Chinas Unternehmen haben ihre Firmenkäufe und -beteiligungen in Europa zurückgefahren: Investoren aus der Volksrepublik gaben im vergangenen Jahr gut 17 Milliarden Dollar (15,6 Mrd Euro) für Zukäufe und Beteiligungen an Unternehmen in Europa aus. Verglichen mit dem Vorjahr bedeutet das einen starken Rückgang von 45 Prozent. Das hat die Beratungsgesellschaft EY errechnet. Demnach zogen die Aktivitäten chinesischer Firmen im zweiten Halbjahr stark an, nachdem es in der ersten Jahreshälfte nur wenige Transaktionen gegeben hatte.
Europaweit größter chinesischer Firmenkauf war die Übernahme der britischen Brauereigruppe Greene King für 5,5 Milliarden Dollar durch eine Immobilien- und Investmentfirma des Hongkonger Multimilliardärs Li Ka-Shing. An zweiter Stelle kam die Fünf-Prozent-Beteiligung des chinesischen Staatskonzerns Beijing Automotive an Daimler für knapp 2,9 Milliarden Dollar, so die am Donnerstag veröffentlichte Studie.
Die Beobachtungen der China-Fachleute bei EY decken sich mit dem „Global China Investment Tracker“ des American Enterprise Institute, einer konservativen US-Denkfabrik, die chinesische Investitionen weltweit analysiert. Die Zahlen stehen vor dem Hintergrund wachsenden Misstrauens gegen chinesische Firmenkäufe in Europa, nicht zuletzt wegen des Ziels der Pekinger Führung, den Westen und Japan in sämtlichen Schlüsselbranchen technologisch zu überflügeln.
Misttrauen macht sich indes im Ausland wahr – und das nimtm auch die Kommunistische Partei in China wahr. So hat Peking nach Beobachtung europäischer Manager die Propaganda für die „Made in China 2025“-Kampagne weitgehend eingestellt, die große Besorgnis im Ausland ausgelöst hatte.
„Made in China 2025“ ist das Motto des Plans, bis Mitte dieses Jahrzehnts in allen wichtigen Wirtschaftssektoren technologisch gleichzuziehen. Teils hat China Europa nach allgemeiner Einschätzung der Fachwelt bereits überholt, so in der Künstlichen Intelligenz.
In der längerfristigen Betrachtung haben chinesische Unternehmen 2019 so wenig Geld in Europa investiert wie seit 2013 nicht mehr. Inwieweit das auf Order des Pekinger Regimes zurückzuführen ist, lässt sich von außen schwer beurteilen. Laut American Enterprise Institute haben insbesondere große chinesische Staatsfirmen 2019 weniger im Ausland investiert.
Doch abgesehen von politischen Faktoren wächst die chinesische Volkswirtschaft inzwischen langsamer als in früheren Jahren, die Devisenreserven sind geschrumpft, die Unternehmensverschuldung hat rasant zugenommen. Da reiche Chinesen ihr Geld bevorzugt ins Ausland schaffen, versucht die Pekinger Führung, die Kapitalflucht mittels scharfer Kontrollen einzudämmen.
Die China-Fachleute bei EY gehen aber davon aus, dass chinesische Firmenkäufer in diesem Jahr wieder aktiver werden und auch die Coronavirus-Epidemie keine längerfristigen Auswirkungen haben wird. (dpa)

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