Architekt Ernst Mennicken, der Büroniederlassungen in Aachen und Raeren hat, ist spezialisiert auf derartige Restaurierungen und hat im Laufe der Zeit in diesem Bereich viel Erfahrung sammeln können. Auch im Betrieb von Steinmetz Schwarzenberg in Aachen-Sief, mit dem er häufig zusammenarbeitet, kennt er sich aus. „Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein“ – so ähnlich wie im Kinderlied könnte auch dort das Motto lauten.
Die schweren Steine der 60 bis 70 Zentimeter dicken Mauern, die den Torbogen tragen, sind beim Abbau allesamt nummeriert und farblich gekennzeichnet worden. „Etwa zehn Prozent müssen ersetzt werden, bei den anderen reicht eine Reinigung“, sagt Ernst Mennicken. Vor allem werden die neuen Mauern, deren Steine aus den Steinbrüchen in Raeren und Umgebung gewonnen worden waren, wieder stabiler sein: „Der Kalkmörtel war wohl durch die Wurzeln von früherem Efeubewuchs fast vollständig zersetzt worden. Künftig werden die Mauern in ihren verschiedenen Schichten zusätzlich auch noch mit Ankern aus Edelstahl verbunden, damit sie den Torbogen wieder sicher tragen können“, so beschreibt der 67-jährige Architekt einen der Arbeitsschritte. „Die Mauern hatten sich gewölbt und Steine waren herausgebrochen. Auf Dauer wären sie wohl eingestürzt“, sagt er.

Aufwändig ist auch die Reinigung und Instandsetzung anderer Bestandteile des Torbogens. Ernst Mennicken macht an den Abdeckungen der Seitenmauern und an den Steinen des Bogens selbst Risse und fehlende Stücke aus. „Inmitten des im Laufe der Jahrmillionen durch Ablagerung entstandenen Blausteins gibt es zum Beispiel Quarzadern, die zu solchen Rissen führen“, erklärt der Fachmann. Und da, wo die Bestandteile des Bogens mit in Blei gegossenen Metallbolzen miteinander verbunden worden waren, hat es im Laufe der Jahre sogenannte „Rostsprengungen“ oder „Abplatzungen“ gegeben. „Das wird hier in der Steinmetzwerkstatt Schwarzenberg fachmännisch restauriert“, sagt der Architekt, der die Arbeiten sorgfältig geplant hat und diese in den verschiedenen Phasen mit Gutachten und Zwischenberichten begleitet.
Einige Teile haben die Mitarbeiter des Steinmetzbetriebes schon fertiggestellt, so etwa den Bekrönungsstein und die beiden Kugeln sowie den Wappenstein mit seinen Seitenteilen. „Einigen Stellen mussten mit Epoxalharz verklebt werden, aber eigentlich waren diese Teile noch in recht gutem Zustand, wie sich nach der Reinigung herausstellte“, sagt Mennicken. An anderen Stellen sind aber auch Risse und Beschädigungen erst nach der gründlichen Entfernung von Flechten und anderem Bewuchs zutage getreten, stellt er fest..

Einige Monate dürfte es auf jeden Fall noch dauern, ehe alle Arbeiten in der Werkstatt auf Sief durchgeführt sind und mit dem Wiederaufbau des Torbogens an der Burg begonnen werden kann. Vertreter der Gemeinde Raeren und der ostbelgischen Denkmalschutzbehörde sind unlängst in Aachen-Sief beim Steinmetz vorstellig geworden und haben sich vor Ort über Art und Umfang der Arbeiten informieren lassen. Angesichts des kultur- und bauhistorischen Wertes von Burg und Töpfereimuseum, die für Raeren auch emotional eine große Bedeutung haben, hält der Architekt den betriebenen Aufwand für gerechtfertigt. An der Burg Raeren wird er auch in Zukunft noch zu tun haben, denn nach der aufwändigen Erneuerung des Wassergrabens und des Torbogens werden in weiteren Phasen umfangreiche Arbeiten an den Fassaden, Fenstern und am Turm anstehen.
Torbogen aus dem 18. Jahrhundert
Burg Raeren dürfte Mitte des 14. Jahrhunderts gebaut worden sein. Im 18. Jahrhundert war sie baufällig geworden und ihr Besitzer, der Advokat Peter Joseph de Nys, baute sie im romantischen Stil um. Er errichtete einen Damm mit einer Remise und dem heutigen Zugang von der Burgstraße her. Das Eingangsportal trägt die Wappen de Nys – von der Gracht. (Quelle: Töpfereimuseum Raeren)
Der Torbogen ist nur der Anfang
Die Sanierung des Torbogens wird 85.600 Euro. kosten. Im Sommer soll die Nordwestfassade mit beiden Ecktürmen, Dachaustritt, Balkon und Stützbogen folgen (Kosten 260.000 Euro). Danach für weitere 365.000 Euro die Sanierung der Südwestfassade, der Innenhofseite und der Zugangsbrücke sowie schließlich der Nordostfassade und der Fassade zur Burgstraße. Die DG trägt 60 Prozent dieser Kosten.

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