Sie glaube fest, dass er noch am Leben sei. „Das Volk der Uiguren braucht Sie“, sagte Ilham zu den EU-Abgeordneten. Die Mitgliedsländer der Europäischen Union sollten China zur Verantwortung ziehen. Dabei gehe es nicht darum, China zu bekämpfen, sondern Menschenrechte zu schützen, sagte Ilham, die am Rednerpult ein Foto ihres Vaters zeigte.
Den Uiguren in Westchina würden die Grundrechte versagt. „Sie werden gezwungen, ihre Religion, ihre Sprache, ihre Kultur aufzugeben.“ Der Sacharow-Preis wird seit 1988 vom Europäischen Parlament an Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich für die Verteidigung der Menschenrechte und der Meinungsfreiheit einsetzen. Tohti hatte zuletzt auch den Vaclav-Havel-Menschenrechtspreis des Europarats erhalten. Das EU-Parlament will sich am Donnerstag in einer Resolution zur Lage der Uiguren in China positionieren.
Der vor fünf Jahren wegen „Separatismus“ zu lebenslanger Haft verurteilte Intellektuelle Tohti ist einer der bekanntesten Vertreter der muslimischen Minderheit der Uiguren in China. Der Professor der Minderheiten-Universität (Minzu Daxue) in Peking gilt eigentlich als gemäßigte Stimme. Er war Mitbegründer einer Webseite über Uiguren, die auf Dialog mit Han-Chinesen, der größten Volksgruppe im Land, bedacht war.
Tohti bezahle einen hohen Preis für seinen Kampf, sagte EU-Parlamentspräsident David Sassoli. Er forderte China erneut auf, den 50-Jährigen umgehend aus der Haft zu entlassen. Das Europäische Parlament müsse ein Sprachrohr für die Gedanken- und Meinungsfreiheit sein. Tohtis Kampf habe den Dialog, Mäßigung und die kulturelle Vielfalt in China beleuchtet. (dpa)

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