkosten in Höhe von 77.000 Euro genehmigte. Diese Arbeiten sind inzwischen ebenfalls beendet und der Unternehmer ist zurzeit mit den Pflasterarbeiten in Fahrtrichtung Berg beschäftigt. Diese Pflasterung muss danach verfugt werden und der Gussasphalt muss gegossen werden. Während der Zeit des Trocknens und Aushärtens werden die Randstreifen fertiggestellt. Und dann, schätzungsweise in sechs Wochen, wird die Baustelle umgerüstet und der Verkehr wird einspurig auf der fertiggestellten Straßenseite fließen können. Weitere 38 Arbeitstage veranschlagt der Unternehmer danach für die Fertigstellung der anderen Straßenseite. Damit dürfte die vom Bürgermeister „positiv“ bzw. „mit Optimismus“ angesprochene Zeit des Jahresurlaubs erreicht sein. Es sei denn, ausbleibender Materialnachschub, verhinderte Einsätze von Subunternehmern oder eine Stilllegung der Baustelle aufgrund der Coronakrise sorgen für weitere, unvorhersehbare Verzögerungen.
Der Vollständigkeit halber seien auch noch Mehrarbeiten in Höhe von 18.500 Euro erwähnt, die der Gemeinderat bewilligte, um den bisher teilweise gepflasterten und mit Stufen versehenen Bürgersteig an der Seite von Haus Zahlepohl, gegenüber der Burg, durchgängig behindertengerecht und barrierefrei zu gestalten
Man hätte die Baustelle besser während des Winters stillgelegt.
Auf die Frage, ob er rückwirkend betrachtet bei diesem Projekt etwas anders machen würde, wenn das möglich wäre, antwortete Bürgermeister Güsting, dass eine Schließung der Baustelle und eine vollständige Öffnung der Straße für den Durchgangsverkehr während des Winters (so wie die CSL-Fraktion des Gemeinderates sie angeregt hatte) tatsächlich wohl eine bessere Lösung gewesen wären. Er habe jedoch zum Zeitpunkt der damaligen Entscheidung nicht im Detail von den technischen Beeinträchtigungen gewusst, die Frost bzw. niedrige Temperaturen bei der Arbeit mit den zum Einsatz kommenden Werkstoffen zur Folge hätten, so der Bürgermeister.
Wie dem auch sei, einige Monate wird man sich an der Burg noch verkehrstechnisch einschränken müssen. Und Baustellen sowie Kosten gibt es mit dem Torbogen, den Türmen und den Mauern an den diversen Fassaden des historischen Gebäudes auch danach noch zur Genüge.

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