Wenn man Menschen zuhört, die den Herbst 1944, nachdem die US-Soldaten die Wehrmacht aus Ostbelgien zurückgedrängt hatten, selbst erlebt haben, dann spürt man ihnen geradezu die Erleichterung unter der wiedergewonnenen Freiheit an. Die Ardennenschlacht unterbrach dieses Gefühl brutal und brachte Tod und Zerstörung über das Gebiet zwischen Monschau und dem Süden Luxemburgs.
Danach kamen die Goldenen Fünfziger und die Sechziger mit einer Lichtfigur wie John F. Kennedy und mit Woodstock zum Abschluss eines verrückten Jahrzehnts. Und überall war das Sternenbanner vorneweg: Die staunende Welt schien „Uncle Sam“ offenzustehen, er konnte sogar Menschen auf dem Mond spazieren gehen lassen.
Heute, 50 Jahre später, ist der Glanz des Sternenbanners erblasst. Der Turbokapitalismus eines Ronald Reagan, die Golfkriege der Bushs, die durch faule Immobilienkredite in den USA ausgelöste Weltfinanzkrise oder der Lauschangriff der NSA auf ganz Europa unter Barack Obama haben Spuren hinterlassen. Doch in Europa hat man lange ein, und manchmal sogar beide Augen zugedrückt, wenn der große Bruder mal wieder über die Stränge geschlagen hatte.
Heute aber, mit einem gewissen Donald Trump an der obersten Schaltstelle der Macht des nach wie vor mächtigsten Landes der Welt, ist die Zeit für eine grundsätzliche Neubewertung des Verhältnisses zu den USA gekommen.
Trumps Ausstieg aus dem Klimavertrag von Paris, die Kürzung der Mittel für die Vereinten Nationen, das Rütteln am Weltpostverein, die Weigerung, Richter für die Welthandelsorganisation WTO zu bezeichnen, die Kündigung des Atomvertrages mit dem Iran, die Erpressung der Partner in der EU durch die Androhung von Strafzöllen und jüngst das Ausrufen von Sanktionen gegen Firmen, die es gewagt haben, die Erdgaspipeline „Nord Stream 2“ durch die Ostsee zu bauen ... – Die USA stellen die multilaterale Nachkriegsweltordnung grundsätzlich infrage, zetteln einen beispiellosen Handelskrieg mit China an und wollen offensichtlich zurück zu dem System des Rechts des Stärkeren.
Eine Epoche geht zu Ende. Statt, wie zuletzt im Europaparlament mit dem Rindfleischdeal, den Erpressungen Donald Trumps nachzugeben, muss die Europäische Union sich zur Verfechterin einer offenen, multilateralen, auf Regeln basierten friedlichen Weltordnung machen.
Es geht nicht nur um die Nachkriegsordnung, es geht um Frieden und um Menschenleben. In einer zunehmend gefährlichen Welt mit Riesenherausforderungen, die auch den Partner USA brauchen würde.

Kommentare
Ein treffender Kommentar.
Unter Trump gerät jedoch nicht nur der Multilateralismus in Gefahr.
Unter Trump geraten so ziemlich alle zivilisatorischen Errungenschaften in Gefahr.
Wenn ein Mann ohne ethisch-moralischen Kompass unter Mithilfe seiner Administration und seiner willfährigen Partei seine Macht missbraucht, um seinen pathologischen Narzismus auszuleben, geht viel mehr verloren.
Trump, dessen abnormales Verhalten mehr dem eines unberechenbaren Diktators gleicht, als eines verantwortungsvollen Staatsmannes, bietet eine Blaupause und Rechtfertigung für jeden, dem die Regeln eines respektablen Miteinanders gleichgültig sind.
Die dadurch drohende Gefahr spaltet und polarisiert nicht nur die amerikanische Gesellschaft, sie kompromittiert das Fundament menschlichen Zusammenlebens.
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