Coronavirus bei China-Rückkehrern

<p>In nur einer Woche wurde in Wuhan das Huoshenshan-Nothospital für Coronavirus-Patienten gebaut.</p>
In nur einer Woche wurde in Wuhan das Huoshenshan-Nothospital für Coronavirus-Patienten gebaut. | Foto: afp

Den beiden aus China zurückgekehrten und mit dem Coronavirus infizierten Passagieren geht es nach Einschätzung der Ärzte gut. Die beiden Deutschen waren am Wochenende mit 122 weiteren Menschen aus der stark vom Virus betroffenen Stadt Wuhan zurückgeholt worden.

Nach neuesten Erkenntnissen chinesischer Forscher kann sich das Coronavirus nicht nur über Tröpfchen, sondern auch über das Verdauungssystem verbreiten. Die Mediziner haben das Virus 2019-nCoV auch in Stuhlproben und Rektalabstrichen gefunden, nachdem sie festgestellt hatten, dass einige Patienten allein Durchfall statt üblicherweise Fieber bekommen hatten, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag berichtete. An der Forschung waren die Universität Wuhan und das Virus-Institut der chinesischen Akademie der Wissenschaften in der schwer betroffenen Provinzhauptstadt von Hubei beteiligt.

Erster bestätigter Todesfall außerhalb Chinas

Die Stadt Wuhan in China gilt als Ursprungsort der Epidemie. Allein von dort wurden binnen eines Tages 45 weitere Todesfälle gemeldet. Die chinesische Gesundheitskommission teilte am Sonntag in Peking mit, dass die Lungenkrankheit nun insgesamt 304 Menschen in China das Leben gekostet habe. Die Zahl der bestätigten Erkrankungen kletterte demnach so stark wie noch nie innerhalb eines Tages - um 2580 auf 14 380 Fälle. Etwa 150 Infektionen sind außerhalb Chinas bekannt.

Am Sonntag meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den ersten bestätigten Todesfall außerhalb Chinas: Ein am 21. Januar auf die Philippinen gereister Chinese aus Wuhan sei am Samstag gestorben, seine Begleiterin erkrankt.

Immer mehr Länder holen ihre Staatsbürger heim. In Frankreich traf am Sonntag ein zweiter Flieger mit Rückkehrern aus Wuhan ein. Die Maschinen hatten neben Franzosen auch Belgier, Tschechen, Niederländer und Dänen an Bord - diese wurden am Abend nach Brüssel geflogen (siehe Seite 3). Die Passagiere des ersten Fluges sind für die Quarantäne in einem Feriendorf bei Marseille untergebracht worden, auch die des zweiten Fluges sollten isoliert werden. Mehrere Länder haben Einreiseverbote oder -beschränkungen für Menschen aus China verfügt, zuletzt unter anderem Neuseeland, Australien und Israel.

China bekämpft die Seuche unterdessen hart: Erstmals seit Ausbruch des Krankheit wurde auch eine Millionenmetropole außerhalb der schwer betroffenen Provinz Hubei so gut wie stillgelegt. Für die neun Millionen Bewohner von Wenzhou wird auch beschränkt, wie oft sie vor die Tür gehen dürfen. Jede Familie könne ein Mitglied auswählen, das alle zwei Tage zum Einkaufen könne, teilte die Stadtregierung mit. „Andere sollten grundsätzlich nicht das Haus verlassen.“

Forscher in Rom isolieren Coronavirus

Wenzhou liegt mehr als 800 Kilometer östlich vom Ursprungsort der Epidemie in Wuhan. Der öffentliche Nahverkehr wurde stillgelegt, ebenso der Überlandverkehr mit Bussen in andere Regionen. An den meisten Bezahl- und Kontrollstellen der Zufahrtsstraßen zu der Metropole wurde der Straßenverkehr gesperrt. Schulen und Universitäten bleiben vorerst geschlossen. Diverse Ausnahmen gelten nur für die medizinische Versorgung und die Bekämpfung der Seuche.

Italienische Forscher haben nach Medienberichten das Coronavirus isoliert. „Das ist international eine wichtige Nachricht. Sie bedeutet, dass es mehr Möglichkeiten gibt, es zu verstehen und zu studieren, um es eindämmen zu können“, sagte der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza am Sonntag. Die Ergebnisse der Wissenschaftler vom nationalen Institut für Infektionskrankheiten Lazzaro Spallanzani in Rom würden der internationalen Gemeinschaft für weitere Forschungen zur Verfügung gestellt.

An dem Spezialinstitut in Rom werden auch Untersuchungen im Fall eines Corona-Verdachts in Italien durchgeführt. Es gibt in dem Mittelmeerland zwei bestätigte Fälle von chinesischen Touristen, die mit dem Virus aus ihrem Heimatland infiziert sind. Die Forscher selbst erläuterten nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa, sie hätten das Virus weniger als 48 Stunden nach der Diagnose für die beiden Patienten isolieren können. Australische Forscher hatten bereits vor einigen Tagen im Labor das Coronavirus nachgezüchtet.

Die G7-Staaten wollen über ein einheitliches Vorgehen beim Coronavirus beraten. Es soll eine Telefonkonferenz der G7-Gesundheitsminister gebene.

Chinas Notenbank stärkt derweil das Finanzsystem des Landes in der Coronavirus-Krise mit einer ungewöhnlich hohen Geldspritze: Die Zentralbank stelle den Geschäftsbanken am Montag 1,2 Billionen Yuan (rund 156 Milliarden Euro) Liquidität zur Verfügung, kündigte das Institut an. Das solle die Funktionalität des chinesischen Geldmarktes und Bankensystems während sicherstellen. Die Ausbreitung des Virus hatte den Börsen in den vergangenen Tagen weltweit gehörig zugesetzt.

(dpa)

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