Syriens Parlament erkennt Massaker an Armeniern als Völkermord an

<p>Eine ewige Flamme brennt in der Gedenkstätte Tsitsernakaberd, ein Denkmalkomplex in Jerewan (Armenien) zum Gedenken der Opfer des Völkermords an den Armeniern 1915.</p>
Eine ewige Flamme brennt in der Gedenkstätte Tsitsernakaberd, ein Denkmalkomplex in Jerewan (Armenien) zum Gedenken der Opfer des Völkermords an den Armeniern 1915. | Foto: Jan Woitas/dpa

Während des Ersten Weltkrieges waren Armenier systematisch verfolgt worden und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Das Gebiet des heutigen Syrien gehörte damals zum Osmanischen Reich.

Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht den Tod von 300.000 bis 500.000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker. Eine Einstufung als Völkermord weist sie jedoch strikt zurück.

Syrien erlebe derzeit eine „türkische Aggression“, die sich auf die „abscheuliche osmanische Gesinnung“ stütze, erklärte der Sprecher des syrischen Parlaments, Hammudah Sabbagh. „Wer erinnern uns mit aufrichtigem Schmerz an das abscheuliche Verbrechen, das die Vorfahren des (türkschen Präsidenten Recep Tayyip) Erdogan begangen haben.“

Im Jahr 2016 hatte der Deutsche Bundestag die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich ebenfalls als Völkermord eingestuft. Im vergangenen Jahr verabschiedete auch der US-Kongress eine entsprechende Resolution. In beiden Fällen kam es zu schweren Spannungen mit der türkischen Regierung.

Im syrischen Bürgerkrieg sind die Regierung in Damaskus und die Türkei miteinander verfeindet. Ankara unterstützt in dem Konflikt Rebellen und hat auch eigene Soldaten in dem Bürgerkriegsland. Zuletzt war es in der letzten großen Rebellenhochburg Idlib im Nordwesten Syriens zu schweren Spannungen zwischen türkischen Truppen und syrischen Regierungsanhängern gekommen.

In Syrien lebten vor Beginn des Bürgerkriegs nach Schätzungen bis zu 100.000 Armenier. Viele von ihnen sind Nachfahren Überlebender der Opfer des Massakers während des Ersten Weltkriegs.

In Syrien gibt es zwar Wahlen, sie werden aber von der autokratischen Führung in Damaskus gesteuert. Das Parlament gilt nur als Werkzeug der Machtelite um Präsident Baschar al-Assad.

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Kommentare

  • Lebte länger als zweieinhalb Jahre in Istanbul und hatte Kontakt zur christlichen Zeitung GOK bei der der ermordete Hrant Dink Chefredakteur war. In Istanbul hieß es, es seien 1,5 bis 2,5 Millionen Armenier ermordet worden. Der Konflikt, der besonders zwischen Kurden und Armeniern stattfand und weite Teile der sogenannten kurdischen schuf, begann nachweislich bereits 1913. 1913 dokumentierte eine deutsche Karte den Konfikt. Die Auseinandersetzung soll anfangs auch 300.000 Türken das Leben gekostet haben, schreibt die Türkei Seite und benennt Hratch "Hampartsum" Boyadjian und seine Rebellion als die Haupttäter auf armenischer Seite. Die Armenier nennen das einen Kampf aus Notwehr gegen die Türken. Die Zahl der Opfer liegt mit 2,5 Millionen ermordeten Armeniern viel eher Bereich der Wahrheit. Damit ist der Konflikt, der auf Spannungen zwischen dem Zarenreich und dem Osmanenreich zurückging mit seinem Anfang noch vor Beginn des ersten Weltkriegs, in dessen Verlauf sich der traurige Höhepunkt des Massenmordes ereignete. Natürlich ist die Republik Türkei als Rechtsnachfolger insgesamt verantwortlich für dieses Verbrechen. Besonders aus den an diesen Massakern führend beteiligen Verbrechern rekrutierte die junge Jungtürken-Republik die neue Elite für Ministerämter und Generalitaet. Aus den Tätern würden die Jungtürken, zu denen dann Mustafa Kemal Atatürk stieß, der nicht an Verbrechen beteiligt war. Über siebzig Jahre bestimmten die faschistisch geprägten Jungtürken die Geschicke der neuen Republik. Erst mit dem Sieg von Erdogans AKP wurde dies überwunden und Religion hatte wieder größere Bedeutung in der Gesellschaft. Damit gelang es Erdogan auch, dieses tragische Thema endlich in Öffentlichkeit zu stellen. Er erwähnte die Armenier auch im Wahlkreis, was ihm viele junge moslemische Wähler dankten. Die jungen Türken identifizieren sich stark mit der Geschichte der Armenier in der Türkei und viele Tausend demonstrieren in Istanbul aus Solidarität mit Hrant Dink, nach dem dieser von einem rechten Kemalisten ermordet war. Kein Präsident vor Erdogan ließ das Armenier öffentlich zu. Er kümmerte sich aber auch darum, daß in den kurdischen Gebieten mehr Schulen entstanden und die kurdische Sprache wieder volle Anerkennung fand. Der Genozid an den Armeniern Völkern zu nennen, trifft für das Gebiet der Morde zu. Ani, die Stadt der tausend Kirchen, versank vollständig, nur die Kirchturmspitzen schauen noch aus dem Wüstensand. Städte wie Van und Malatya, einst christliche Hochburgen, sind heute vollständig moslemisch. Missionare und Forscher haben es in der Türkei schwer bei diesem Thema, besonders koreanische Christen sind sehr mutig und dokumentieren die Orte des Verbrechens, aber auch die christlichen Stätten in der Türkei, wie die Höhlenkirche des Paulus in Antakia, dem ehemaligen Antiochia. Erdogan war als erster Präsident bereit, Entschädigungen für den gigantischen Grundbesitz der Bauern und Klöster zu leisten und zahlte Gelder an die letzten Christengemeinden aus.
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